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Ellbogen: Beugen und Strecken…

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Der Tennis-Ellbogen kann auch Nicht-Sportler quälen. Kauf ein anderer Körperteil wird am Tenniscourt stärker beansprucht als der Ellbogen und kann Schmerzen verursachen, die einfache Aktivitäten, wie das Öffnen einer Flasche oder das Halten einer Kaffeetasse zur Qual werden lassen.


In der medizinischen Fachsprache wird der Tennis-Ellbogen als Epicondylitis radialis humeri bezeichnet. Übeltäter ist allerdings nicht der Knochen selbst, sondern eine Sehne, die zur Handgelenks-Streckmuskulatur gehört. Wird sie falsch oder zu viel belastet, kommt es zur schmerzhaften Entzündung an der Außen- also Speichenseite des Ellbogens. Liegt das Überlastungssyndrom eher an der Innenseite — dies kommt eher bei Profispielern vor — spricht man vom Werfer-Ellbogen. Beides hat gemeinsame Ursachen: Falsche Schlagtechnik, falscher Griff, neuer Schläger oder neue Saiten. Ein leider viel zu oft übersehener Auslöser sind Verspannungen, die von der Halswirbelsäule ausgehen. Univ.- Prof. Dr. Reinhard Weinstabl, Unfallchirurg und Verbandsarzt des österreichischen Tennisverbandes: "Durch die muskulären Blockaden kommt es zu Schmerzen. Mit dem Arm wird versucht, die Schmerzen zu kompensieren, der Bewegungsablauf wird dadurch falsch und es kommt zu einer Fehlbelastung und weiteren Schmerzen."

Haus- und Gartenarbeit

Ein Tennis-Ellbogen kann auch bei Nichtsportlern auftreten. Vor allem Menschen, die einseitige, sich wiederholende manuelle Tätigkeiten ausüben, haben nicht selten mit den typischen Symptomen zu kämpfen: Starke Schmerzen im Bereich des Ellbogens, die bis in die Hand ausstrahlen können. Vor allem jeder kräftige Faustschluss sowie das Strecken der Finger gegen Widerstand bereiten heftige Schmerzen. Das kann sogar soweit führen, dass die Betroffenen im täglichen Leben gehandicapt sind – das Öffnen einer Tür oder ein einfacher Händedruck werden zu einer schmerzhaften Angelegenheit.

Arztbesuch und Ursachenforschung

Professor Weinstabl empfiehlt: "Schmerzt der Ellbogen, unverzüglich einen Arzt aufsuchen und sogleich Ursachenforschung betreiben. Was ist falsch? Was gehört geändert? Am Körper, an der Tennis-Technik, am Material?" Denn wartet man zu lange kann aus dem Symptom ein echtes Krankheitsbild werden. Dr. Weinstabl: "Durch die Entzündung wird das Gewebe geschädigt und kann in der Folge am Ansatz der Sehnen verkalken." Eine Operation ist dann oft der einzige Ausweg. Deshalb gilt auch hier: Je früher die Behandlung, desto besser die Erfolgschancen. Oft genügt schon das kurze Auflegen von Eis in Verbindung mit einer Spielpause und entzündungshemmenden Mitteln, um die Symptome zu beseitigen. Bei länger andauernden Schmerzen empfiehlt Dr. Weinstabl: "Osteopathie, Chiropraktik und intensive Physiotherapie. Auch die Stoßwellentherapie — jedoch nicht beim Werfer-Ellenbogen! — kann zum gewünschten Erfolg führen.


Ist der Zustand jedoch chronisch und sind bereits kaputte Gewebeteile vorhanden, kommt man um eine Operation meist leider nicht herum." Damit es erst gar nicht soweit kommt, gilt auch beim Tennis-Ellbogen, egal ob an Innen- oder Außenseite: Vorbeugen ist besser als Heilen. Immer ordentlich dehnen und aufwärmen!

Barbara Mann
April 2006


Foto: deSign of Life, privat

Kommentar 

Beugen und Strecken Tennisarm Kommentarbild Prof. Weinstabl"Ein wesentlicher Faktor in der Behandlung von Ellbogenproblemen ist die Früherkennung und entsprechende Reaktion. Lassen Sie nichts anstehen, warten Sie nicht darauf, dass es von selber besser wird. Je früher eine Entzündung behandelt wird, umso schneller verschwindet sie wieder."

A.o. Univ.-Prof. Dr. Reinhard Weinstabl
Unfallchirurg und Sporttraumatologe, Verbandsarzt des österreichischen Tennisverbandes, Wien

Zuletzt aktualisiert am 13. November 2020