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Klettern trotz Parkinson

Klettern trotz ParkinsonKlettern macht nicht nur Spaß, sondern kann auch Therapie sein.
Wer Oskar Kralik beim Klettern zusieht, würde nicht auf die Idee kommen, dass es sich hierbei um ein kleines Wunder handelt. Und doch ist es eines. Nicht, weil Oskar mit seinen 65 Jahren überhaupt klettert – das machen andere rüstige Senioren auch. Sondern weil Oskar Parkinson hat und es vor Jahren so ausgesehen hat, als ob der Rollstuhl sein künftiges Fortbewegungsmittel sein würde. Seine klare Aussage: „Mir hilft das Klettern, meine Krankheit im Zaum zu halten.“

Seit etwa fünf Jahren trainiert Oskar einmal die Woche in Altenberg in der Alpenvereins-Kletterhalle. Begonnen hat er, weil es ihm damals sehr schlecht gegangen ist. 1996 bekam er die schlimme Diagnose: Parkinson. Dinge fielen ihm aus der Hand, dauernd stolperte er, seine Muskeln wurden immer steifer, sein Gang unrhythmisch und unsicher, er bewegte sich nur noch mit Trippelschritten.

Von sozialen Kontakten zog er sich zurück, wollte nicht mehr außer Haus gehen, war depressiv. „Meine Frau hat damals in einer Zeitschrift gelesen, dass Klettern bei Parkinson helfen kann. Das habe ich mit einem Bekannten, Rudi Hollerwöger, ausprobiert.“

Das Erstaunliche: Schon nach einem halben Jahr merkte Oskar Kralik deutliche Fortschritte. Die Hand-Fuß-Koordination sei viel besser geworden, seine Kraft sei wieder gekommen. Das unmotivierte Zittern sei ausgeblieben. Wenn Oskar geht, merkt man heute kaum etwas von der Krankheit.

Beim Gurt-Anziehen lehnt er sich zwar mit dem Rücken an der Wand an und zielt mit voller Konzentration mit dem Fuß in die Beinschlaufe. Nach drei Versuchen gelingt auch das problemlos. Jetzt trainiert er regelmäßig mit dem Alpenvereins-Tourenführer Walter Hiebl, dessen zweiter Wohnsitz die Kletterhalle ist, wie der 73-Jährige sagt. Dabei absolvieren die beiden Männer kein spezielles Trainingsprogramm.

Im Gegenteil: 20 Mal rauf und runter, das war’s. Oft hält sich Oskar nur mit den Händen an den Griffen und lässt sich so „aushängen“. Und dennoch bringt es dem Parkinson-Patienten offenbar sehr viel, „andere in der Parkinson-Selbsthilfegruppe sind heute leider viel schlechter beinand’ als früher“, sagt der ehemalige Stapler- und Kranführer der voestalpine. Bei ihm seien die Symptome seit dem Klettern hingegen deutlich besser geworden.

Vieles wieder möglich

Freilich wäre es übertrieben, alles rein auf das Klettern zurückzuführen, denn Turnen, viel Gehen (mit Stöcken) und Massieren hätten ihm auch viel geholfen. Seine Medikamente muss er weiter nehmen, allerdings nicht mehr als früher und nur noch ein Mal am Tag statt über den Tag verteilt. So ist es ihm möglich, auch wieder große Reisen wie eine Fahrt mit der Transsibirischen Eisenbahn von Peking nach Moskau oder eine Reise nach Tibet zu unternehmen. „Wenn’s so gut geht, warum denn nicht?“

OÖN Zeitungsrolle_150pxUlrike Rubasch
Gesundheitsmagazin der OÖNachrichten
16. Oktober 2013



Foto: Bilderbox

Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2020