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Demenz: Tanzen weckt Erinnerungen

Demenz: Tanzen weckt ErinnerungenMehr Lebensfreude durch Bewegung, Musik und kreatives Gestalten.

Schöner fremder Mann, du bist lieb zu mir“, ertönt es aus dem Radio. Und plötzlich sitzt man wieder in dieser dunklen Ecke, ängstlich und neugierig, mit schweißnassen Händen. Der erste Kuss. Noch heute kribbelt es, als wäre es gestern gewesen.
Musik ist eine wichtige Brücke in die Vergangenheit. Jeder hat Lieder, die einen an ganz besondere Momente erinnern, den Abschlussball, eine Familienfeier, einen Urlaub oder auch an den Abschied von einer geliebten Person. Fachsozialbetreuerin und Tanztherapeutin Veronika Oberndorfer aus Linz will mithilfe dieser intensiven Erinnerungen Menschen mit Demenz helfen.

Bewegen, erinnern, gestalten

„Die Seele kennt keine Demenz. Was einem wichtig war im Leben, ist noch irgendwo da. Mit Musik und Bewegung kann man einen sehr guten Zugang zu Menschen mit dieser Krankheit finden“, sagt Oberndorfer. Bewegen, erinnern und gestalten: Auf diese drei Säulen stützt sich das neue Konzept der Tanztherapeutin, die seit vielen Jahren alte Menschen, mit und ohne Demenz, betreut.
Heino, Udo Jürgens, Marlene Dietrich, Conny Froboess. „Volksmusik und alte Schlager spielen sicher eine wichtige Rolle. Ich gestalte die Stunden aber ganz nach den Interessen der Klienten.“
Im ersten Teil des zweistündigen Kurses, der einmal wöchentlich stattfindet, wird getanzt, jeder nach seinem Geschmack, mit Bewegungsanleitungen der Therapeutin. „Ich sage beispielsweise: Was kann man alles mit den Händen machen? Jeder soll sich dann frei bewegen und ausprobieren. Oft werden wir auch Tücher und andere Materialien verwenden.“
Über die Bewegung sollen die Seniorinnen und Senioren ins Erzählen kommen. Durch das Mitteilen von Erinnerungen finden sie wieder Bezug zur eigenen Lebensgeschichte und können sie als positiv wahrnehmen. Das steigert ihr Selbstwertgefühl und die innere Zufriedenheit. „Oft tauchen dabei auch Erlebnisse auf, die niemals wirklich aufgearbeitet wurden. Das können wir nachholen.“
Am Ende jeder Stunde werden die Erinnerungen und Gefühle künstlerisch zum Ausdruck gebracht, etwa durch ein Seidentuch in Herbstfarben. „Das macht Spaß und regt die Sinne an. Die Klienten können ihre Fähigkeiten einsetzen und sehen, dass sie noch etwas leisten können. Das stärkt ihr Selbstbewusstsein.“

Kursangebot

Der Kurs „Bewegen – Erinnern – Gestalten“ findet jeden Freitag von 9 bis 11 Uhr im Zentrum Lebensraum (Dinghoferstraße 38, Linz) statt. Das Angebot richtet sich an Menschen ab 60 mit Demenz im Anfangsstadium. Maximale Teilnehmerzahl: 6 Personen. Einstieg ist jederzeit möglich. Anmeldung bis mindestens eine Woche vor dem ersten Besuch. Kosten: 25 Euro/Einheit. Infos: www.bewegte-begleitung.at oder telefonisch unter 0680/1126530.

OÖN Zeitungsrolle_150pxSabrina Auböck
Gesundheitsmagazin der OÖNachrichten
16. Oktober 2013



Foto: Bilderbox

Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2020