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Fit mit Babybauch

fit mit BabybauchSie sind schwanger und wollen trotzdem nicht auf ihr Sportprogramm verzichten? Müssen Sie auch nicht, denn wer auch in der Schwangerschaft auf seine Fitness achtet, sorgt gleich doppelt vor: Sie tun damit sich selbst und auch Ihrem Kind etwas Gutes. Verzichten sollte man lediglich auf extreme Sportarten wie Tauchen, Skifahren oder Fußball spielen, rät Universitätsprofessor Primar DDr. Hermann Enzelsberger, Leiter der Abteilung für Frauenheilkunde und Geburtshilfe am Landeskrankenhaus Steyr.

Für viele Frauen verändert sich in der Schwangerschaft der gesamte Lebensstil: Sie geben nicht nur das Rauchen auf und verzichten auf Alkohol, sondern achten zusätzlich auf eine ausgewogene und gesunde Ernährung. Leider verzichten viele Frauen, sobald sie von ihrer Schwangerschaft erfahren haben, auf Sport, weil sie Angst um das Ungeborene haben. Bewegung ist jedoch wichtig – auch oder gerade in der Schwangerschaft. Der Primar weiß aus Erfahrung, dass ohne Sport Einbußen in der Vitalität oder Wasseransammlungen in den Füßen keine Seltenheit sind.

 

Sport hilft gegen Schwangerschaftsleiden

Dass der Sport in der Schwangerschaft dem Baby nicht schadet, belegen verschiedene Untersuchungen. Bei regelmäßiger sportlicher Betätigung lassen sich sogar viele „lästige“ Schwangerschaftsbegleiterscheinungen wie die morgendliche Übelkeit, Krampfadern, Rückenschmerzen oder Verstopfung bekämpfen. Sportliche Schwangere haben häufig auch eine leichtere Geburt als Frauen, die gänzlich auf Sport in der Schwangerschaft verzichtet haben. „Bewegung hilft beim Muskelaufbau, der Kraft und Ausdauer. Auch bekommt man das ansteigende Gewicht besser unter Kontrolle. Zudem ist Bewegung eine gute Vorbereitung für die Strapazen der Geburt“, stellt der Spezialist fest.

Welche Sportarten sind ideal?

Wie viel und wie intensiv trainiert werden soll, hängt vom Fitnesszustand der werdenden Mutter ab und von der Tatsache, ob eine Risikoschwangerschaft besteht oder nicht. Dass nicht mit derselben Intensität weiter Sport gemacht werden soll, wie vor der Schwangerschaft, versteht sich von selbst. Allgemeine Aussagen über die Intensität des Trainings lassen sich jedoch nur schwer treffen, weil die Möglichkeiten von Frau zu Frau verschieden sind. 

 

„Schwimmen eignet sich von der Empfängnis bis zur Geburt“, erklärt Enzelsberger. Weitere ideale Sportarten für Schwangere sind Entspannungstechniken wie Yoga, aber auch moderates Krafttraining wie Pilates, Wassergymnastik oder sanftes Ausdauertraining wie Radfahren, leichtes Joggen, Tanzen, Spazierengehen, Wandern oder Walken. Ab der 34. beziehungsweise 35. Woche bietet sich dann gezielte Schwangerschaftsgymnastik an. Nicht zu empfehlen sind Sportarten mit raschen und ruckartigen Bewegungen wie Tennis, Squash oder Basketball. „Gemieden werden sollten zudem Sportarten mit hohem Verletzungsrisiko wie Schlittschuhlaufen, Ski fahren, Bodybuilding, Tauchen oder Handball spielen“, rät der Arzt. Zudem sollten folgende Hinweise beachtet werden.

Tipps für das richtige Training

 

  • Bevor Sie mit dem körperlichen Training beginnen, halten Sie Rücksprache mit Ihrem Frauenarzt.
  • Wenn Sie Schmerzen oder Schwindelgefühle verspüren oder sehr stark schwitzen, hören Sie sofort mit dem Sport auf.
  • Achten Sie auf Ihren Puls: Er sollte 130 Schläge pro Minute nicht übersteigen.

Die Vorteile der sportlichen Betätigung liegen auf der Hand: Neben dem körperlichen Wohlbefinden, macht Sport auch selbstsicherer und hilft, den Körper besser wahrzunehmen. Bei der Entbindung können die Frauen oftmals besser mit den Schmerzen umgehen, bestätigt Enzelsberger. Daneben kräftigt regelmäßige Bewegung das Bindegewebe und stärkt das Kreislaufsystem.

 

Wann sollte auf Sport verzichtet werden?

Trotz der zahlreichen positiven Effekte, die eine sportliche Betätigung während der Schwangerschaft mit sich bringt, rät der Arzt bei folgenden Fällen zur Vorsicht: „Frauen, die in ihrer Anamnese eine Fehlgeburt oder Frühgeburt hatten, bei denen der Mutterkuchen tief liegt, die unter hohen Blutdruck leiden oder Mehrlinge erwarten, sollten auf Sport weitgehend verzichten.“

 

Wichtig ist zudem, dass sich die Frauen nach der Entbindung ausreichend Zeit zur Regeneration gönnen. „Nach einem Kaiserschnitt sollte sechs bis acht Wochen geruht werden, damit die Narbe verheilen kann. Nach einer normalen Geburt sollte rund vier Wochen kein Sport gemacht werden“, so der Primar.

 

Mag. Birgit Koxeder
August 2008


Foto: Bilderbox

Zuletzt aktualisiert am 13. November 2020