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Die mit den Händen gehen: Wanderstöcke beim Bergsteigen

Bergsteiger mit WanderstöckenNicht alle, die mit Stöcken im Gelände unterwegs sind, sind Schifahrer oder Nordic-Walker. Auch Wanderer setzen immer mehr auf die Mithilfe von Armen und Wanderstöcken bei Bergtouren.


Berg-Wanderstöcke erfreuen sich steigender Beliebtheit bei Wanderern und Bergsteigern. Macht der Einsatz dieser "Gehhilfe" aber in allen Geländeformen Sinn? Experten sind sich da gar nicht so einig, wie die Verkaufszahlen vermuten lassen. Alles also nur ein Werbetrick?

Keine Nordic-Walking-Stöcke zum Wandern

Wanderstöcke unterscheiden sich im Gewicht und in der Ausführung der Griffe deutlich von den Stöcken fürs Nordic Walking: Sie sind schwerer, die Griffschlaufen sitzen nicht so eng am Handgelenk und sie haben meist einen dickeren Griff.

Bruch- und Knickfestigkeit entscheiden über die Qualität der Stöcke. Sind die Wanderutensilien mit Teleskopmechanismen ausgerüstet, so ist unbedingt auf die gute Verarbeitung dieser Teile zu achten, um schwere Stürze und Verletzungen zu verhindern. Und die Teile der Teleskopstöcke sollen einzeln ausgetauscht werden können.

Teleskopstöcke

Teleskopstöcke besitzen eine Reihe von Vorteilen für das Marschieren in gebirgigem Gelände: Sie lassen sich beim Beraufgehen verkürzen und für das Bergabgehen verlängern. Bei Hangquerungen kann der Wanderer den "Bergstock" verkürzen oder den "Talstock" verlängern.

Sind sie aber für jedermann und für jedes Gelände zu empfehlen? In diesem Punkt gehen die Meinungen bereits auseinander.

Mediziner und Sportwissenschafter erklären, dass nicht jeder Spaziergänger oder Kurgast im Park Wanderstöcke braucht. Unter Laien herrscht keine so einheitliche Sicht. Die einen finden sie lächerlich, die anderen schwärmen von ihnen als Wundermittel gegen Gelenksschmerzen.

"Laien sollten im Gebirge eher die Balance und das freie Gehen schulen, als sich von Wanderstöcken "verwöhnen" zu lassen", so Dr. Dieter Lechner, Facharzt für physikalische Medizin und Rehabilitation in Wels. "Die stete Hilfe durch den Stock verändert einerseits das Gleichgewichtsgefühl. Andererseits wird den Gelenksstrukturen und Muskeln nicht genug Gelegenheit gegeben, sich an die Belastungen anzupassen und sich zu trainieren", so Lechner weiter.

Folgender Rat gibt als gemeinsamen Nenner die Meinung der Fachleuten wider: Wer relativ gesund, jung bis "mittelalterlich" und nicht in extremer Umgebung unterwegs ist, sollte so oft wie möglich auf die Stöcke verzichten.

Zwar besteht auch die Meinung, dass die Verwendung von Wanderstöcken – speziell beim Bergabgehen – die Belastung der Knie entscheidend verringert und auch im Lauf einer langen Wanderung die enormen Stöße von den Gelenken abhält. Der Einsatz von Stöcken verleitet die meisten Benutzer zu wesentlich größeren Schritten. Das wiederum führt naturgemäß zu einer erhöhten Belastung der Kniegelenke, die der Einsatz der Stöcke nicht wieder aufwiegt.

Es wird auch zu bedenken gegeben, dass viele Wanderer zu wenig Koordinationsfähigkeit zwischen Körper und Gliedmaßen besäßen, um die Stöcke richtig zu benützen.

Andere Meinungen lassen den Einsatz von Wanderstöcken nur beim Tragen schwerer Rucksäcke, bei anstrengenden Etappen oder in unangenehmen Gelände durchgehen. Bei einfachen Wanderungen auf mäßig steilem Gelände sollten die Stöcke zu Hause bleiben.

Unbedenklich ist der Einsatz von Wanderstöcken nur bei fortgeschrittenem Alter, starkem Übergewicht, Gelenks- und Wirbelsäulen-Problemen, bei schlechtem Wetter, in der Nacht und/oder auf längeren Schneefeldern.

Nicht immer mit Stöcken

Zwar ist unter diesen Bedingungen der physiologische Nutzen nachweisbar. Aber Stöcke sollten keinesfalls immer und vor allem nicht von Kindern und Jugendlichen verwendet werden. Die Zuhilfenahme von Stöcken verleitet auch Ungeübte zum Abstieg durch steiles Gelände und das erhöht die Sturzgefahr — auch trotz des "Stockeinsatzes".

Darüber hinaus muss der Wanderer auch lernen, mit den Stöcken richtig umzugehen. So sollen die Stöcke möglichst nah beim Körper eingesetzt werden, um die Sturzgefahr zu verringern. Ober- und Unterarm sollen im ebenen Gelände einen Winkel von 90 Grad bilden, bei Steigung oder Gefälle wird die Stocklänge dem Gelände angepasst.

Mag. Christian Boukal

Oktober 2014

Foto: shutterstock

Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2020