DRUCKEN

Krafttraining verzögert Pflegebedürftigkeit

Krafttraining verzögert PflegebedürftigkeitRegelmäßiges Krafttraining hilft nicht nur, in höherem Alter beweglich und unabhängig zu bleiben, sondern kann auch die Pflegebedürftigkeit verzögern. Zu achten ist auch auf entsprechende Nährstoffversorgung.

Die wachsende Zahl an pflegebedürftigen Personen stellt eine große Herausforderung an unsere Gesellschaft und an unser Gesundheitssystem dar. Eine der wichtigsten und sinnvollsten Maßnahmen ist die Vorbeugung der Erkrankung zum Beispiel durch eine entsprechende Lebensweise.

„Fleischmangel“

Ab dem 40. Lebensjahr verliert der Mensch durchschnittlich ein bis zwei Prozent seiner Muskelmasse pro Jahr. Beeinträchtigt die Abnahme mit fortgeschrittenem Alter die Körperfunktionen, liegt eine so genannte Sarkopenie vor. Der Begriff Sarkopenie bedeutet aus dem Griechischen übersetzt „Fleischmangel“ und beschreibt die altersbedingte Abnahme der Muskelmasse. „Ab dem 70. Lebensjahr kommt es zu einem beschleunigten Kraftabfall und damit erhöht sich das Risiko von Sarkopenie“, sagt Emil Igelsböck, MAS, Leiter des Studiengangs Physiotherapie der FH Gesundheitsberufe am Campus Wels.

Erhöhte Sterblichkeit

Den größten Einfluss auf den Verlust der Muskelmasse haben Bewegungsmangel und Mangelernährung. In einer Studie aus 2010 in „The Archives of Internal Medicine“ wird beschrieben, dass das Sterberisiko innerhalb von 20 Jahren steigt bei:

  • Bewegungsmangel um 56 Prozent
  • Rauchen um 52 Prozent
  • Schlechte Ernährung um 31 Prozent
  • Alkohol um 26 Prozent

Bewegung hat positive Effekte

Krankheiten nehmen im Alter zu, 21 Prozent der Patienten über 65 Jahre haben mehr als fünf Erkrankungen, die eine Behandlung und Kontrolle benötigen. Nicht nur das Krafttraining, sondern Bewegung überhaupt ist lebenswichtig. „Der positive Effekt von Bewegungstherapie wurde schon für viele Krankheitsbilder nachgewiesen“, so der Physiotherapeut Igelsböck, „unter anderem für Kniearthrose, subakute und chronische Kreuzschmerzen, Schaufensterkrankheit, Hüftarthrose, Schlaganfall, Morbus Parkinson und koronare Herzkrankheiten.“

Kosten verringern

„Viele andere Untersuchungen zeigen ebenfalls sehr positive Effekte von gezielter Bewegung auf die Gesundheit, vor allem im Alter. Neben der deutlich gesteigerten Lebensqualität für die Betroffenen lassen sich so Kosten für das Gesundheitssystem reduzieren und die Pflegebedürftigkeit im Alter hinauszögern beziehungsweise verhindern“, betont Igelsböck.

Fit wie ein 30-Jähriger

Eine Untersuchung der MedUni Wien zeigt, dass kraftrainierende 70-Jährige die gleiche Muskelkraft und den gleichen SMI (Skelettmuskelindex, Muskelmasse in Prozent der Körpermasse) haben, wie untrainierte 30-Jährige. Am besten werden Übungen und Gewichtslast von Zeit zu Zeit verändert, damit die Muskeln immer wieder neue Anreize bekommen. Neben der Bewegung verbessert sich auch das räumliche Orientierungsvermögen, wie eine US-Studie ergab.

Verschiedene Trainings

Krafttraining alleine ist nur ein Punkt, um die Gesundheit von Senioren zu erhalten oder zu verbessern, Die wichtigsten Maßnahmen bei Senioren sind die Umstellung des Lebensstils durch vermehrte Alltagsbewegungen und gezielte zusätzliche Bewegung. Zentrale Elemente sind dabei:

  • Mobilitätstraining
  • Koordinationstraining
  • Ausdauertraining
  • Krafttraining
  • Gleichgewichtstraining

Sturzproblematik

Beim alten Menschen wird laut Studien immer klarer, dass vor allem das Gleichgewichtstraining und Krafttraining der unteren Extremität sehr wichtig sind. Vor allem im Zusammenhang mit der Sturzproblematik bei alten Menschen, zeigen sich sehr gute Ergebnisse bei der Anwendung dieser Maßnahmen. Auch in Bezug auf Herz- Kreislauferkrankungen hat ein gezieltes Krafttraining sehr positive Effekte, weshalb die Wichtigkeit dieser Trainingsform in den letzten Jahren immer klarer wird.

Bewusstseinschaffung

Selbstverständlich bildet eine adäquate Nährstoffversorgung durch entsprechende Ernährung und die psychische Gesundheit eines Menschen die Voraussetzung, um im Alter gesund und fit zu bleiben. Solange es den Betroffenen nicht bewusst ist, was das Ziel ist, ist es schwierig, sie zu motivieren. Bei der Arbeit mit alten Menschen, etwa im Seniorenheim, stellt die Gruppentherapie eine geeignete Maßnahme dar.

Innere Schweinehund überwinden

Natürlich gilt es auch für Seniorinnen und Senioren den inneren Schweinehund zu überwinden. „Um die Motivation zu verbessern, ist es bei alten Menschen sehr wichtig, einen konkreten Plan zu erstellen“, sagt Emil Igelsböck. „Dieser sollte ein konkretes Ziel beinhalten, positiv formuliert und zu bewältigen sein.“

Empfehlungen für den Alltag

Frei nach dem Motto „use it or lose it“, geht es darum, den Bewegungsapparat als solchen besonders im Alltag zu nutzen!

  • Stiegen steigen statt Lift benutzen
  • Zu Fuß gehen statt Auto fahren
  • Tägliche Balanceübungen (etwa beim Zähneputzen)
  • Möglichst viel Bewegung in der Freizeit
  • Krafttraining

Elisabeth Dietz-Buchner
Februar 2012


Foto: Bilderbox

Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2020