DRUCKEN

Morgensport

Hat die Morgenstund' wirklich Gold im Mund?

MorgensportDer Kopf ist schwer, die Beine sind müde, der Magen manchmal leer: Morgensport ist etwas für wahrhaft konsequente Menschen, möchte man meinen. Oder für wache Gesellen, die die frühe Gunst der Stunde nutzen. Was ist dran an der frühmorgendlichen Bewegungseinheit?

Hell und kühl

Die Vorteile liegen auf der Hand: Nur frühmorgens zeigt sich der Hochsommer von seiner angenehm kühlen Seite. Tagsüber kommen wir schon beim bloßen Gedanken an Sport ins Schwitzen und auch die Abende sind mehr als lau. Auch nicht zu verachten: Wer frühmorgens läuft oder radelt oder Nordic walkt, gönnt sich dabei eine Extraportion Tageslicht. Darüber hinaus steht fest: Gegen Mittag steigen die die Gesundheit beeinträchtigenden Ozonwerte in der Luft stark an und flachen erst gegen Abend wieder ab.

Abnehmen am frühen Morgen?

Morgensport-Fans führen oftmals ins Treffen, dass der Körper, wenn er keine Kohlenhydrate aus der Nahrung zur Verfügung hat, auf die Fettreserven zugreift. „Die These, dass morgendliches Laufen eine extra Portion Fett verbrennt, gehört ins Reich der Fitness-Mythen. Der Körper greift zuerst auf die vom Vortag übrig gebliebenen und in der Muskulatur gespeicherten Kohlenhydrate zu“, sagt Dr. Wolfgang Landerl, Sportmediziner in Linz.

Besser belastbar nach dem Frühstück

Sobald kein Zucker mehr zur Verfügung steht, bricht allerdings auch die Leistung ein. Dieser Zustand tritt bei untrainierten Personen wesentlich früher ein als bei fitten. Nach einem kohlenhydratreichen, aber nicht zu schweren Frühstück hingegen sind die Speicher gut gefüllt und der Körper kann ausdauernd belastet werden. „Da es sich allerdings mit vollem Magen schlecht läuft, sollte man erst eine Stunde nach der Morgenmahlzeit starten“, so Landerl. Wer auf das Läufchen vor dem Frühstück dennoch nicht verzichten will, solle auf jeden Fall vorher eine Banane oder andere schnell verdauliche Kohlenhydrate zu sich nehmen.

Schwung für den Tag

Wer frühmorgens ein wenig länger braucht um in Schwung zu kommen, für den bietet sich Morgensport geradezu an: Der Kreislauf kommt in Schwung – vorausgesetzt man sportelt in moderatem Tempo – und nach dem Sport fühlt sich auch der größte Morgenmuffel munter wie der junge Morgen.  Auch psychologisch gesehen ist Morgensport nicht schlecht. „Sport ist immer auch eine Art Selbstüberwindung und wenn man das frühmorgens schafft, geht man mit einem anderen Gefühl in den Tag“, erläutert Landerl. Zumal es abends, nach getaner Arbeit, oft schwieriger ist, sich aufzuraffen von der Fernsehcouch oder dem Gastgartensessel. Aber das ist eine andere Geschichte.

 

Michael Leithinger
Juli 2008

Foto: Bilderbox

Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2020