DRUCKEN

Pilates: Sanfter Weg zum strammen Körper

Pilates-Training von Körper und Geist findet immer mehr Anhänger

Pilates_1.jpgIn Amerika längst Kult, ziehen Deutsche und Österreicher jetzt nach: Pilates boomt. Madonna singt: "I do yoga and pilates". Was ist dran an dem Kult?

"Nach zehn Stunden spüren Sie den Unterschied. Nach 20 sehen Sie den Unterschied und nach 30 haben Sie einen neuen Körper." 30 Stunden für einen neuen Körper, für ein neues Körpergefühl? Eine gewagte Aussage. Doch fast jeder, der es ausprobiert hat, ist davon begeistert. Pilates ist eine Trainingsform, die sich nicht mit der Bearbeitung einzelner Muskelpartien begnügt, sondern den Körper in seiner Ganzheit bewegt. Die Übungen werden als kontrollierte und fließende Bewegungen ausgeführt. Nicht die Quantität der Bewegungen zählt, sondern die Qualität, das Hineinhorchen in den Körper, die Eigenwahrnehmung, die exakte Ausführung einer Bewegung.

Pilates ist an sich eine junge Trainingsform, entwickelt von Joseph Hubertus Pilates. Der Deutsche war immer ein kränkliches Kind und begann sich früh und sehr intensiv mit verschiedenen Sportarten wie Tai-Chi, Yoga, Kickboxen, Fechten, Leichtathletik und Schwimmen zu befassen. 1920 gründete er in New York sein erstes Studio, genau einen Stock über dem New York City Ballet. Bald kamen viele Tänzer zu ihm. Mit jedem arbeitete er individuell, für jeden erstellte er ein eigenes Übungsprogramm und entwickelte neue Übungen.

500 verschiedene Pilates-Übungen

Pilates_2.jpgDas Training besteht aus über 500 verschiedenen Übungen: Eine fast erschreckend hohe Zahl. Doch das Besondere – und auch Tolle – an diesem Training ist der individuelle Zuschnitt der Übungen. Das ermöglicht es jedem – auch Anfängern –, diese Methode zu trainieren.

Pilates ist ein Wechselspiel aus Dehnung und gleichzeitiger Kräftigung der Muskulatur. Isolierte Bewegungen werden grundsätzlich vermieden, um muskulären Dysbalancen vorzubeugen.

Ein ausgebildeter Pilates-Trainer kann beim Erlernen des Übungsprogramms helfen. Durch Kontrolle und Korrektur während des Trainings wird die Eigenwahrnehmung geschult und dadurch tritt der Lerneffekt schneller ein.

Basis ist die Arbeit mit den Stabilisatormuskeln des Rumpfes, von den Trainern auch "Powerhouse" genannt. Die Kräftigung dieser "Kernmuskulatur" ist der erste Schritt, den Körper in Symmetrie zu bringen. Darauf aufbauend wird der ganze Körper trainiert. Grundsätzlich werden bei Pilates verkürzte Muskeln gedehnt und schwache Muskeln gestärkt. Die Beweglichkeit der Gelenke und das generelle Wohlbefinden werden gefördert. Nicht nur die oberflächlichen Muskeln, sondern auch die tiefliegenden Bauch- und Rückenmuskeln werden aktiviert und gestärkt. Die sind nämlich für einen festen Bauch und eine schlanke Taille verantwortlich. Sind sie zu schwach, können sie aber auch an Rückenschmerzen schuld sein. Durch Kräftigung dieser Muskulatur werden Beschwerden geringer, die Haltung gerade und das Körperbewusstsein größer. Ein Phänomen, das sich natürlich im Alltag bemerkbar macht: Durch die verstärkte Durchblutung werden die Zellen vermehrt mit Sauerstoff versorgt, die physische und psychische Ausdauer wird erhöht.

Zwei Meinungen in der Rehabilitation

Pilates_3.jpgOft wird Pilates im Zusammenhang mit Rehabilitation genannt und verspricht bei Rückenproblemen Linderung. Für Prim. Dr. Günter Gal, Leiter des Instituts für Physikalische Medizin und Rehabilitation in der Wiener Krankenanstalt Rudolfstiftung, ist Pilates jedoch keine anerkannte Therapie, auch wenn er einräumt, dass es durchaus innovative Elemente enthält. "Sensationen kann ich mir aber nicht vorstellen", sagt Gal, für den Pilates eine Außenseitermethode in der Rehabilitation bleibt.

Anders Prof. Dr. Veronika Fialka-Moser von der Universitäts-Klinik für Physikalische Medizin und Rehabilitation am AKH Wien: "Ich empfehle es oft Patienten nach Abschluss der Reha. Vor allem Wirbelsäulen-Patienten, Patienten mit Nacken-, Kreuz- oder Brustwirbelsäulenschmerzen. Auch nach Unfällen kann Pilates zur Kräftigung der Muskulatur beitragen. Der Muskeltonus wird erhöht und die Haltung verbessert."

Auch weil es keine wissenschaftlichen Studien gibt, wird Pilates an ihrem Institut nicht offiziell eingesetzt. Als Ergänzung zur herkömmlichen Rehabilitation ist sie der muskelstärkenden Methode aber durchaus zugetan. "Wer Beschwerden hat, sollte unbedingt vorher mit seinem Arzt sprechen", so der Rat der Medizinerin. Wenn jedoch ein Arzt der Methode zustimmt, dann kann Pilates oft besser wirken als ein herkömmliches Krafttraining im Fitnesscenter.

Wer macht Pilates?

Pilates_4.jpgPilates richtet sich an folgende Personen: Menschen, die Körper und Geist trainieren möchten, ihre Haltung und ihre Körperspannung verbessern wollen, Tänzer, Sportler, Schauspieler, Sänger, Musiker, aber auch Frauen nach einer Schwangerschaft, Workaholics, die viel vor dem Computer sitzen, und eben Menschen — ob jung oder alt — mit körperlichen Beschwerden. Hier empfehlen jedoch die Ärzte wie Prof. Fialka- Moser, vor dem Training einen Check beim Arzt durchführen zu lassen.

Pilates_5.jpg

Pilates_6.jpg

  

  




























Mag. Lisa Ahammer
April 2006


Bilder: Mauritius; privat

Kommentar

Sanfter Weg zum strammen Körpfer"Pilates kann sicher jeder gesunde Mensch durchführen. Es erhöht das Körperbewusstsein und kräftigt die Muskulatur. Wenn jedoch jemand Schmerzen oder eine Krankheit hat, dann sollte man ein Training vorher mit einem Arzt abklären."
Univ.-Prof. Dr. Veronika Fialka-Mose

Institut für Physikalische Medizin und Rehabilitation, AKH Wien

Zuletzt aktualisiert am 13. November 2020