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Bewegung ist Leben

Bewegung ist Leben„Sport ist Mord” – dieses berühmte Dogma Winston Churchills ging um die Welt. No sports – in unserer leistungsorientierten Gesellschaft mittlerweile fast unvorstellbar. Und doch: Studien belegen, dass nur 50 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher Sport betreiben.

Ebenso viele halten es mit dem ehemaligen englischen Premier. „Ganz falsch”, meint Prof. Dr. Otmar Weiß, stellvertretender Leiter des Instituts für Sportwissenschaften an der Universität Wien: „Es gibt kein Medikament, das so gut ist wie Sport.” Er wird auch nicht müde, auf die Vorzüge sportlicher Betätigung hinzuweisen.

Der positiven Wirkung stehen aber auch Gefahren gegenüber: Jährlich verletzen sich in Österreich mehrere 100.000 Menschen beim Sport und müssen im Krankenhaus behandelt werden. Die häufigsten Verletzungen entstehen beim Skifahren, gefolgt von Fußball und Radfahren. Für Prof. Weiß ist das kein Wunder. „Nur ein Drittel der sporttreibenden Bevölkerung bewegt sich regelmäßig, nur ein Fünftel mehrmals in der Woche. Ziel muss sein, dass wir mehr Menschen zum regelmäßigen Sport bringen.” Für über 60 Prozent der durch Sportunfälle entstehenden Behandlungskosten sind drei Sportarten verantwortlich: alpiner Skilauf, Fußball und Radfahren. „Daraus kann aber nicht abgeleitet werden, dass dies die gefährlichsten Sportarten sind. Vielmehr hängen die hohen Anteile mit der hohen Zahl der Ausübenden zusammen”, so Weiß, der gemeinsam mit anderen Experten eine Studie über die Auswirkungen des Sports auf die Gesundheit geschrieben hat. Er räumt mit einem Vorurteil auf: „Es ist falsch anzunehmen, dass jemand, der öfter aktiv ist, sich öfter verletzt. Genau das Gegenteil ist der Fall. Wer regelmäßig Sport betreibt, ist am gesündesten und am wenigsten verletzungsanfällig.” Wer also alle drei Jahre auf Brettln steht oder einmal im Jahr am Fußballfeld, hat ein viel größeres Verletzungsrisiko als jemand, der einmal in der Woche Sport betreibt.


Beste Medizin

Unzählige Studien haben gezeigt, dass nicht die Sportausübung, sondern die Nicht-Sportausübung die höheren volkswirtschaftlichen Kosten verursacht. „Sport ist also die beste Medizin”, so Prof. Weiß. Ganz zu schweigen vom körperlichen, geistigen und sozialen Nutzen. „Wer Sport betreibt, kann Krankheiten vermeiden und ist weniger anfällig. Aber Sport sollte vernünftig betrieben werden. Am besten mit einem Trainingsplan und für Anfänger im höheren Alter unter ärztlicher Betreuung”, so Weiß. Langes Spazieren gehen, Walking, Joggen, Schwimmen, Inlineskaten, im Winter auch Langlaufen – das sind klassische Ausdauer-Sportarten. Je mehr Muskulatur einbezogen wird, desto wirksamer ist es und desto schneller werden gesundheitsfördernde Effekte erzielt. Grundsätzlich gilt: Ausdauersportarten sind das beste Training für das Herz-Kreislauf-System. Ausdauer-Training hat maßgeblichen Einfluss auf die Senkung atherosklerotisch wirksamer Blutfette und ist eine sehr effiziente Maßnahme gegen Altersdiabetes.

Außerdem wird das Immunsystem gestärkt. Kraftsport – das verbinden die meisten mit Kraftkammer, Hantelstemmen und Muskelprotzen. Damit liegen sie auch richtig, aber nicht immer. Mit Kraftsport können sowohl Maximalkraft, Kraftausdauer als auch Schnellkraft verbessert werden. Der gesundheitliche Nutzen liegt auf der Hand: je besser die Muskulatur entwickelt, desto besser die Haltung und damit eine stabile Wirbelsäule - ein besonderer Bonus des Krafttrainings, denn immerhin leiden drei Viertel der Bevölkerung an chronischen Rückenschmerzen. Außerdem sind gut trainierte Muskeln eine optimale Gelenksstütze und sie stehen auch in Korrelation mit einer hohen Knochendichte, was wiederum Osteoporose vorbeugt. Schließlich sind Muskeln im Fall der Fälle auch ein wirksamer Sturz-Polster. Zu guter Letzt gilt: Jede Sportart für sich, egal, welche der erwähnten Wirkungen sie hat, ist gut. Weil jede Sportart, die betrieben wird, ist besser als keine. Jedoch die Fülle an verschiedenen Sportmöglichkeiten macht es aus, dass wir auch unsere Koordinationsfähigkeit trainieren können. Wer also mehrere verschiedene Sportarten betreibt, der hat die besten Voraussetzungen, gesund zu sein und gesund zu bleiben. Denn sportliche Betätigung sollte uns schließlich auch das Altern leichter machen. „Das Faszinierende am Sport ist, dass er auch eine psychohygienische Wirkung hat”, ergänzt Weiß, der selbst passionierter Tennisspieler und Skifahrer ist. Aggressionen, Frust und Stress können abgebaut werden, und so mancher hat schon den Zustand des sogenannten runner’s high erreicht, ein Hochgefühl, das es nur im Sport gibt.

Risiko Freizeitsport

Die positive Wirkung des Sports soll natürlich nicht über die Gefahren und das Risiko hinwegtäuschen. Die erwähnten Sportverletzungen können aber deutlich verringert werden – einerseits durch regelmäßiges Training beziehungsweise regelmäßige Bewegung, andererseits durch richtiges Training, vorzugsweise mit sportärztlicher Beratung. Besonders gefährdete Personen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, nach Operationen oder völlig Untrainierte sollten eine sportärztliche Untersuchung durchführen lassen. Außerdem sollte die Ausrüstung bestens sein: richtige Laufschuhe fürs Joggen, Helm beim Radfahren (auch Erwachsene!), ausreichender Gelenksschutz beim Inlineskaten. Dann steht dem gesunden Sport-Sommer nichts mehr im Wege.

Mag. Lisa Ahammer
Mai 2010


Foto: Bilderbox

Kommentar

Bewegung ist Leben Kommentarbild 3_05„Sport ist die beste Medizin. Wer regelmäßig Sport betreibt, ist weniger verletzungsanfällig und gesünder. Sport hat neben dem gesundheitlichen Nutzen auch eine psychohygienische Wirkung. Um Risiko zu vermeiden, gilt es, nichts zu übertreiben und auf die richtige Ausrüstung zu achten."
Prof. Dr. Otmar Weiß
Institut für Sportwissenschaften, Uni Wien

Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2020