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Sporteln in der Pollensaison

Sporteln in der PollensaisonIm Frühling steigt bei vielen Menschen die Lebenslust und mit ihr der Drang, sich im Freien zu bewegen. Doch der Frühjahrs-Heuschnupfen macht betroffenen Allergikern einen Strich durch die Rechnung. Wer sich zu lange am falschen Ort und der falschen Zeit an der frischen Luft aufhält, bekommt die Rechnung in Form der typischen Allergie-Symptome präsentiert.

Für Birkenpollensaison werden Rekordwerte erwartet

Ende März begann heuer in Österreich die Saison der Birkenpollen. Ihre Hauptblüte ist von April bis Mai. Bereits den ganzen März über litten viele Birkenpollen-Allergiker an tränenden Augen und verstopften Nasen. Der Grund: Die heurige Hasel- und Erlensaison fiel ungewöhnlich massiv aus und die enge botanische Verwandtschaft mit Erle und Hasel kann bei Birkenpollen-Allergikern bereits zur Blütezeit dieser beiden Pflanzen Symptome auslösen. Die Belastung durch Birkenpollen düfte in diesem Jahr laut Österreichischem Pollenwarndienst besonders hoch sein. Vor allem im geografischen Dreieck Salzburg-Klagenfurt-Lienz drohen sehr hohe Werte.

Mögliche Symtome bei Pollenallergie

Die Pollen bewirken an den Schleimhäuten der Atemwege, der Nase und den Augen eine allergische Reaktion. Mögliche Symptome:

  • Tränen, Juckreiz, Brennen der (oft geröteten) Augen.
  • Niesattacken, verstopfte Nase.
  • Juckreiz in Mundhöhle und Rachen.
  • Asthmatische Beschwerden (pfeiffenden Atemgeräusche, Atembeschwerden bis hin zu akuter Atemnot.
  • Juckreiz und Hautausschläge.
  • Müdigkeit, Kopfschmerzen, auch Fieber ist möglich.

Überbegriff Heuschnupfen

Allergie ist ein Oberbegriff für Erkrankungen, welche durch eine fehlerhafte Reaktion des menschlichen Immunsystems bei Kontakt mit körperfremden Substanzen verursacht werden. Die verschiedenen Pollenallergien werden im Volksmund als „Heuschnupfen“ zusammengefasst. Bei „Heuschnupfen“ reagiert der Körper gegen die Eiweißkomponenten bestimmter Pollen allergisch.

Frühjahrs-Heuschnupfen betrifft Pollen von Bäumen (Birke, Erle, Hasel, Esche), Sommer-Heuschnupfen Gräser- und Getreidepollen, Herbst-Heuschnupfen Kräuterpollen, besonders Beifuß, Ragweed.

Allergenkontakt minimieren

Pollen gelangen während der Gräser-, Baum- oder Kräuterblüte in großer Menge in die Luft. Sie wirbeln umher, der Wind trägt sie mitunter über viele Kilometer, mit Regen sinken sie auf den Boden. Je mehr Luft man einatmet, desto mehr Pollen atmet man ein. Der vorrangige Schutz vor den in der Luft befindlichen Pollen geschieht durch Vermeidung. Wer sich Pollen nicht aussetzt, hat auch keine Symptome zu befürchten.

Für Sportler heißt das in erster Linie: Möglichst kein Sport im Freien. Zumindest in der Zeit, in der sich jene Allergene in großer Anzahl in der Luft befinden, die ihr Köper nicht verträgt, sollte man auf Indoor-Sport ausweichen. Auf jeden Fall sollte die Stärke des Pollenflugs bei der Entscheidung zur sportlichen Betätigung berücksichtigt werden.

Wer nur auf bestimmte Pollen allergisch reagiert, muss nur in der Blühzeit dieser konkreten Pollenart vorsichtig sein. Ein Birkenpollenallergiker muss vor allem im April und bis Mitte Mai mit erhöhten Pollenkonzentrationen rechnen. Wer gegen Gräserpollen allergisch ist, braucht nur in der Blühzeit der Gräser, also im Sommer vorsichtig sein. Birken etc. betreffen ihn dann nicht und er kann das ganze Jahr über draußen sporteln, nur eben in der Gräsersaison nicht. Wesentlich länger dauert die Leidenszeit bei Menschen, die sowohl gegen Baumpollen im Frühjahr als auch gegen Gräserpollen im Sommer allergisch reagieren.

Risiko nicht herausfordern

„Am wichtisten ist es, dass man versucht, in der belasteten Zeit den Kontakt mit den Allergenen möglichst zu vermeiden. Ob man gänzlich auf Sport im Freien verzichten sollte, hängt davon ab, wie stark man allergisch reagiert. Wer nur an Nießreiz und trändenden Augen leidet, der muss sicher nicht ganz darauf verzichten, er muss nur gewisse Zeiten und Vorsichtsmaßnahmen einhalten. Freilich sollte man das Risko einer hohen Pollen-Dosierung nicht herausfordern“, erklärt Prim. Dr. Bernhard Baumgartner, Leiter der Lungenabteilung am Krankenhaus Vöcklabruck.

