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Tanzen fürs Herz

tanzen fürs herz - Strauss mit GeigeTanzen ist Sport – wer schon einen Tanzkurs besucht hat und nicht dem Hofratswalzer den Vorzug gegeben hat, kann davon ein Lied singen. Einer neuen Studie zufolge kann es Herzpatienten wieder auf die Beine helfen, wenn sie auf der Tanzfläche nicht nur im Dreivierteltakt herumstehen.

Italienische Forscher haben in einer Studie Aufbautraining auf Fahrrad und Laufband mit regelmäßigem Walzertanzen verglichen. Das Ergebnis: Tanzen ist genauso effektiv wie das Training in der Kraftkammer. Das teilte der Studienautor, der Direktor des kardiologischen Zentrums am Lancisi-Herzinstitut in Ancona, Romualdo Belardinelli, bei einem Treffen der Amerikanischen Herzvereinigung in Chicago mit.

Problem Trainingsabbruch

Belardinelli wies auf ein besonderes Problem nach einem Herzversagen hin: 70 Prozent der Rekonvaleszenten würden in der Genesungsphase traditionelle Aufbauprogramme abrechen. Deshalb „müssen wir etwas finden, was die Patienten besser anspricht“, so Belardinelli.

Die Zielgruppe der Maßnahmen sind Kranke, deren Herz so schwach geworden ist, dass es das nötige Blutvolumen nicht mehr durch den Kreislauf pumpen kann. Deswegen kann bereits eine einfach körperliche Anstrengung zum Problem werden.

Große Resonanz

Auf dem Kardiologenkongress fanden seine Ausführungen große Resonanz. Tanzen könne ein effektiverer Weg sein, die Leute in Bewegung zu bringen und sicher mache es auch mehr Spaß, als auf einem Laufband zu trainieren.

Tänzer so fit wie auf dem Laufband

Die 110 Patienten der italienischen Studie hatten dieselben Fitnesswerte wie nach einem vergleichbaren klassischen Aufbauprogramm. Allerdings verbesserte sich auch ihr Schlaf, ihre Stimmung, Sexualität sowie die Ausdauer bei Hobbys und Hausarbeit. Die Ausdauer und damit das Herz zu stärken ist die wichtigste Aufgabe von Aufbauprogrammen nach Herzerkrankungen. Bisher ist das Problem, die Rekonvaleszenten dazu zu bringen das Training durchzuhalten. Das könnte sich durch die „Tanztherapie“ ändern.

Im Vergleich

In der Studie wurden drei Gruppen acht Wochen lang miteinander verglichen: 44 Patienten absolvierten ein traditionelles Aufbauprogramm auf Laufband und Fahrrad, 44 Patienten tanzen drei Mal wöchentlich 21 Minuten lang schnelle und langsame Walzer und 22 Patienten machten gar nichts.

Sportler hinkten hinten nach

Die Herz-Lungen-Frequenz nahm bei den beiden aktiven Gruppen in gleichem Umfang zu, die Sauerstoffaufnahme verbesserte sich in der Kraftkammer um 16 Prozent, auf dem Tanzparkett um 18 Prozent. Die Inaktiven konnten natürlich in beiden Feldern nicht punkten.

Aber auch bei der Konditionssteigerung hatten die Tänzer die Nase vorne: Der Punkt ihrer Muskelerschöpfung verschob sich um 21 Prozent – bei den Sportlern nur um 18 Prozent.

Die sonstigen Werte waren bei beiden aktiven Gruppen ähnlich.

Bei den Tänzern konnte noch eine Verbesserung der Dehnbarkeit ihrer Arterien festgestellt werden.

Zusatznutzen Spaßfaktor

Belardinelli sieht einen Vorteil des Tanzens darin, dass die Tänzer einen Partner und damit einen sozialen Kontakt hätten und nicht alleine trainieren müssten.

"Diese Art von Programm ist wirkungsvoller, weil sie mehr Spaß macht", betonte er.

Und was sagt der Tanzlehrer?

„Obwohl die wenigsten ‚Tanzlehrlinge’ aus gesundheitlichen Gründen zu uns kommen, ist die körperliche Ertüchtigung nicht zu unterschätzen“, bestätigt Michael Horn, Tanzschulleiter aus Linz. Gefördert werden Konzentration und Koordination genauso wie Ausdauer und Beweglichkeit. „Die meisten Kunden freut, dass sie beim Tanzen abschalten können und doch gefordert werden.“

Horn berichtet über Erkenntnisse, die er von einem Tanzkongress mitnahm: In einer Studie wurden Anfänger, Hobby-, Freizeit- und Sporttänzer verglichen. Allen gemeinsam war, dass Ausdauer und allgemeines körperliches Befinden verbessert wurden.

Und: „Ein Überfordern ist nur schwer möglich, weil der Anfänger noch wenige Tanzfiguren kennt und sich dementsprechend weniger bewegt. Erst die Fortgeschritten, die auch schon über eine bessere Kondition verfügen, legen mehr Figuren aufs Parkett. Aber alles geschieht im Rahmen der individuellen Möglichkeiten – wir haben noch keinen Arzt gebraucht“, stellt Horn fest.

Mag. Christian Boukal
Jänner 2008

Foto: Bilderbox

Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2020