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Frauen laufen mehr – aber anders

Laufende FrauenBei Marathonläufen werden immer mehr Läuferinnen gezählt, berichtet Dr. Andreas Dallamassl, praktischer Arzt und Sportmediziner aus Linz. Beim Rock ’n’ Roll Marathon in San Diego 2006 wurden zirka 17.000 Teilnehmer gezählt – 8.000 Männer und 9.000 Frauen.

„Solche Marathon-Teilnehmerzahlen sind bei uns noch nicht üblich, jedoch sind besonders bei den kürzeren Laufdistanzen und im nicht wettkampforientierten Gesundheitssport immer mehr Frauen zu sehen, wobei ich auf die erfreulicherweise stark steigenden Teilnehmerzahlen bei den diversen Frauenläufen hinweisen möchte“, sagt der Mediziner.
Den Wien-Marathon 2008 beendeten gut 5.000 Männer und 966 Frauen, den Halbmarathon knapp 6.000 Männer und 2.232 Frauen. Und beim Linz Marathon 2009 war die Steirerin Eva-Maria Gradwohl um sieben Sekunden schneller im Ziel als der Oberösterreicher Thomas Bosnjak.
 

Biologische Unterschiede

Neben dem unterschiedlichen Körperbau bei Mann und Frau gilt es auch Menstruation, Schwangerschaft, Stillzeit und Klimakterium in die Überlegungen um gesundheitsorientiertes Laufen einzubeziehen.
Die verschiedene Leistungsfähigkeit der Geschlechter ist hauptsächlich dem unterschiedlichen Verhältnis von Fett- und Muskelgewebe geschuldet. Frauen haben durchschnittlich zehn Prozent mehr Fettgewebe und zirka zwölf bis 15 Prozent weniger Muskelgewebe als Männer, so Dallamassl. Dazu kommen eine geringere Lungenkapazität, ein kleineres Herzvolumen und eine geringere Blutmenge, die die Leistungsfähigkeit der Frauen gegenüber den Männern verringert – „wobei der Unterschied mit der Länge der Laufstrecke immer kleiner wird“, hält der Spezialist fest.
Unterschiede in der Fußanatomie sollten beim Schuhkauf auf jeden Fall berücksichtigt werden: Frauenschuhe sind nicht nur kleinere Männerschuhe. Sie sind auch anders aufgebaut, weil der weibliche Fuß im Zehen- und Ballenbereich schmäler ist als der männliche.

Menstruation

Beschwerden während der Menstruation – Stimmungsschwankungen, Spannungsgefühle in den Brüsten oder Krämpfe – werden durch regelmäßiges Laufen eindeutig verbessert. Jedoch kann zu intensives oder umfangreiches Laufen zum Ausbleiben der Regelblutung mit negativen Folgen auf den Knochenstoffwechsel bis hin zur Osteoporose führen, gibt Dallamassl zu bedenken. Diese Probleme spielten für gesundheitsorientierte Läuferinnen jedoch nur selten eine Rolle.
Die Zeitschrift „Medizinpopulär“ zitiert in ihrer Ausgabe 6/2009 Forscher der Ruhruniversität Bochum. Sie empfehlen Frauen, Krafttraining eher in die erste Hälfte des Monatszyklus zu setzen. Ausdauer sollte demnach in der zweiten Hälfte trainiert werden.

Schwangerschaft und Laufen

Leichtes Lauftraining und viel frische Luft können auch bei Müdigkeit und Übelkeit im ersten Drittel der Schwangerschaft helfen. Dauer und Intensität der Einheiten sollten jedoch langsam zurückgeschraubt werden, wobei das eigene Wohlbefinden der Gradmesser zu sein hat, empfiehlt der Sportmediziner Dallamassl. Er weist auch darauf hin, dass die Fehlgeburtenrate bei sportlichen Schwangeren keinesfalls höher, das individuelle Wohlbefinden jedoch deutlich besser ist, als bei inaktiven werdenden Müttern.
Im zweiten Drittel der Schwangerschaft verursacht die Größenzunahme des Fetus eine geringere sauerstoffbindende Kapazität des Blutes, was einen Einfluss auf die Trainingsleistung der Schwangeren nimmt. Jedenfalls sollten in dieser Phase spezielle Bauch- und Beckenbodenübungen im Rahmen einer Schwangerschaftsgymnastik gemacht werden.
Im letzten Drittel der Schwangerschaft schließlich wird die Größenzunahme des Bauches die Atmung erschweren und die körperliche Belastbarkeit stark abnehmen. Jetzt sollte nur mehr das körperliche Wohlbefinden im Vordergrund stehen – Frauen, die in dieser Phase übertreiben, entbinden oft deutlich vor dem errechneten Geburtstermin, so der Mediziner.

