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Ampel auf Lebensmittelverpackung

Ampel auf LebensmittelverpackungMit 1. Juli 2007 beginnt in der EU die Endphase zur Einführung von Nährwertprofilen auf Lebensmittelver-packungen — eine Art Steckbrief für Lebensmittel. Bis 2009 haben die Hersteller Zeit die Verpackungen und ihre Werbung an die neue Gesetzeslage anzupassen. Die Arbeiterkammer (AK) schlägt die Kennzeichnung mit einer Ampel nach englischem Vorbild vor.

Künftig dürfen die Hersteller von Lebensmitteln nur noch mit Aussagen werben, die auch wissenschaftlich belegt sind. Damit soll Schluss sein mit irreführenden Angaben. Die Nährwertprofile sollen dafür sorgen, dass bei einer gesundheitsfördernden Eigenschaft nicht gleichzeitig der Gehalt an ungünstigen Inhaltsstoffen wie etwa Zucker, Fett oder Salz überschritten wird.

Wortwahl

So müssen „fettarme“ Süßigkeiten in Zukunft einen Hinweis in derselben Schriftgröße tragen, der Auskunft über den Zuckergehalt gibt. Nur unverarbeitete Lebensmittel sind von dieser Regelung ausgenommen.

Keine Rosstäuscherei mehr

Wichtiger für die Konsumenten ist aber, dass sie sich ab 1. Juli darauf verlassen können, dass Werbebotschaften auch wissenschaftlich begründet sein müssen. Verboten sind demnach Botschaften, die suggerieren dass der Genuss des Produkts bestimmte Krankheiten heilen könne. Sprüche wie „Ballaststoffe schützen vor Herzinfarkt“ oder „zur Behandlung von Osteoporose“ werden sich nicht mehr auf Verpackungen finden dürfen.

Aussagen zur Reduzierung eines Krankheitsrisikos, wie zum Beispiel „Ausreichende Kalziumzufuhr kann zur Verringerung des Osteoporose-Risikos beitragen“, sind hingegen erlaubt, berichtet das Konsumenten Magazin der ORF.

Erste Änderungen

Als erste Umsetzung der Vorgaben müssen allerdings vorerst nur unspezifische Aufdrucke gemacht werden. Auf den Packungen findet sich dann ein Hinweis auf die Wichtigkeit einer ausgewogenen Ernährung und eine Warnung nicht zu viel von gewissen Produkten zu essen. Diese Kennzeichnungspflicht gilt dann auch für Nahrungsmittelergänzungen.

Keine Nährwertangaben

Informationen über Fett, Zucker oder Kalorien in einem Produkt sind derzeit nur schwer zu finden, weil die Nährwertkennzeichnung freiwillig ist und nur dann nötig, wenn damit Werbung gemacht wird, moniert der AK-Konsumenteschützer Harald Glatz. „Selbst wenn Nährwertangaben gemacht werden, fehlen oft Informationen über gesättigte Fette, Zucker und Salz, also die Problemnährstoffe heutzutage, die es zu verringern gilt", so Glatz.

'Ernährungsampel' soll Klarheit bringen

Die AK hat deshalb eine „Ernährungsampel“ entwickelt, die in Farbe über Fett, gesättigte Fette, Zucker und Salz informiert. Rot heißt viel, gelb moderat, grün wenig. Und eine Kalorieninfo gibt es auch noch. Umrechnen entfällt, da die Zahlen die Mengen je Portion sind, und nicht je 100 Gramm, wie derzeit üblich.

Die Ampel soll auf der Vorderseite des Produkts sein. „Durch die Farben und wenigen Zahlen könnten Konsumenten das Produkt rasch selbst einschätzen und haben einen verlässlichen Wegweiser im Angebotsdschungel“, so der Konsumentenschutz.

Vorbild England

Die Kriterien für die Farben rot (viel), gelb (moderat) und grün (wenig) werden von der britischen Lebensmittelbehörde (Food Standards Agency – FSA) für ihr "Traffic Light Labelling" angewendet. Die "Lichter" der FSA-Ampel sind Fett, gesättigte Fette, Zucker und Salz, weil diese Nährstoffe in einer gesundheitsförderlichen Ernährung zur Prävention wichtig sind. Das hat die AK übernommen.

Neu: Portionsbezogene Angaben

Wenn heute Nährwerte auf den Verpackungen angegeben werden, so geschieht das gemäß der Nährwertkennzeichnungsverordnung in Gramm pro 100 Gramm des Produkts. Darin sieht Glatz ein Problem: „Man isst aber meist nicht 100 Gramm, sondern eine Pizza, einen Snack oder eine Dose Gulasch“, sagt Glatz. „Konsumenten müssten umrechnen, die Zahlen in der Ampel sollen daher angeben, was man tatsächlich isst oder trinkt, also auf der Flasche Ketchup steht dann, wie viel Zucker mit 30 Gramm gegessen werden oder auf einer Fertigpizza, wie viel Fett die ganze Pizza hat.“

Portionsbezogene Angaben erleichtern eine gesündere Wahl. So bekommen zum Beispiel wohl viele Fruchtjoghurts "gelb" bei Zucker. Allerdings kann die Zuckermenge je Portion stark variieren, je nachdem welche Größe der Becher hat.

Ergänzung zur Nährwertkennzeichnung

Die AK schlägt vor, die „Ernährungsampel“ auf der Schauseite der Produkte anzubringen. Sie ist kein Ersatz, sondern eine Ergänzung zu einer ausführlichen großen Nährwertkennzeichnung an anderer Stelle. Auch die englische Lebensmittelbehörde empfiehlt das so.

Die AK-Ernährungsampel informiert über Fett, gesättigte Fette, Zucker, Salz und "Problemnährstoffe", hat somit fünf Lichter, vier davon sind dreifärbig (rot, gelb, grün).

Die AK wird nun den Handel und das Gesundheitsministerium über die Vorschläge informieren und das Ampelmodell in Zukunft bei ihren Lebensmitteltests anwenden.


Mag. Christian Boukal
Juli 2007

Foto: Bilderbox

Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2020