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Sportliches Herzklopfen

sportliches herzklopfen_laufende beineMit den steigenden Temperaturen steigt auch die Lust auf Sport. Die Gefahr sich zu viel zuzumuten, ist allerdings groß. Das Herz schlägt bis zum Hals, es klopft. Man spürt es.150 Schläge in der Minute, mindestens. Die Röte steigt ins Gesicht, die Luft bleibt weg. Die Frühlingsgefühle sind wieder da. Der sportliche Ehrgeiz meint es oft zu gut.

 

Jeder kennt sie, die guten Vorsätze: Endlich Sport, regelmäßige Bewegung, laufendes Training. Und der Muskelkater nächsten Tag, so heißt es, gehört dazu. "Ein Irrglaube", wie Primar Dr. Rüdiger Kisling, Leiter des Institutes für Physikalische Medizin am Linzer AKH und Landesleiter der Österreichischen Gesellschaft für Sportmedizin, bestätigt. Anfänger kämpfen vor allem mit einem: Die Gefahr sich zu viel zu belasten, ist viel größer, als zu wenig für die Fitness zu tun.

Kisling empfiehlt vor Trainingsbeginn eine sportmedizinische Untersuchung: Vor allem jenen, die über 35 Jahre alt sind und nie regelmäßig Sport betrieben haben, und allen, die körperliche Beschwerden - Herz-Kreislauf, Gelenke - haben. Im Basislabor werden dabei Blutbild, Fettstoffwechsel und Diabetes-Neigung abgeklärt. Der Bewegungsapparat wird auf Problemstellen geprüft und eine Belastungsergometrie gibt Aufschluss über den Fitness-Zustand.

Auch die "normale" Gesundenuntersuchung klärt Gesundheitszustand und Basiswerte ab. Bei der sportmedizinischen Untersuchung kommen Ergometrie, Muskelfunktionstests und Laktatmessungen dazu. "Es geht ja darum die Leistungsfähigkeit festzustellen, und eine Trainingsempfehlung mitzugeben", meint der Primar. Wer eine sportmedizinische Untersuchung plant, sollte auf alle Fälle darauf achten, dass der Arzt die sportmedizinische Ausbildung und damit ein sportärztliches Diplom hat.

Umfang vor Intensität

Drei Mal 40 Minuten pro Woche, das ist für die Gesundheit ausreichend. Kisling rät zu Ausdauersportarten wie Nordic Walking, Laufen oder Radfahren kombiniert mit moderatem Krafttraining. "Wichtig ist der Trainingsumfang vor der Intensität. Erst dann kann man beginnen, die Belastbarkeit zu steigern. Zeit kann nicht durch Intensität eingespart werden", so Kisling. "Ein Herzfrequenzmesser (Pulsuhr) ist sinnvoll zur Trainingssteuerung." Dann sollte man aber seine persönlichen Belastungswerte kennen.

Gemessen wird die Herzfrequenz in der Regel mit Hilfe eines Sensors, der in einen Brustgurt eingebaut ist. Per Funk werden die Daten zum Empfangsgerät weitergeleitet. An einer Uhr am Handgelenk kann der Sportler dann seinen Puls ablesen. Beim Kauf eines Gerätes rät der Verein für Konsumenteninformation zum ausführlichen Vergleich und dazu, festzustellen, welche Funktionen man tatsächlich braucht: Wer nur tagsüber Sport betreibt, kommt zum Beispiel ohne Beleuchtung aus. Das Gerät sollte einfach zu bedienen sein, nicht allzu viele Funktionen haben und die Tasten leicht ansprechen. Akustische Anzeigen der Ober- und Untergrenze des Trainingsbereiches lassen das Training effektiver gestalten.

Wer schnauft, ist zu schnell

Formeln wie "220 minus Lebensalter" zur Errechnung des Maximalpuls und in weiterer Folge des idealen Trainingspulses sind für Kisling nur sehr grobe Richtwerte. "Ein 35-jähriger trainierter gesunder Mann, muss auf andere Werte achten als ein 35-jähriger untrainierter Diabetiker", meint der Mediziner. Anfängern empfiehlt er 80 Prozent der Trainingszeit bei 60 bis 70 Prozent der Maximalbelastung zu trainieren. "Wer keine sportmedizinische Untersuchung macht und nur zur Gesundheitserhaltung Sport betreibt, trainiert am besten so, dass er sich noch gut unterhalten kann."

Zum Aufwärmen beginnt der Sportler am besten ganz langsam mit der jeweiligen Ausdauersportart: Langsam laufen, langsam Rad fahren, langsam walken. Sinnvoll sind laut Kisling auch koordinative Übungen und Balanceübungen: "Damit stimmt sich die Muskulatur aufeinander ab. Das Zusammenspiel der Muskeln wird gefördert." Vor allem bei älteren Personen wird so auch das Sturzrisiko eingedämmt. Nach dem Training empfiehlt der Sportmediziner leichtes Nachdehnen und sich eine Regenerationsphase mit Sauna oder Massagen zu gönnen.

Sportarten wechseln

Ein häufiger Wechsel der Sportarten ist für Kisling durchaus sinnvoll: Dadurch werden verschiedene Muskeln und Bewegungen trainiert. Wichtig ist, dass es Spaß macht und dass man regelmäßig - das heißt im Sommer wie im Winter - trainiert. "Sich einer Gruppe anzuschließen, ist eine gute Möglichkeit den inneren Schweinehund zu überwinden. Das Gruppenerlebnis ist motivationsfördernd", so der Primar.

Trainingsziele sollte sich auch der Hobbysportler setzen. "Die sollten aber realistisch sein, auf keinen Fall zu hoch, sonst leidet man permanent unter Frust", erklärt Kisling. Ausdauersport ist nicht nur die beste Methode zur Gewichtskontrolle — "nur über mehr Energieverbrauch nimmt man ab". Das Training hat auch großen Einfluss auf den Stoffwechsel und damit auf Blutzucker, Blutdruck und Herz-Kreislauf-System. "Es gibt kein Krankheitsbild, bei dem Sport nicht als medizinische Therapie eingesetzt wird", weiß Kisling. Sport ist in Kombination mit einer ausgewogenen Ernährung das beste Antiaging-Mittel.
  

Mag. Ulrike Bauer
Mai 2006

Foto: Bilderbox

Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2020