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Schokolade zum Löffeln

Schokolade zum LöffelnMit der Creme hat man’s drauf – so zumindest der Werbespot eines bekannten Haselnussaufstrichs aus Italien. Das Verbrauchermagazin „Konsument“ wollte wissen, was man denn auf dem Brot hat, wenn man Nutella & Co frühstückt.

Seit 1964 liefert eine Fabrik im Piemont das Original der süßen Sünde. Die Beliebtheit bei Groß und Klein riefen schon bald Nachahmer auf den Plan. Und so konnten die Tester von „Konsument“ gleich auf 14 verschiedene süße Brotaufstriche zurückgreifen. Vom Supermarkt über den Diskonter bis zum Bioladen werden die Cremen angeboten.
 

Gleichens Aussehen – unterschiedlicher Geschmack

Natürlich hüten die Schokokocher aus Italien ihre Rezeptur mindestens genauso wie die Kollegen von Coca-Cola. Das schützt allerdings noch lange nicht vor Konkurrenz, die alle auch wie das Original aussehen. Und so finden sich auch auf allen Verpackungen dieselben Zutaten verzeichnet wie am Original: Zucker, pflanzliches Fett, Haselnüsse und Kakao, dazu noch Vanillearoma und ein Emulgator, damit die Creme streichfähig bleibt, so „Konsument“. Die Reihenfolge gibt Auskunft über die jeweilige Mengenzusammensetzung: Von der erstgereihten Zutat ist am meisten drin, in der Folge sinkt die Menge der restlichen Ingredienzien.

Unterschiede im Detail

Unterschiedlich ist demnach nur die Zusammensetzung. So enthalten Bioprodukte Rohr- statt Kristallzucker, was der Karies ziemlich egal ist. Und statt künstlichem Vanillin wird echte Vanille verwendet. Auch bei der Menge der verwendeten Haselnüsse hat ein Bioprodukt die Nase vorn. Es verwendet 20 Prozent Haselnüsse, das Original kommt mit 13 Prozent aus, so „Konsument“. 

Problemfall Haselnüsse

Sparsam waren alle Produzenten mit der Herkunftsbezeichnung der verwendeten Haselnüsse. Nur fünf rangen sich zu einer Antwort des „Konsument“ durch. Was „Konsument“ hellhörig machte: Bei unsachgemäßer Lagerung können Nüsse, Erdnüsse, Mohn, Sesam, Sesam, aber auch Marillen- und Pfirsichkerne Schimmelpilze bilden. Diese „Aspergillus-Pilze“ bilden verschiedene sogenannte Aflatoxine, die als krebserregend gewertet werden. Der gesetzlich erlaubte Grenzwert liegt bei zwei Mikrogramm pro Kilo.
„Konsument“ konnte Entwarnung geben: Bei der überwiegenden Zahl der Cremen wurde kein Aflatoxin nachgewiesen. Lediglich zwei Proben – ein biologisches Erzeugnis und ein Produkt vom Diskonter – enthielten Spuren, die aber nur knapp ein Zehntel des erlaubten Wertes ausmachen. 

Transfettsäuren

Fett ist nach Zucker der Hauptbestandteil der Haselnusscremen. „Konsument“ nahm daher auch das enthaltene Fett unter die Lupe. Gesucht wurde nach Transfettsäuren, die für Herzinfarkt und Schlaganfall verantwortlich gemacht werden und einen negativen Einfluss auf den Cholesterinspiegel haben. Es entsteht natürlich im Magen von Wiederkäuern und ist daher in allen Milchfetten enthalten. Künstlich entstehen Transfettsäuren durch Erhitzung oder industrielles Härten von Fett.
Deswegen rät die Weltgesundheitsorganisation (WHO) deren Konsum so niedrig wie möglich zu halten. Bisher gibt es nur in Dänemark ein entsprechendes Gesetz, das künstliche Transfettsäuren auf zwei Prozent des Fettgehalts eines Lebensmittels beschränkt. Eine „Österreichische Transfettsäuren-Verordnung“, die sich am dänischen Modell orientiert, ist bereits in Begutachtung. Noch vor dem Sommer soll sie, geht es nach Gesundheitsminister Alois Stöger, in Kraft treten, berichtet „Konsument“.

Auch bei diesem Test konnte „Konsument“ Entwarnung geben. Keine der Cremen enthielt mehr als zwei Gramm Transfettsäuren pro 100 Gramm. 

Zucker und Fett

Bei den Nährwertangaben wiesen gleich zehn Erzeugnisse einen Zuckergehalt von mehr als 50 Prozent aus, darunter auch ein Bio-Produkt.
Gewichtig ist auch der Fettanteil. Zwar sind Haselnussaufstriche sicher kein Diätessen, eine Bandbreite von 30 bis 50 Prozent erstaunte die Tester dann aber doch.
Mit einer zweiten Überraschung konnten die Bio-Produkte aufwarten: Was sie an Zucker einsparen, machen sie an Fett wieder wett, so „Konsument“. 

Wertung

Über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten. Die Erzeugnisse wurden natürlich auch geschmacklich getestet. Die Tester stammten aus der Hauptzielgruppe der Kinder. Das Ergebnis: Das Original landete auf Platz sechs von 14.

Mag. Christian Boukal

Mai 2009

Foto: Bilderbox 

Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2020