Wer dagegen schon an allergischem Asthma leidet, sollte in der belasteten Zeit gänzlich auf Indoor-Sport umstellen. Baumgartner: „Eine Pollenallergie sollte nicht dazu führen, dass man sich gar nicht mehr bewegt und nur mehr in geschlossenen Räumen herumsitzt. Wer medizinisch gut eingestellt ist, sollte also weiterhin sporteln, aber eben drinnen“, rät Baumgartner. Das heißt, sporteln in einer Halle oder auch zuhause auf einem Hometrainer. Auch Schwimmen und Wassersport ist empfehlenswert. Die Sportkleidung sollte erst vor Ort angezogen werden, um möglichst wenig Pollen in den geschlossenen Raum einzuschleppen.

Wer trotzt Allergiezeit im Freien sportelt, riskiert allergische Reaktionen wie Niesen, rinnende Augen bis hin zu einem Asthmaanfall. „Ein Etwagenwechsel - also die Ausbreitung der Probleme in Richtung Bronchien samt Entstehung einer Asthmaerkrankung - wird durch ein paar Mal Sporteln im Freien bei ausreichender medikamentöser Therapie freilich nicht ausgelöst“, erklärt der Lungenfacharzt.

Vorsichtsmaßnahmen

Wer auch in der belasteten Zeit draußen sporteln möchte, der sollte einige Vorsichtsmaßnahmen beachten.

Tageszeit beachten: Wie viele Pollen tatsächlich in der Luft sind, hängt auch von Wetter und Tageszeit ab. An warmen Tagen werden mikroskopisch kleine Pollenkörner freigesetzt, die auf Luftströmen in die Höhe steigen. Kühlt sich die Luft am Abend wieder ab, fallen sie zu Boden. Am wenigsten Pollenbelastung gibt es daher früh am Morgen. Auch nach Regen ist die Luft „sauber“.

Eine Sonnenbrille hält einen Teil der Pollen von den Augen fern und schützt damit die Augenschleimhaut, die während der allergischen Reaktion lichtempfindlicher ist als sonst. Schutz bieten aber nur Brillen, die möglichst eng am Gesicht abschließen.

Atmung durch die Nase ist günstiger als Atmung durch den Mund, da bei Nasenatmung Pollen zum einem gewissen Teil gefiltert werden und nicht in die Lunge gelangen.

Pollen-Filter Masken: Sie sehen aus wie OP-Masken und haben eine gute Filterwirkung. Sie sind jedoch wenig konfortabel. „Sporteln mit Mundschutz ist zwar im Prinzip möglich, in der Praxis aber schwierig, weil man nur schwer Luft bekommt“, weiß Baumgartner.

Weitere Tipps:

  • Sobald eine allergische Reaktion auftritt, sollte das man das Training beenden, um die Beschwerden nicht weiter zu verstärken.
  • Die konkrete Pollenflugvorhersage des Pollenwarndienstes beachten.
  • Haare täglich vor dem Zubettgehen waschen.
  • Kleider nicht im Schlafzimmer ausziehen, diese häufiger waschen, aber nicht im Freien trocknen lassen.

Therapiemöglichkeiten

Zur Behandlung einer Pollenallergie stehen zwei Wege offen. Einerseits eine Hyposensibilisierung (landläufig auch Spritzenkur genannt); mit ihr versucht man die Ursachen des Leidens zu beheben; andererseits die Bedarfsmedikation (Histaminika, Gels etc.), mit ihnen werden lediglich die Symptome unterdrückt.

Ob eine Hyposensibilisierung sinnvoll ist, ist im Einzelfall zu entscheiden. Ausschlaggebend ist die Stärke der Symptome und der Grad des Leidens. „Kommt jemand mit Augentropfen und Nasenspray problemlos durch die Pollensaison, ist eine Sensibilsierung nicht nötig. Auch wer mit der Einnahme von Histaminika das Ausreichen findet, muss sich nicht unbedingt sensibilisieren lassen. Freilich ist eine Sensibilisierung langfristig meist sinnvoll, weil sie das Risiko für die Entstehung eines allergischen Asthmas verringert. Für Gräserallergiker empfiehlt sich die Gräsertablette, für Kinder stehen Tropfen zur Verfügung“, erklärt Baumgartner.

Auch Homöopathie oder Akupunktur kann helfen, die Beschwerden zu lindern. „Wir erzielen vor allem mit Akupunktur recht gute Erfolge. Man muss einfach ausprobieren, um zu wissen, was wirkt“, so der Lungenprimar. Bei Unklarheit, ob eine bestimmte Allergie vorliegt, sollte man sich frühzeitig austesten lassen, um eine Verschlimmerung der Allergie frühzeitig stoppen oder zumindest behandeln zu können.

Die Einnahme antiallergischer Medikamente schließt eine sportliche Betätigung keineswegs aus. Der Patient muss nach ärztlicher Beratung individuell entscheiden, ob und wo, also ob in der Halle oder im Freien, eine sportliche Betätigung für ihn sinnvoll ist.

Pollenwarndienste

Weitere Infos und die aktuelle Pollensituation findet man unter www.pollenwarndienst.at und www.polleninfo.org.

Dr. Thomas Hartl

April 2011

Foto: Bilderbox

Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2020