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Ismakogie: Gesunder Rhythmus

Ismakogie: Gesunder RhythmusDie Ismakogie ist auch international erfolgreich. Lange vor Zumba, Aerobic und Jazzgymnastik hat eine Österreicherin eine sanfte Bewegungslehre begründet, die positive Auswirkungen auf Körper und Geist verspricht. Basis der Ismakogie sind sogenannte Ganzkörperbewegungen, die den Körper aufrichten und rhythmisch schwingen lassen. Das beginnt bei den Füßen und beim richtigen Stehen.

Die sanfte Haltungs- und Bewegungslehre setzt tatsächlich an der Basis an, beim richtigen Stehen, Gehen und Sitzen. „Es ist erstaunlich, wie viele Menschen nicht richtig auf ihren beiden Füßen stehen können. Durch falsche Haltung kann der ganze Körper aus dem Gleichgewicht geraten“, weiß die erfahrene Ismakogie-Lehrerin Ursula Imber. Der bewusste und richtige Bodenkontakt sei das Fundament, auf dem der anatomisch richtige und natürliche Einsatz der Stütz- und Bewegungsmuskulatur der Wirbelsäule aufbaue. Das sanfte Muskeltraining führt durch Anspannen und Lösen von einzelnen Muskeln und Muskelgruppen im Idealfall zu rhythmischen Schwingungen im Körper. Ursula Imber: „Nach einiger Zeit stellt sich ein völlig neues Körpergefühl ein, das sich nicht nur auf die Körperhaltung, sondern auch auf die Psyche positiv auswirkt.“ Die Ismakogie bietet die Möglichkeit, bis ins hohe Alter aktiv zu bleiben, ohne den Körper zu überfordern. Die Übungen machen den Körper beweglicher und verbessern die Kondition. Deshalb sind sie auch als Vorbereitung zum Sport sehr gut geeignet.

Es sind es ganz kleine Bewegungsübungen, die die Ismakogie ausmachen. Die Übungen können im Stehen, Gehen, Sitzen, aber auch Liegen ausgeführt werden und sind meist so diskret, dass sie der Umgebung gar nicht auffallen. So kann man die Übungen, für die auch keinerlei Geräte oder Hilfsmittel nötig sind, toll in den Alltag einbauen – sogar beim Stiegensteigen oder wenn man in einer Schlange ansteht.

Alltagstauglich

Ismakogie: Gesunder RhythmusEine einfache, für die Ismakogie typische Übung, setzt bei den Füßen an: Sie stehen in offener V-Stellung. Das Körpergewicht soll in einer leicht schwingenden Bewegung so verlagert werden, dass sich ein liegender „8er“ ergibt. Beginnend vom rechten Fersenpunkt über die rechte Außenseite des Fußes und den Punkt beim kleinen Zeh zum Punkt bei der großen Zehe. Weiter geht es mit dem linken Fersenpunkt und dem Außenrand des linken Fußes zur linken kleinen Zehe und schließlich zum Punkt bei der linken großen Zehe. Mit dem rechten Fersenpunkt beginnt die Bewegung von vorn. Wer die Übung richtig macht, spürt Auswirkungen auf den ganzen Körper – bis hin zu den Gesichtsmuskeln. Ganzkörperbewegung nennt es die Ismakogie, wenn bei einer Übung die gesamte Muskelkette aktiviert und gelöst wird.

Begründet wurde die Ismakogie Mitte des vorigen Jahrhunderts von der Wienerin Anne Seidel. Die gelernte Kosmetikerin studierte an den Universitäten Wien und Innsbruck die Anatomie und Physiologie des menschlichen Körpers. Sie erkannte, dass ursprüngliche und natürliche Bewegungsabläufe im Lauf der Entwicklung verloren gegangen sein mussten – und setzte alles daran, diese Harmonie der Bewegung, das Zusammenspiel von Bewegung und Atmung, eine entspannte und aufrechte Körperhaltung wieder freizulegen. Anne Seidel berücksichtigte die Einheit von Körper und Geist und erkannte den Wert der Übungen für die psychische Ausgeglichenheit.

Harmonie der Bewegung

Ein Leben lang trat die zierliche Frau, die mit dem Professorentitel geehrt wurde, als Botschafterin der Ismakogie auf. Mit 97 Jahren starb Anne Seidel 1997 in Wien. Von ihr stammen nicht nur die Grundlagen der sanften Bewegungslehre, sondern auch der Name, der sich aus den Anfangsbuchstaben folgender Begriffe zusammensetzt:
Ideale – Schwingungsrhythmik – der Muskeln – im Alltag – nach körpereigenen – Ordnungsgesetzen. Das auslautende „-gie“ steht für die entsprechende Lehre.

Die etwas schwerfällige Namensgebung hält Ismakogie-Expertin Ursula Imber denn auch für den einzigen kleinen Makel: „Der Name schreckt manche Leute eher ab. Sie können sich kaum vorstellen, was sich dahinter verbirgt.“

Sonst ist Imber ganz überzeugt von der Haltungs- und Bewegungslehre, die seit Jahrzehnten hauptsächlich über die Volkshochschulen verbreitet wird: „Immer wieder hören wir von Kursteilnehmern, dass sich Muskelverspannungen lösen und Probleme an der Wirbelsäule oder an Knie- oder Hüftgelenken bessern.“ Die Ismakogie sei zwar keine Heilbehandlung, aber als Unterstützung einer solchen immer wieder höchst erfolgreich. Ursula Imber: „Besser wäre es natürlich, wenn die Menschen zur Ismakogie kämen, bevor es irgendwo weh tut.“ Wer sich über das Kursangebot informieren will, kann das im Internet unter www.ismakogie-anneseidel.at tun.

Der etwas sperrige Name konnte nicht verhindern, dass die Ismakogie auch außerhalb der Grenzen Österreichs ihre Anhänger fand. Mittlerweile gibt es entsprechende Angebote beispielsweise auch in der Schweiz, Deutschland, Frankreich, den Niederlanden und sogar in den USA. Nun wurde die sanfte Bewegungslehre auch von der EU gewürdigt: Sie hat ein zweijähriges Förderprojekt bewilligt, in dessen Rahmen der internationale Austausch von Ismakogie-Lehrinhalten verbessert werden soll.

Heinz Macher
Juli 2013


Foto: mauritius, shutterstock, privat

Kommentar

Kommentarbild Ismakogie: Gesunder Rhythmus„Durch die Ismakogie kann mit geringem zeitlichen und finanziellen Aufwand sehr viel für die Gesundheit und die Lebensfreude erreicht werden. Sie kann überall und in jedem Alter betrieben werden.“
Ursula Imber
Isamakogie-Lehrerin, Holzhausen

Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2020