Während der Stillzeit

„Frauen, die während der Schwangerschaft aktiv sind, erholen sich nach der Geburt, die in der Regel auch problemloser abläuft, viel schneller und sind den Belastungen nach der Geburt viel besser gewachsen“, so Dallamassl. Sechs bis acht Wochen nach einer komplikationslosen Geburt sei gegen die Aufnahmen eines moderaten Lauftrainings nichts einzuwenden. Die Laufgeschwindigkeit sollte sich im regenerativen Bereich (60 bis 65 Prozent der maximalen Pulsfrequenz) bewegen. Höhere Geschwindigkeiten oder gar Teilnahme an Wettkämpfen könnten negative Wirkung auf die Milchproduktion verursachen.
Stillen verursacht einen zusätzlichen Bedarf von zirka 600 Kalorien. Dieser Mehrbedarf muss zusätzlich zum Kalorienverbrauch durch das Laufen gedeckt werden. Der Mediziner empfiehlt deshalb neben einer ausreichenden Flüssigkeitsaufnahme von zwei bis drei Litern täglich und auch mehr zu essen.

Laufen und Brustkrebs

Studien weisen laufend nach, dass bei Läuferinnen das Risiko an Brustkrebs zu erkranken um bis zu 50 Prozent sinkt. Dallamassl erklärt diese Wirkung anhand von zwei Theorien. Unsportliche Frauen haben mehr Fettgewebe und produzieren in diesem Fettgewebe vermehrt Östrogene. Diese Hormone gelangen über die Blutbahn in das Brustdrüsengewebe und können dort Brustkrebs verursachen.
Die zweite Theorie macht den Insulinspiegel für die Entstehung von Brustkrebs verantwortlich. Durch den erhöhten Insulinspiegel bei inaktiven Frauen werden in der Leber weniger von bestimmten Eiweißen gebildet, deren Aufgabe es ist, Sexualhormone zu binden oder zu inaktivieren. Dadurch konzentrieren sich diese Hormone im Brustgewebe und lösen dort den Krebs aus.

Klimakterium

Wie während der Schwangerschaft kann sportliche Betätigung auch in den Wechseljahren die typischen Beschwerden wie Stimmungsschwankungen, Hitzewallungen oder übermäßiges Schwitzen verringern. Natürlich wird auch die hormonell bedingte Gewichtszunahme durch das Laufen reduziert.
„In den Lebensphasen, in denen es erforderlich ist, sollten Frauen sehr wohl das Bewegungsverhalten an die biologischen Gegebenheiten anpassen und entsprechend zurückschalten. Sobald es aber der körperliche Zustand erlaubt, sollte langsam aber regelmäßig wieder an das gewohnte Training angeschlossen werden, wobei nach einer kurzen Anlaufphase bald wieder das ursprünglich vorhandene Leistungsniveau sowie die Freude an der Bewegung erreicht werden können“, hält der Sportmediziner fest.

Zur Bewegung motiviert

  • Positive Wirkung auf die Knochen mit Verhinderung einer Osteoporose im Alter
  • Positive Beeinflussung von Menstruationsbeschwerden
  • Positive Beeinflussung von Schwangerschafts- und Geburtsverlauf
  • Positive Beeinflussung von Wechselbeschwerden
  • Steigerung der körperlichen Attraktivität über Fettab- und Muskelaufbau
  • Reduktion von Krebserkrankungen, insbesondere des Mammakarzinoms


Mag. Christian Boukal

Juni 2009

Foto: Bilderbox 

Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2020