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Rückensportart: Klettern

Rückensportart KletternKlettern stärkt die Muskulatur und verbessert die Rumpfstabilität und ist damit die ideale Sportart, um Rückenproblemen vorzubeugen. Aber auch bei bestehenden Schmerzen kann Klettern Linderung verschaffen. Wer regelmäßig trainiert, tut zudem seinem Geist Gutes.

Wir fahren mit dem Auto in die Arbeit, sitzen dort den ganzen Tag am Sessel und fahren anschließend wieder nach Hause. Dazwischen bewegen wir uns so gut wie nicht. Dieses Bild trifft heute auf einen Großteil der Bevölkerung zu. Die Folge: Immer mehr Menschen leiden unter Rückenschmerzen. „Die Bandscheibe lebt von der Be- und Entlastung. Leider bewegen sich heute immer weniger Menschen, weil sie eine sitzende Tätigkeit haben. Auch einseitige, starke Belastungen, Übergewicht oder aber diverse Erkrankungen können Rückenschmerzen verursachen“, erklärt Universitätsprofessor DDr. Anton Wicker, Vorstand der Universitätsklinik für Physikalische Medizin und Rehabilitation der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität in Salzburg. Eine ideale Sportart zur Linderung bestehender Rückenschmerzen, aber auch zur Prävention, ist Klettern.

Fülle an positiven Effekten

„Klettern trägt zur Ganzkörperstabilisierung bei. Der Sport ist sehr dynamisch, verursacht jedoch keine starke Druckbelastung der Wirbelsäule“, so der Mediziner. Zudem trainiert Klettern die Rückenmuskulatur und steigert insgesamt die Muskelkraft. Außerdem verbessert der Sport die motorischen Fähigkeiten wie Koordination, Kraft, Schnelligkeit und Beweglichkeit. Aber auch die Körperwahrnehmung wird geschult, denn Kletterer müssen das Gleichgewicht halten können und fähig sein, ihr Körpergewicht zu verlagern und zu stabilisieren. Die Greif- und Steigbewegungen fördern die sensorischen und motorischen Fähigkeiten. Wer regelmäßig trainiert, steigert insgesamt die Lebensqualität. Die Sportart kennt keine Altersbegrenzung. In der richtigen Dosierung können sowohl Kinder als auch ältere Menschen vom Klettern profitieren.

Vorsicht ist lediglich bei akuten Verletzungen oder Entzündungen geboten, erklärt der Experte: „Diese müssen zunächst abgeklärt werden, bevor man mit dem Klettern beginnt. Ansonsten gibt es jedoch keinerlei Kontraindikationen. Ich habe sogar Patienten, die nach einer schweren Wirbelsäulenfraktur wieder, wenn auch angepasst, mit dem Klettern begonnen haben.“

Klettern ist nicht gleich Klettern

Wie man den Sport ausübt, macht jedoch in punkto Sicherheit große Unterschiede. „Man muss zwischen Therapieklettern zur Rehabilitation, Sportklettern in der Halle und Klettern im freien Gelände unterscheiden. Das Prinzip der Fortbewegung ist bei allen drei Arten gleich, die Konsequenzen sind jedoch anders“, so Wicker. Denn das Klettern in der freien Natur fordert den ganzen Menschen: „Es ist ein faszinierendes und sehr wertvolles Naturerlebnis, das jedoch ein langsames Herangehen verlangt und viel Erfahrung voraussetzt.“ Aber auch in der Halle ist Sicherheit gefragt. Die Kletter- und Sicherungstechniken sollte man deshalb nur unter fachkundiger Anleitung erlernen.

Stichwort: Therapieklettern

Klettern nimmt aber auch in der Rehabilitation einen immer größeren Stellenwert ein. Das so genannte therapeutische Klettern macht sich die positiven Effekte des Kletterns zunutze und zielt auf Linderung der Schmerzen, Kräftigung der Muskulatur und Prävention weiterer Beschwerden ab. Weil Klettern auch die Körperwahrnehmung verbessert und das Selbstwertgefühl steigert, wird es auch bei der Behandlung von psychischen Erkrankungen wie Depressionen oder Essstörungen eingesetzt. Denn Klettern erfordert die Auseinandersetzung mit den eigenen Möglichkeiten und Grenzen. Dadurch steigert der Sport die realistische Selbsteinschätzung und verbessert die Selbstsicherheit und das Selbstwertgefühl. Beim therapeutischen Klettern wird meist nur in Absprunghöhe oder auf neigbaren Therapiewänden geklettert.

MMag. Birgit Koxeder

Jänner 2011

Foto: Bilderbox

Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2020