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Mountainbiken: Fährten-Suche

Fährten-Suche - MountainbikenMountainbiken beginnt nicht am Berg. Knapp 600.000 Österreicher schwingen sich mehr oder weniger regelmäßig aufs Mountainbike. Es gilt als schnelle Alternative zum Bergwandern. Grundsätzlich ist Mountainbiken für jeden geeignet, auf ein paar wesentliche Punkte sollte man aber achten.

Rauf aufs Mountainbike, rein in die Pedale und ab auf den Berg. Bis das Treten aber auch ein Vergnügen wird, steht am Anfang schon eine schwierige Übung: der Kauf des richtigen Bikes. Unzählige verschiedene Modelle zu teils horrenden Preisen werden angeboten. „Grundsätzlich gilt: Ein Mountainbike sollte man im Fachhandel kaufen und da eher zu einem kleineren Spezialisten als zu einer großen Kette gehen“, empfiehlt Alfred Nimmerichter vom Institut für Sportmedizin in Wien. Mit einem Fahrrad aus dem Supermarkt hat man meist mehr Probleme als Freude, so der erfahrene Rad-Trainer. Ein steigender Anteil der Mountainbike-Rahmen besteht aus Carbon, einem mit Kohlenstofffasern verstärkten Kunststoff. Er ist leichter und hat eine bessere Dämpfung als der billigere, aber steifere Alu-Rahmen. Die Höhe und die Länge des Rahmens sind wichtige Kriterien für den guten Sitz.

Nimmerichters goldene Regel: „Die Position auf dem Rad sollte generell so sein, dass der Oberkörper leicht vorwärts geneigt ist. Der Lenker sollte fünf Zentimeter tiefer liegen als der Sattel.“ Die Schaltung sollte leicht funktionieren, bei den Bremsen empfiehlt der Experte hydraulische Scheibenbremsen statt Felgenbremsen. Bei den Pedalen heißt es sich zu entscheiden zwischen normalen Pedalen, die mit jedem Schuhwerk benützt werden können, oder einem Klick-System, wo eigene Rad-Schuhe fix mit dem Pedal verbunden werden. Nachteil der ersten Variante: Im Gelände ist die wichtige fixe Verbindung zwischen Schuh und Pedal nicht möglich. Daher rät der Rad-Experte eher zur zweiten Variante, denn „man kommt in jeder Situation mit einer leichten Drehbewegung des Fußes aus dem Pedal“. Hat der Mountainbike-Käufer dann auch noch einen schmalen Sattel, der die Tretbewegung nicht einengt, einen Helm (!) und eine Radlerhose mit Einsatz, vielleicht sogar mit Trägern – damit der Hosenbund in der Taille nicht einschnürt – erstanden, hat er wohl die richtige Ausrüstung, ist aber auch ein paar hundert Euro los. Allein bei den Mountainbikes ist nach oben hin kaum eine Grenze gesetzt. Es geht aber auch moderater. Nimmerichter: „Im Abverkauf bekommt man schon tolle Räder um 700, jedenfalls aber unter 1000 Euro.

Die Wahl der Strecke ist individuell und sollte auf den Trainings-Zustand des Bikers abgestimmt sein. Wer ein Mountainbike besitzt, muss noch nicht gleich ins Gelände. Und: Mountainbiken ist für jeden geeignet. "Ein Mountainbike kann man auch hervorragend als Trainingsgerät auf der Straße und in der Ebene nützen. Zum Beispiel bei Übergewicht. Durch die kleinen Übersetzungen mit langsamem Tempo ist der Effekt sehr gut, denn das Gewicht wird – anders als beim Laufen – vom Rad getragen“, sagt Nimmerichter. Auch Bluthochdruck-Patienten können mit moderatem Rad-Ausdauer-Training ihren Blutdruck senken. Wer Probleme mit der Wirbelsäule hat, sollte eine eher aufrechtere Position am Rad wählen, rät der Experte. Jedoch: Ganz aufrecht ist ganz schlecht. Denn dann bekommt die gekrümmte Wirbelsäule bei jedem Stoß voll ab. Knieprobleme schließen ein Mountainbike-Training ebenfalls nicht aus, da am Rad runde kontinuierliche Bewegungen gemacht werden und außerdem Muskulatur aufgebaut wird.

Streckenwahl

Doch zurück zur Strecke. Mountainbike-Trainer Nimmerichter rät Anfängern, mit flachen und leicht ansteigenden Strecken zu beginnen. Als Untergrund eignen sich Asphalt und Schotter gleichermaßen. Hier kann auch der Trainingseffekt besser gesteuert werden. Wer zu schnell ins Gelände geht, riskiert Verletzungen. Durch die hohe Belastung lässt die Konzentration nach und bei schwierigen technischen Passagen erhöht sich die Sturzgefahr. 5000 Radunfälle mit dem Mountainbike sind in der Freizeitunfallstatistik des Kuratoriums für Verkehrssicherheit 2007 registriert. Unfallursache Nummer eins war die Bodenbeschaffenheit. Die Radler rutschten oft auf nassem Gras, Schnee oder Schlamm aus. Manchmal führten auch Steine, Wurzeln oder Schotter zum unglücklichen Fall. Daher empfiehlt Nimmerichter einen Technik-Kurs, wo richtiges Schalten, Bremsen und Kurvenfahren gelehrt wird. Geübte sollten bei ihrer Ausfahrt immer wieder kleinere Technik –Übungen einbauen, wie zum Beispiel bei steilen Bergab-Passagen das richtige Bremsen: Körpergewicht nach hinten, Vorderbremse dosiert einsetzen. Dem Abwechslungsreichtum der Strecken sind keine Grenzen gesetzt. Ins Wadl gehen sowohl unebener Boden wie Schotter oder Waldboden als auch kurze, scharfe Steigungen, die immer wiederkehren. Nimmerichter: „Für ein Training gilt: Einmal ist keinmal. Um seine eigene Leistung zu steigern, sollte man mindestens zwei- bis dreimal pro Woche für eine Stunde aufs Rad.“ Aufwärmen ist laut Experten nicht notwendig, weil der wahre Biker üblicherweise langsam und locker beginnt und wenn die erste Steigung auftaucht, die Muskeln ohnehin schon warm sind.

Der große Durst sollte übrigens gar nicht erst aufkommen – daher immer Trinkflasche mitnehmen. Und das Bike freut sich nach feucht-dreckigen Ausflügen über einen Putzfetzen und einmal im Jahr über Flüssigkeit – in Form von Öl.

Mag. Lisa Ahammer
April 2009


Foto: Bilderbox, privat

Kommentar

Fährten-Suche - Mountainbiken„Mountainbiken ist für jeden geeignet. Anfänger sollten sich zuerst nur leichte Steigungen vornehmen. Da die Sturzgefahr auf losem Untergrund sehr groß ist, ist ein Helm eigentlich Pflicht.“
Alfred Nimmerichter
Mountainbike-Trainer, Institut für Sportmedizin, Wien

Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2020