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Probiotische Joghurts: Vielfach überschätzt

Probiotische Joghurts werden vielfach überschätztProbiotische Joghurts liegen im Trend. Mit dem Verzehr wird oft die Hoffnung geschürt, etwas Gutes für die eigene Gesundheit zu tun. Vielleicht wirkt es, sagen Wissenschaftler, vielleicht aber auch nicht, berichtet die Austria Presse Agentur (APA).

Die Wirkungen von probiotischen Joghurts werden oft überschätzt, so der Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie, Virologie und Hygiene der Universitätsmedizin Rostock, Prof. DDr. Andreas Podbielski. „Wir wissen leider nicht, welche Menschen von was und warum profitieren“, sagte Podbielski vor der 65. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie im September 2013 in Rostock. Die Erfolgsraten von etwa 20 Prozent, von denen manche Hersteller sprechen, seien „noch lausig“.

Für Mediziner unklar

Wenn diese Joghurts doch Erfolge zeigten, sei das für Mediziner schwer nachzuvollziehen. Allerdings rate er selbst manchen Patienten, deren Mikroflora etwa durch Antibiotikagabe gestört ist, solche Joghurts zu probieren. „Mit ganz geringen Ausnahmen, etwa bei schweren Schleimhautfunktionsstörungen, kann man auch nichts falsch machen“, berichtet die APA.

Als Medikament nicht im Supermarkt

Probiotische Lebensmittel enthalten lebensfähige Mikroorganismen. Für Podbielski ist aber klar: „Wenn man eines Tages vernünftig probiotisch therapieren will, dann wird das keine Sache mehr der Supermärkte sein.“ Es dürfe den Menschen dann nicht überlassen werden, wie viel sie zu sich nehmen und wie oft. Wenn mit potenten Substanzen gearbeitet werde, dann gibt es Nebenwirkungen und Überdosierungen, das sei dann Sache des Arztes und der Apotheke.

Wirkt bei jedem anders

„Wir kommen in den Bereich der individualisierten Medizin, bei der die Genetik der Betroffenen betrachtet wird“, sagte der Chef des Instituts für Medizinische Mikrobiologie, Virologie und Hygiene. Diese legt fest, mit welchen Bakterien jeder Mensch besiedelt ist, da könne es durchaus gravierende Unterschiede geben. „Was bei dem einen gut wirkt, kann bei einem anderen auch schädlich sein.“

Mag. Christian Boukal
September 2013

Foto: APA

Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2020