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Hühner-Nuggets im Test

Hühner Nuggets im TestBei Kindern beliebt, in der Zubereitung einfach und schnell: Hühner Nuggets sind in aller Munde. Grund genug für den Verein für Konsumenteninformation (VKI) die Produkte unter die Lupe zu nehmen. Acht Produkte wurden untersucht, der Rohstoff der Goldstücke ist meist weit gereist, so der VKI.

Bekannt von Fast-Food-Ketten, gehören Hühner Nuggets auch bei Diskontern, Supermarktketten und sogar Bioläden zur Grundausstattung der Tiefkühltruhen. Praktisch in Zubereitung und im Verzehr eignen sie sich für die schnelle Küche.

Kleine bis winzige Fleischteilchen

Der VKI wollte nun wissen, was in der Panade steckt und hat acht Produkte aus verschiedenen Produktionslinien genau unter die Lupe genommen. Und ja: es ist Fleisch, was häufig als stilisierte flache kleine Hühnerkeule daherkommt, so der VKI. Allerdings von unterschiedlicher Qualität: „Der Blick auf die Sachbezeichnung – auf der Rückseite der Verpackung angebracht – gibt meist bereits eine erste Orientierung. Bezeichnungen wie ‚aus zartem Hähnchenfleisch zusammengefügt’ oder ‚Hühnerfiletstücke geformt’ weisen darauf hin, dass kleine bis winzige Fleischteilchen mit verschiedenen Verfahren zu einem Nugget zusammengesetzt wurden.“

Formfleisch

Um Formfleisch handelt es sich laut österreichischem Lebensmittelbuch, wenn maximal haselnussgroße Fleischstücke mit Kochsalz vermischt, mechanisch bearbeitet (gemengt, getumbelt) und anschließend unter Druck in Form gepresst werden, stellt der VKI fest. Die Fachleute des Vereins beurteilten die acht Proben sowohl in rohem als auch in gekochtem Zustand. Jedes Nugget wurde aufgeschnitten und das Schnittbild beschrieben. Bei vier Proben fanden die Experten Hühnerfleischteile in unterschiedlichen Größen, aber kein Formfleisch. Bei den restlichen steckten dagegen Fleischteile von maximal 5 mm.
Um es noch etwas genauer auszuführen: Wer bei diesen Nuggets zugreift, verspeist, wie es in der Sprache der Gutachter heißt, „reichlich brätartig schaumige, stärkehaltige Masse mit Muskelfasern, gewachsene Skelettmuskulatur, Bindegewebe, Gewürzteile“ und manchmal auch „Geflügelhaut“, so der VKI.

Separatorenfleisch

Bei einer Probe fanden die Tester einen erstaunlich hohen Gehalt an Calcium. „Der ermittelte Calciumgehalt weist auf die Verarbeitung von Separatorenfleisch hin“, heißt es dazu im Gutachten. Unter Separatorenfleisch (auch Knochenputz genannt) versteht man maschinell vom Knochen gelöstes Fleisch. Dafür werden Fleischknochen entweder durch einen löchrigen Zylinder gedrückt oder das Fleisch wird durch Hochdruckwalzen, Bürstenköpfe oder mittels Hochdruckwasserstrahl vom Knochen getrennt.

Fleisch mit Hülle

Zufrieden zeigten sich die Tester mit den Mengenangaben auf den Packungen, Sowohl die Anteile an Fleisch als auch Panade waren korrekt angegeben. Auch wenn sich deren Verhältnis zwischen den Produkten unterschied. „Alle Nuggets wurden gewogen und die Abweichung bestimmt. Hier gab es nichts zu beanstanden. Das Gewicht passte, der Inhalt jeder Packung entsprach dem jeweils ausgewiesenen Nettogewicht“, hält der VKI fest.

Fett im Nugget

In erstaunlich unterschiedlichen Mengen enthalten die Nuggets Fett, nämlich zwischen fünf und 18 Prozent je nach Produkt. Als magerste erwiesen sich die Nuggets eines bekannten Diskonters, als fetteste jene der Sparschiene einer großen Supermarktkette.

Wo war das Huhn als Ei?

Über die Herkunft der Hühner verrieten die Verpackungen nichts. Also wandte sich der VKI direkt an die Hersteller, die auch alle antworteten. Die benötigten Mengen Fleisch für die Hühner Nuggets lassen sich im Inland nicht zu einem wettbewerbsfähigen Preis auftreiben, so die Auskunft der heimischen Verarbeiter. Also muss aus dem Ausland importiert werden, etwa aus Deutschland, Slowenien und Frankreich. Aber auch aus Brasilien und Südamerika werden die Hühner bezogen. Die Herstellung erfolgt dann überwiegend in Deutschland oder in Großbritannien.

Geschmack: Von gut bis grauenhaft

Der Verein ließ alle Produkte von Testern erst zubereiten und anschließend verkosten. Mit der eigentlichen Zubereitung hatte kaum jemand Mühe. Beim Geschmack schieden sich allerdings die Geister: Während die einen das Produkt liebten, hassten es die anderen von Herzen. „Schmeckt säuerlich und ist wässrig, die Panier ist dick und geschmacklos“, trugen die einen erbost ins Testprotokoll ein, während die anderen begeistert vermerkten: „Fleisch schmeckt sehr gut, so sollten Nuggets sein!“ Beschrieben wurde so ein und dasselbe Produkt, berichtet der VKI. Auch Gold ist also Geschmacksache.

Hühner Nuggets: Zusammenfassung

  • Gereist: Für Hühner Nuggets wird Federvieh aus der ganzen Welt eingekauft. Lediglich die Fertigung, und auch das nur bei den zwei Produkten, erfolgt in Österreich.
  • Geformt: Die Hälfte der getesteten Produkte bestand aus Formfleisch, darunter auch der Testsieger.
  • Gegessen: Bei den Geschmacksurteilen lagen die Tester weit auseinander. Die einen waren begeistert, die anderen entsetzt. Hier hilft nur: selber ausprobieren.


„Wer statt eines weit gereisten Huhns Nuggets aus einem österreichischen Mastbetrieb möchte, kann sie sich nur selber machen“, lautet die Bilanz des VKI.

Der gesamte Bericht ist auf der der Homepage des „Konsument“ nachzulesen.

Mag. Christian Boukal

September 2011


Foto: Bilderbox

Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2020