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'Bewegte' Frauen

Bewegte FrauenAuch wenn die meisten Frauen weniger Kraft als Männer haben – mittlerweile gibt es keine Sportart mehr, die nicht auch von Frauen ausgeübt wird. Worauf sie achten sollten, erklärt Experte Dr. Josef Tomasits, Oberarzt am Linzer Allgemeinen Krankenhaus.

Früher waren viele Sportarten von Männern dominiert. „Doch nun ist es allgemein akzeptiert, dass Frauen jeden Sport in gleicher Weise wie Männer betreiben können“, so Tomasits. „Natürlich führen vor allem anatomische Unterschiede zu einem ungleichen Kräfteverhältnis. Doch es wäre genauso unfair, große mit kleinen Männern in punkto Leistungsfähigkeit zu vergleichen.“

Monatsweise

Kurz vor Beginn der monatlichen Menstruation ist die Leistungsfähigkeit am geringsten. „Das bessert sich aber üblicherweise mit dem Einsetzen der Regel“, erläutert Tomasits. „Frauen sollten daher in dieser Zeit mit dem sportlichen Ergebnis nicht unzufrieden sein.“ Insbesondere Leistungssport wirkt sich auf die monatliche Blutung aus. „Das kann soweit gehen, dass Frauen keine oder nur noch weniger als acht Perioden im Jahr haben“, so der Mediziner. Denn vor allem bei Leistungssportlerinnen ist der Belastungsumfang und die Trainingsintensität sehr hoch. Und außerdem müssen viele - vorwiegend Turnerinnen – auf eine kalorienarme Ernährung achten, um „kein Gramm zuviel Gewicht zu haben“. „Vor allem bei sehr ehrgeizigen und jungen Frauen kann es wegen ihrer sportlichen Ziele zu Essstörungen kommen“, warnt Tomasits. „Bis zu 25 Prozent der Frauen die Sportarten wie Ballett, Turnen oder Langstreckenlauf betreiben, neigen zu Magersucht und Bulimie.“

Bei vielen Frauen besteht aufgrund des Blutverlustes der Monatsblutung eine – unerkannte – Blutarmut (Anämie). Insbesondere dann, wenn sich Frauen überwiegend fleischarm oder hauptsächlich vegetarisch ernähren. Denn vor allem mit dem Verzehr von so genanntem roten Fleisch, also nicht im Putenfleisch, wird viel Eisen zugeführt. Eisenmangel der lange andauert führt zu Anämie, mit den Beschwerden Müdigkeit und Leistungsschwäche. „Um zu klären, ob ein Eisenmangel oder eine Anämie vorliegt, sollte deshalb eine Laboruntersuchung durchgeführt werden“, empfiehlt Tomasits.

In anderen Umständen

Sport ist vor allem in den ersten zwei Dritteln der Schwangerschaft ideal. „Es steigert nicht nur das Wohlbefinden, sondern ist auch eine sehr gute Vorbereitung auf die Geburt und sorgt für eine schnellere Erholung danach“, betont Tomasits. „Zudem ist Sport eine wichtige vorbeugende Maßnahme gegen schwangerschaftsbedingten Diabetes.“ Vermeiden sollten werdende Mütter Sportarten, bei denen das Verletzungsrisiko hoch ist. Dazu zählen Wasserski, Mannschafts- und Kampfsportarten sowie Turnen.

Im Wechsel

„Körperliche Bewegung im Klimakterium ist sehr wichtig, um die Lebensqualität zu erhalten“, so der Experte. „Sport hilft vor allem dabei, Hitzewallungen zu vermeiden, da die Blutgefäße nicht so überschießend reagieren.“ Zudem neigen sportlich aktive Frauen weniger zu Depressionen, Osteoporose und Altersdiabetes.

Sportsfreundin

„Ideal ist ein Ausdauertraining drei Mal eine Stunde pro Woche und wenn möglich zwei Mal wöchentlich ein Krafttraining“, rät Tomasits. „Untrainierte Frauen sollten mit einem geringen Trainingsumfang starten und dann systematisch innerhalb der nächsten sechs Monate steigern.“ Zu den Ausdauersportarten zählen Radfahren, Laufen (allerdings nicht bei Übergewicht, denn dabei wäre die Gelenksbelastung zu stark), Inline-Skaten, Schwimmen, Wandern sowie im Winter Skifahren, Schneeschuhwandern, Eis- und Langlaufen und anderes mehr.

Sport gegen Übergewicht

„Nur wer sich täglich mehr als eine Stunde bewegt, verliert an Gewicht, wenn die Nahrungszufuhr gleich bleibt“, erklärt Tomasits. „Die meisten verbessern daher zwar ihre Fitness. Das Training kann aber wegen der geringen Energie von stündlich 200 bis 300 Kilokalorien zu keiner nennenswerten Gewichtsverminderung führen.“ Denn bei zwei oder dreimaligen Trainings pro Woche wird höchstens fünf Prozent der gesamten Energie durch Bewegung „verbrannt“.


Cornelia Schobesberger
Februar 2008


Foto: Bilderbox

Nachlese

Dr. Josef Tomasits ist Erstautor des Buches „Leistungsphysiologie“. Darin finden Sie weiterführende Informationen und auch Tipps über richtige Ernährung.

Leistungsphysiologie – Buchcover (43.4 KB)

Zuletzt aktualisiert am 13. Januar 2020