DRUCKEN

Pilze sammeln: Glückspilze

Frau beim Schwammerl suchenPilze sammeln ist ein einzigartiges Erlebnis - wenn Regeln beherzt werden. Wer sich auf den Weg macht, um im Spätsommer und Herbst seine Körbe mit schmackhaften Pilzen zu füllen, sollte einige Regeln beachten, um seine Gesundheit und die Umwelt zu schützen.

Pilze haben schon seit jeher die Phantasie der Menschen angeregt. In der Steinzeit wurden sie zum Entfachen und zum Transport von Feuer (Echter Zunderschwamm) oder als blutstillendes Mittel verwendet. Seit damals ist auch die halluzinogene oder berauschende Wirkung mancher Arten bekannt (Roter Fliegenpilz). Während der Feudalzeit mussten Bauern Steinpilze sammeln und als eine Art Steuerschuld an Dienstherren, Adelige und Fürsten abliefern. Heute ist Pilze suchen, finden und bestimmen für viele Erwachsene und Kinder ein Erlebnis, durch das auch das Verständnis für ökologische Zusammenhänge in der Natur gefördert wird.
Pilze erfüllen im Haushalt der Natur eine wichtige Rolle als unverzichtbare Zersetzer. Sie beteiligen sich maßgeblich am Ab- und Umbau toter und lebender Organismen. Wälder müssten ohne das für uns unsichtbare Heer pilzlicher Zersetzer an ihrer eigenen Biomasse ersticken.

Getrübtes Sammlerglück

Wer am Ende seiner Wanderung durch Wälder und Wiesen mit einem Körbchen voller schmackhafter Pilze nach Hause kommt, ist ein echter Glückspilz. Dieses Glück kann allerdings rasch getrübt werden. Denn einige Pilze enthalten Gifte, die den menschlichen Organismus nachhaltig stören oder sogar zum Tod führen können.
Mehr als 3.000 Pilzarten gibt es in Mitteleuropa, etwa 150 Arten sind mehr oder weniger giftig, einige lebensgefährlich. Das Gift des Knollenblätterpilzes ist für etwa 90 Prozent der tödlichen Pilzvergiftungen verantwortlich. Unerfahrene Schwammerlsucher können den Knollenblätterpilz leicht mit Champignon-Arten verwechseln. Je nach Menge des aufgenommenen Giftes stellt sich nach acht bis 24 Stunden heftiger Brech-Durchfall ein. Unbehandelt tritt der Tod am fünften Tag ein. "Um Pilzvergiftungen zu verhindern, sollten Sammler nur jene Pilze pflücken, die sie wirklich kennen", warnt Günter Frühwirth von der Pilzberatung des Marktamtes Wien vor "Sammlerwut, die ins Auge gehen kann". Sollte es nach einem Pilzgericht zu Durchfall oder Erbrechen kommen, sofort einen Arzt aufsuchen! Pilze können aber nicht nur giftig sein, sondern auch verstrahlt. In manchen Teilen Österreichs sind die schädlichen Cäsium-Werte nach Tschernobyl noch immer relativ hoch. "Allerdings", so Frühwirth, "sind die Grenzwerte, mit denen Pilze belastet sein dürfen, grundsätzlich so niedrig angesetzt, dass niemand Schaden leidet, der einmal pro Woche ein Pilzgericht verzehrt."

Mengen sorgfältig wählen

Pilzsammler sollten darauf achten, dass sie beim Suchen und Pflücken keine Umweltschäden anrichten. Wer Pilze, die er nicht pflückt, umtritt oder die Bodendecke aufwühlt, um auch noch die kleinsten Pilzchen herauszuholen, zerstört Nahrung für Waldbewohner und das Pilzwachstum im Boden nachhaltig.
Am schonendsten für das empfindliche Pilzgeflecht im Boden, das Myzel, ist es, Pilze vorsichtig herauszudrehen oder am unteren Ende des Stiels abzuschneiden. Wer mit offenen Augen und Ohren durch die Wälder streift, Respekt vor Tieren und Pflanzen zeigt, der kann beim Pilzesammeln uneingeschränkt die große Kraft der Natur erleben, Energie tanken und Ruhe und Ausgleich finden.

Tipps zum Sammeln

  • Sammeln Sie nur Pilze, die Sie genau kennen
  • Sammeln Sie nur gesunde Pilze. Alte, schimmelige Pilze stehen lassen, sie sind für den Bestand des Waldes von Bedeutung und werden von Schnecken, Maden und Wild gefressen.
  • Haben Sie einen Pilz sicher erkannt, sollten Sie gleich an Ort und Stelle allen Schmutz und unbrauchbare Teile entfernen.
  • Sammeln Sie Pilze nur in solchen Mengen, die Sie bald nach dem Pflücken verzehren können. Pilze eigenen sich nicht für längere Frischlagerung. Zum Trocknen legen Sie die blättrig geschnittenen Pilze auf Küchenpapier auf oder hängen die auf einen Zwirn gefädelten Scheiben auf.
  • Transportieren Sie Pilze am besten in einem Korb. Kunststoffbehälter eignen sich nicht, weil in ihnen die Pilze dunsten und zu schimmeln beginnen.
  • Verzehren Sie keine rohen Pilze. Nur wenige Arten sind roh für den Menschen verträglich.
  • Essen Sie nicht zu viele Pilze auf einmal. Größere Mengen können den Magen zu sehr belasten, weil sie schwer verdaulich sind.
  • Vorsicht mit Alkohol. In Verbindung mit alkoholischen Getränken können manche Pilzarten Gesundheitsstörungen hervorrufen, zum Beispiel der Faltentintling.


Mag. Kornelia Wernitznig
September 2009


Foto: Begsteiger, privat


Kommentar

Kommentarbild_Glueckspilze_FG_04_4.jpg"Pilze suchen ist ein Vergnügen, zumindest wenn man weiß, welche sicher nicht giftig sind. Leider kommt es aber jedes Jahr zu Pilzvergiftungen, die manchmal auch tödlich enden. Essbare und giftige Pilze sehen einander oft täuschend ähnlich. Das Erkennen der Pilze schon in der Natur ist daher besonders wichtig. Bei der geringsten Unsicherheit sollte man den Pilz im Wald stehen lassen."
Günter Frühwirth
Leiter der Pilzberatung des Marktamtes Wien


Zuletzt aktualisiert am 13. November 2020