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Raus im Winter: Schritt für Schritt zu mehr Gesundheit und Lebensgefühl

Schritt für Schritt zu mehr Gesundheit und LebensgefühlMan muss nicht auf den Frühling warten. Auch und gerade jetzt im Winter lohnt es sich, raus zu gehen und die Natur zu genießen. Spazieren, wandern, walken, joggen, Eis- oder Lang- oder Skilaufen. Bewegung im Freien und selbst der bloße Aufenthalt in der Natur tun der Seele und der Gesundheit gut.

Saisonale Depression

Im Winter schleicht sich bei vielen Menschen ein depressiver Zustand ein. Diese so genannte „Saisonale Depression“ betrifft je nach Studie zwischen 4 und 20 Prozent der Bevölkerung. „Grund dafür ist der Entzug von Sonnenlicht und allgemein zuwenig körperliche Bewegung“, sagt Sportpsychologe Günter Amesberger von der Universität Salzburg.

Bewegung im Freien dagegen beugt depressiven Stimmungen vor und hellt die trübe Stimmung auf. „Der Vorteil gegenüber Sport in geschlossenen Räumen ist, dass man neben der körperlichen Ertüchtigung zusätzlich dem Sonnenmangel entgegenwirkt und sich in einer komplexen anregenden Umwelt befindet“, so Amesberger.

Erkältungen vorbeugen

Regelmäßige Bewegung an der frischen Luft stärkt das Immunsystem und schützt vor Erkältungen und anderen Infekten. Bewegung regt die Durchblutung an und bringt die Abwehrkräfte in Schwung. In der Natur findet man virusfreie Luft vor, ganz anders als in geheizten Räumen. Zusätzlich regt moderate Bewegung das Herz- Kreislauf- System an und senkt Blutdruck und Blutzucker.

Den inneren Schweinehund überwinden

Viele Menschen wissen, dass ihnen Bewegung im Freien in allen Belangen gut tun würde, dennoch bleiben sie in ihren geheizten Räumen. Ausreden sind schnell gefunden: zu windig, zu kalt, zu feucht, zu nebelig, die Wege zu matschig und nass. Alle diese Vorwände lassen sich überwinden, wenn man konkrete und fixe Pläne macht. Einen Plan zu haben, bedeutet nicht nur Ziele zu haben, um etwas für sich erreichen, sondern auch ganz konkrete Umsetzungsstrategien. Dazu ist es einerseits wichtig, das Ziel ganz zu seinem eigenen zu machen. Andererseits muss man die Aktivität gegen mögliche Barrieren - wie etwa schlechtes Wetter - gut abschirmen.

Amesberger: „Plötzlich sieht man die Möglichkeit, auch im Winter raus zu gehen, mit anderen Augen. Es hilft auch, wenn das Ziel nicht nur raus gehen heißt, sondern wenn man etwa formuliert: Mir geht es danach besser. Ich werde dadurch fitter, schlanker, gelassener oder ähnliches. Oft hilft es, Tagebuch zu führen. Sinnvoll ist es, sich aufzuschreiben, wie man sich vor der Bewegung und danach fühlt.“

Barrieremanagement hilft

Bewegungspläne bedeuten effektives Barrieremanagement. Wochenpläne sind ein ideales Mittel. Der Sportpsychologe gibt ein Beispiel: „Steht etwa auf dem Wochenplan: Mittwoch 16 Uhr joggen, Freitag 15 Uhr walken, dann muss ich das auch ausführen und mich fix daran halten. Der Vorteil ist, wenn ich diese Vorgaben als gegeben betrachte, dann muss ich mich nicht mehr jedes Mal extra entscheiden, ob ich es auch tatsächlich tun will. Egal was ist, ich gehe Mittwoch 16 Uhr und Freitag 15 Uhr raus und bewege mich. Ich mach das einmal, zweimal, dreimal und bald ist eine Gewohnheit daraus geworden, die sich lohnt. Es ist so wie beim Zähneputzen. Sobald man sich einmal daran gewöhnt hat, wird es Teil des Lebens und man tut es einfach.“

Wer seine Pläne realisiert, sollte sich dafür auch belohnen. Die Belohnung hilft einem vor allem am Beginn des Bewegungsprogrammes bei der Durchführung der Aktivitäten. 

Bewegen, bevor der Ernstfall eintritt

Manche Menschen verweigern jede freiwillige Bewegung. Sie sitzen fast den ganzen Tag über: vor dem Computer, beim Essen, vor dem Fernsehgerät etc. „Erst wenn es zu spät ist, sich als Gesunder an der Bewegung zu erfreuen, beginnen sie ihr Leben umzustellen. Erst wenn der Leidensdruck derart hoch ist, dass man einfach nicht mehr nur auf der Couch sitzen kann, entdecken auch diese Menschen, dass Bewegung das beste Heilmittel ist. Wer rechtzeitig diese Tatsache für sich entdeckt, muss es erst gar nicht so weit kommen lassen“, weiß Amesberger.

Draußen sein

Bewegung stärkt also das Immunsystem und verändert die Befindlichkeit. Aber selbst der bloße Aufenthalt im Freien, das „Draußen sein“, das Spazieren, das Gehen und sogar das Stehen im Freien hat positive Effekte auf die Psyche. Draußen zu sein, das bedeutet teilzuhaben am Wetter, an der Natur, am Leben außerhalb eines selbst.

Amesberger: „Der bloße Aufenthalt im Freien hat Auswirkungen auf das seelische Befinden. Man bekommt die Gelegenheit, sein Augenmerk wieder auf die wirklich bedeutenden Dinge im Leben zu richten. Vom Psychologischen her gesehen ist Gehen auch eine Entschleunigung der Zeit. Es geht nicht darum, irgendwo anzukommen, sondern den Weg zu gehen. Die Natur vermittelt ganzheitliche Eindrücke, die zu einer vielfältigen Sinnes- und Gedankenanregung führen. Zu gehen bietet auch eine meditative Möglichkeit, sich mit seinem Leben auseinander zu setzen oder mit wichtigen Menschen zu plaudern. All davon profitiert die Psyche."

Spaziergang im Freien

Der Schritt ins Freie, möglichst abseits des Straßenlärms wird belohnt mit mannigfaltigen Sinneseindrücken. Bestens geeignet sind natürlich die sonnigen Tage. Wenn der Wind ruht und die Sonne das Weiß des Schnees glitzern lässt, verlieren sich die Gedanken des Alltags meist sehr rasch. Mit jedem Schritt, der den Schnee knirschen lässt, verfliegen die Gedanken an offene Rechnungen, an unliebsame Mitmenschen, an all die Lasten und Probleme des Lebens mehr und mehr. Mit jedem Atemstoß, der vor einem sichtbar in der Luft wirbelt, verlieren sich Sorgen und Ängste. Geht man lange genug, möglichst durch eine schöne und stille Landschaft, verlangsamt sich das Gedankenkarussell und die Sinne nehmen auf, was ist: angenehme Kälte, Helligkeit, Düfte, Geräusche, die Dinge, die einem umgeben.

Dr. Thomas Hartl
Jänner 2011


Foto: Bilderbox

Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2020