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Schwerelos zur Fitness

Schwerelos zur FitnessBewegung im Wasser ist eine wunderbare Ergänzung zum Training an Land. Back to the Roots! Dorthin, wo wir neun Monate waren – ins Wasser. Der nicht neue, aber wieder entdeckte Trend heißt: Aqua-Fitness. Wassergymnastik ist ein ideales Training für Kraft und Ausdauer. Und für fast jeden geeignet. Für „Eingerostete“ genauso wie für Spitzensportler.

Es war der Schock ihres Lebens, als Stephanie Graf – Österreichs beste Mittelstreckenläuferin und 800-Meter-Vizeweltmeisterin – mit der Diagnose Krebs konfrontiert wurde. Ein Tumor im Bereich zwischen Ischiasnerv und rechtem Hüftknochen hatte ihr schon länger Schmerzen bereitet. Sie entschloss sich dann zur Operation. Zwei Wochen später konnte sie bereits wieder joggen. Nicht im Wald, auch nicht auf der Straße und schon gar nicht im Stadion. Nein, der 29jährigen Steffi Graf wurde von Verbandsund Olympiaarzt Dr. Alfred Engel vom Sozialmedizinischen Zentrum Ost in Wien leichtes Aqua-Jogging verschrieben. „Das Laufen im Wasser war ideal für sie, wieder zu beginnen. Die Bewegung im Wasser ist besonders in der ersten Zeit der Rehabilitation von Vorteil und ist besonders gelenksschonend“, so Dr. Alfred Engel.

Hat man bisher beim Wort „Wassergymnastik“ das Bild von älteren Menschen im Kurbad vor Augen gehabt, hat Aqua Fitness Anfang der 90er Jahre einen wahren Boom in den USA erlebt. Und wie so oft ist der Trend auch zu uns herübergeschwappt. Aqua Fitness unterscheidet sich von anderen Fitness-Sportarten durch das Medium, wo es stattfindet. „Darum ist es eigentlich auch für fast jeden geeignet“, so Dr. Engel. Die Eigenschaften des Wassers beeinflussen den gesamten Organismus:

  • Der Widerstand: Jeder Bewegung im Wasser wird Kraft entgegengesetzt und dadurch wird die Muskulatur trainiert. Außerdem hat das bewegte Wasser einen positiven Massageeffekt auf die Haut und das Bindegewebe. Es wird straffer.
  • Der Auftrieb: Durch die Schwerelosigkeit und die damit verbundene Reduzierung des eigenen Körpergewichts wird die Bewegungsfreiheit größer, die Gelenke werden entlastet und die Verletzungsgefahr ist geringer.
  • Die Temperatur: Die optimale Wassertemperatur sollte bei 22 bis 24 Grad liegen. Je höher die Temperatur, desto anstrengender für das Herz-Kreislaufsystem.
  • Der Hydrostatische Druck: Durch den Druck des Wassers auf den Körper werden Atmung und Kreislauf stark angeregt.


„Wer Aqua Fitness betreiben will, sollte sich jedoch zuerst ein Ziel setzen. Möchte ich Kraft oder möchte ich Ausdauer erlangen oder trainieren“, so Prof. Dr. Michael Quittan von der Universitätsklinik für Physikalische Medizin und Rehabilitation am AKH Wien. „Für uns ist Bewegung im Wasser ganz wichtig in der Frühphase der Rehabilitation nach Operationen oder bei Akut-Erkrankten, es sollte jedoch auch ein wichtiger Bestandteil im persönlichen Fitness-Programm sein.“ Nicht oder nur nach vorheriger Abklärung mit dem Arzt ist Aqua Fitness für Personen mit Koronarerkrankungen, also Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Im Wasser wird nämlich verstärkt das Blut Richtung Herz gepumpt, und das könnte zu Komplikationen führen. Ansonsten, so Prof. Quittan, könne diese Sportart von jedermann/frau ausgeübt werden und er streicht hervor: „Eine der größten Vorteile ist die Schonung der Gelenke.“ Dann wenn beim Laufen beispielsweise 2/3 des Körpergewichts die Gelenke „aushalten“ müssen, fällt dies im Wasser flach. Ganz im Gegenteil: Ist das Wasser bauchhoch, ist die Belastung um 50 % geringer, steht es bis zur Brust um 75 %, steht einem das Wasser bis zum Hals, dann ist die Belastung gar um 90 % reduziert.

„Wer sich für Ausdauer-Training entscheidet, sollte z.B. Aqua-Jogging betreiben. Je nach Wassertiefe laufen am Beckenboden oder mit einer Schwimmweste ohne Bodenkontakt. Mindestens 15 bis 25 Minuten durchhalten, viele Wiederholungen machen mit wenig Widerstand“, so Prof. Quittan. Für Ausdauer-Training eignet sich eher eine Wasser-Temperatur von 22 bis 24 Grad. Je höher die Temperatur, desto eher sollte die Muskulatur trainiert werden. „Wer Kraft trainieren will, der sollte Widerstands-Übungen machen, wenig Wiederholungen aber mit einem hohen Widerstand. Nach 15 Wiederholungen muss eine muskuläre Ermüdung eintreten. Stellt sich diese nach längerem Training nicht mehr ein, dann nicht die Wiederholungen, sondern den Widerstand erhöhen.“ Dafür hat die Industrie bereits diverse Geräte entwickelt. Etwa die sogenannten „Mitts“, also Aqua-Handschuhe aus Neopren. Sie schauen aus wie überdimensionale Schwimmflossen für die Hände. Mitts vergrößern den Widerstand und sind besonders für Übungen der Arm-, Schulter-, Nacken-, Brust- und Rumpfmuskulatur geeignet. Fürs Aqua-Joggen gibt es auch sogenannte Aqua Shoes, ein Schaumstoff, der mit einem Klettverschluss um die Wade fixiert wird. Der Aqua-Step ist ein speziell für das Wasser entwickeltes Trainingsgerät aus robustem Kunststoff. Er steht fest auf dem Boden des Schwimmbeckens und unterstützt ideal alle Übungen für die Kräftigung der Bein-, Gesäß- und Rumpfmuskulatur. Und nicht zu vergessen die Pool-Noodle, ein zirka 150 cm langer weicher Schlauch, mit dem es beinahe unbegrenzte Trainings-Möglichkeiten gibt. Das gelenksschonende Aqua-Fitness-Training hat auch noch einen Vorteil: man nimmt ab. In einer Stunde Gymnastik im Wasser werden ungefähr 400 bis 500 kcal verbraucht. Quittan: „Der Trainingseffekt insgesamt entspricht aber ungefähr dem, der an Land erzielt werden kann.“ Aqua-Fitness – für Einsteiger und Trainierte, Junge und Ältere, Eingerostete und Spitzensportler. Letztere kommen aber immer wieder aus dem Wasser heraus. So auch Steffi Graf, die lieber an Land, als im Wasser läuft.

Mag. Lisa Ahammer

Mai 2010

Foto: © Siegfried Fries / pixelio.de, privat

Kommentar:

Schwerelos zur Fitness„Aqua-Fitness soll ein Teil des persönlichen Fitness-Programms sein. Es eignet sich besonders in der Frühphase der Rehabilitation und zeichnet sich besonders durch die Gelenks-Schonung aus. Ungeübte sollten sich aber auf jeden Fall Übungen von einem Trainer zeigen lassen.“
Prof. Dr. Michael Quittan
Univ.Klink für Physikalische Medizin und Rehabilitation, AKH Wien

Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2020