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Ernährung für ein langes Leben

Ernährung für ein langes LebenIm 19. Jahrhundert galten 40Jährige als alte Menschen, seitdem hat sich die Lebenserwartung rapide gesteigert. Wie alt ein Mensch maximal werden kann, und ob es ein absolutes Limit überhaupt gibt, ist Gegenstand kontroverser Diskussionen und kann nicht abschließend beantwortet werden.

Geklärt dagegen ist, dass die Dauer eines Lebens genetisch bedingt und durch den Lebensstil beeinflusst wird. Ernährung, Bewegung, Stress und Rauchen nehmen einen wichtigen Einfluss auf den Alterungsprozess und damit auf die Dauer des Lebens. „Altern war und ist zwar unvermeidlich, aber unser Lebensstil trägt viel dazu bei, wie rasch wir dies tun und wie lange wir leben“, sagt Ernährungswissenschafterin und Buchautorin Dr. Eva Derndorfer.

Ernährung hat Einfluss auf Länge des Lebens

Ernährung spielt dabei eine wesentliche Rolle. Jedes fünfte Kind und über 40 Prozent der Erwachsenen hierzulande sind übergewichtig oder fettleibig. Dass daraus zahlreiche Krankheiten resultieren, die wiederum die Lebenserwartung dämpfen, ist längst bekannt.

Wer Kilos verlieren und damit gesund und lange leben möchte, dem rät die Ernährungswissenschafterin zu einer ausgewogenen Mischkost, die reich an Obst und Gemüse ist. Dies sei die beste Ernährungsform. Nicht nur um Kilos zu verlieren, sondern auch um jung, schön und vital zu bleiben.

Gemüse in allen Farben

Gemüse sei dabei unverzichtbar. „Sieht man sich etwa die mediterrane und die asiatische Kost an, denen ja nachgesagt wird, ein Jungbrunnen zu sein, dann fällt auf, dass bei beiden Fisch und vor allem Gemüse ein wesentlicher Bestandteil der Ernährung ist“, sagt Derndorfer. Einzelne Gemüsearten möchte sie nicht hervorheben. Auch hier fördert Vielfalt die Gesundheit. Diese Vielfalt ist an den Farben zu erkennen. „Man sollte Gemüse aller Farben essen. Dadurch bekommt man viele wichtige Inhaltsstoffe – Nährstoffe und sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe“, rät Derndorfer. Dazu reicht saisonales Gemüse aus der Region. „Man benötigt keine exotischen Zutaten, um sich gesund zu ernähren.“

Vielfalt statt Einheitsbrei

Gesunde Ernährung bedeutet ausgewogene Ernährung: Nicht auf einige wenige gesunde Lebensmittel beschränken, sondern viele verschiedene Lebensmittel essen, so die Expertin. „Es gibt keine verbotenen Lebensmittel. Man darf sich ab und zu auch Sachen gönnen, die nicht unbedingt gesund sind, freilich in Maßen. Die Dosis macht das Gift“, hält Derndorfer fest. Auch der Genuss beim Essen solle nicht zu kurz kommen, sonst mache man sich unglücklich. „Ziel einer optimalen Ernährung ist es, dass sie gesund ist und zugleich schmeckt.“

Weniger Fett und Zucker

Herr und Frau Österreicher essen nach wie vor zu fett. Zuviel Wurst und Fleisch, zuviel Süßigkeiten, zuwenig Vollkorn und Gemüse. Derndorfer rät, Fisch ein bis zweimal die Woche zu essen - als „Brainfood“ (Nahrung für das Gehirn). Auch bei Ölen sollte man verschiedene Sorten verwenden. Nicht fehlen sollten etwa Rapsöl und Olivenöl. Genauso wenig wie der Krug Wasser und ein bunter Obstkorb am Tisch. „Was in Reichweite steht, wird eher genossen“, so die Expertin.

Jung bleiben ohne Abendessen?

„Dinner-Cancelling, also das Weglassen des Abendessens, ist trotz diesbezüglicher Gerüchte keine geeignete Methode zur Gewichtsreduktion. Denn ob man Gewicht verliert oder nicht, ist primär eine Frage der Energiebilanz. Alterungsprozesse scheinen laut Studien jedoch vermindert zu werden, wenn mindestens vierzehn Stunden vor dem morgendlichen Aufstehen keine feste Nahrung zu sich genommen wird. Das schenkt dem Körper Zeit zur Regeneration“, sagt Derndorfer. Sie schränkt jedoch ein: „Um die erwünschten Effekte zu erzielen, reicht es, zweimal pro Woche auf das späte Abendessen zu verzichten.“

Absage an Diäten

Wichtig ist es, den Energiehaushalt im Lot zu halten. Also nicht mehr Kalorien zu essen, als man im Laufe des Tages auch wieder verbraucht. Den Wunsch, lange gesund, schlank und vital zu sein, versuchen sich viele Menschen mittels Diäten zu erfüllen. Einseitigen Ernährungsformen und Diäten, die darauf abzielen, in kurzer Zeit viel zu bewirken, erteilt Derndorfer eine generelle Absage. Einzig eine langfristige Ernährungsumstellung bringe den gewünschten Erfolg.

Natur statt Pillen

Nahrungsmittelergänzungen in Form von Pillen und Pulvern hält die Expertin für keine sinnvolle Anti-Ageing-Strategie. Schönheit in Pillenform sei meist nicht mehr als ein verlockendes, aber nicht haltbares Werbeversprechen. Nahrungsergänzungsmittel könnten keinen Ersatz für eine abwechslungsreiche Ernährung liefern. „Ein Problem bei den Pillen ist vor allem ihre Alibi-Funktion. Manche schlucken viele dieser Pillen und glauben dann, dass sie bei der Ernährung nicht mehr aufpassen müssen“, sagt Derndorfer. Zudem bereitet eine Pille keinerlei Genuss.

Dr. Thomas Hartl
Oktober 2009


Foto: Bilderbox

Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2020