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Was hilft bei Muskelkater?

Was hilft bei MuskelkaterJeder kennt ihn, keiner will ihn: den Muskelkater. Wenn er Sie erwischt, einfach Ruhe bewahren. Im wahrsten Sinn des Wortes.

Wie hieß es früher landläufig? Den Muskelkater am besten „wegtrainieren“ … also Zähne zusammenbeißen und sporteln, was das Zeug hält? Weit gefehlt. Das verzögert nur den Heilungsprozess. Ein Muskelkater basiert nämlich nicht auf einer Übersäuerung der Muskeln, wie früher angenommen, sondern auf feinen Verletzungen, so genannten Mikrotraumata, in der Muskulatur.

Kleine Verletzungen

Durch diese Risse kann Gewebsflüssigkeit eindringen und nach 24 – 36 Stunden bilden sich kleine Ödeme. Die Muskelfaser schwillt an, wird gedehnt und wirkt auf die Nervenrezeptoren. Der Muskelkater ist also nichts anderes als der wahrgenommene Dehnungsschmerz.

Schonend bewegen

Wenn es einmal richtig schmerzt, soll man zu starke und abrupte Belastungen vermeiden und sich „regenerativ“ und schonend bewegen, bis der Schmerz abgeklungen ist. „Schwimmen, Radfahren und lockeres Laufen sind natürlich erlaubt, solange es nicht zu sehr weh tut. Das eigene Schmerzempfinden ist hier ein guter Maßstab“, so der Linzer Sportmediziner Dr. Andreas Dallamassl. Grund zur Sorge ist ein Muskelkater nicht, verschwindet er doch in der Regel innerhalb von zwei bis vier Tagen von selbst.

Durchblutung fördern

Massagen tragen übrigens nur bedingt zur Heilung eines Muskelkaters bei, sie können eine zusätzliche mechanische Irritation der Muskulatur darstellen. „Wenn schon Massagen, dann nur ganz leichte. Grundsätzlich ist jedoch alles gut, was die Durchblutung fördert“, so Dallamassl. Kneippbäder – abwechselnd heiß und kalt – bieten sich an. Auch Saunabesuche oder Infrarot-Bestrahlung können den Abtransport der Schlackestoffe und die Genesung der Muskelfasern beschleunigen. „Nur bei starken Entzündungen mit Hämatomen, also Blutergüssen, ist Wärme schlecht“, erläutert Dallamassl. Entzündungshemmende Medikamente machen übrigens wenig Sinn. Sie betäuben den Schmerz, hemmen aber auch den Erholungsprozess.

Vor dem Sport ist nach dem Sport

Mit Dehnen kann man Muskelkater nicht vorbeugen, das haben australische Forscher jüngst herausgefunden. Sehr wohl aber mit Aufwärmen. Denn Muskelkater entsteht besonders leicht, wenn kalte, untrainierte Muskeln plötzlich Arbeit leisten müssen. Es gilt also für Hobby- wie für Leistungssportler: Muskeln lockern und langsam und schrittweise an ungewohnte Belastungen gewöhnen.

 

Michael Leithinger
Juni 2008

Foto: Bilderbox

Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2020