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Pro- und Präbiotika

probiotika - Milchregal im SupermarktProbiotische und präbiotische Lebensmittel zählen zu einer neuen Generation von Lebensmitteln, bei denen die Werbung besondere gesundheitsfördernde Eigenschaften hervorhebt. Dazu werden Nahrungsmitteln (vor allem Sauermilcherzeugnisse wie Joghurts) lebende Mikroorganismen zugesetzt.

Probiotika, Präbiotika und Synbiotika

Probiotika sind lebende mikrobielle Lebensmittelzutaten, welche die Gesundheit des positiv  beeinflussen, indem sie das Gleichgewicht der Mikroorganismen im Darm verbessern. Das heißt, sie können unerwünschte krankheitserregende Keime verdrängen und dadurch gesundheitsfördernd wirken.

In der Regel handelt es sich bei den Probiotika um Milchsäurebakterien verschiedener Stämme, z.B. Lactobazillen (L. casei, L reuteri, L. acidophilus,…) oder Bifidobaktereien (B. brefe, B. bifidum, B. infantis,…).

Präbiotika sind in Abgrenzung dazu unverdauliche Nahrungsinhaltsstoffe, die spezifisch Aktivität und/oder Wachstum einer oder mehrerer körpereigener Bakterienstämme im Dickdarm stimulieren. Daraus resultieren positive Effekte auf den Organismus resultieren. Zu den Präbiotika gehören Ballaststoffe, wie sie auch in natürlichen Nahrungsmitteln vorkommen, zum Beispiel Inulin oder Oligofructose. Diese gelangen unverdaut in tiefere Darmabschnitte und erhöhen dort signifikant die Anzahl der gesundheitsfördernden Bifidobakterien im Dickdarm.

Werden Pro- und Präbiotika kombiniert, unterstützen sie sich gegenseitig in ihrer Wirkung und werden als Synbiotika bezeichnet.

Anforderungen an probiotische Bakterienkulturen

Probiotische Bakterien müssen vier Auswahlkriterien erfüllen, um in Lebensmitteln eingesetzt werden zu dürfen.

  1. Gesundheitliche Unbedenklichkeit
  2. Gute Überlebensfähigkeit während der Magen-Darm-Passage
    Um wirksam zu sein, müssen die Bakterien ihren Wirkungsort, den Dünn- beziehungsweise Dickdarm lebend erreichen. Voraussetzung dafür ist eine hinreichende Resistenz gegenüber Magen- und Gallensäuren sowie Verdauungsenzymen. Zehn bis 40 Prozent der Ausgangskeimzahl müssen die Magen-Darm Passage überleben, damit man die Bakterien als probiotisch deklarieren darf.
  3. Nachweis eines gesundheitlichen Nutzens
    Es ist bekannt, dass verschiedene Faktoren, wie zum Beispiel Ernährung, bestimmte Medikamente oder psychischer Stress zu einer Fehlbesiedelung des Darmes mit einhergehenden Beschwerden führen können. Zudem können ausgewählte Milchsäurebakterien einen Beitrag zur Regeneration einer geschädigten Darmflora leisten können. Es liegen jedoch keinerlei Kenntnisse darüber vor, ob eine extern zugeführte Keimgruppe die optimal angepasste Darmflora eines gesunden Menschen noch verbessern kann.
  4. Technologische Eignung
    Die Bakterien müssen für die Herstellung der Produkte geeignet sein. Kriterium ist sicherlich eine gute Überlebensfähigkeit im Trägerlebensmittel bis zum Ende des Mindesthaltbarkeitsdatums.

Sind sie wirklich wirksam?

Versprochen wird viel – eine gesündere Darmflora, Verringerung oder Verkürzung von Durchfallerkrankungen, bessere Milchzuckerverdauung bei Menschen mit Laktoseintoleranz, stärkeres Immunsystem usw. Doch nur die wenigsten versprochenen Effekte gelten als zweifelsfrei wissenschaftlich gesichert – es besteht noch großer Forschungsbedarf.

Eine Schwierigkeit hierbei liegt darin, dass die gesundheitsfördernden Eigenschaften von Probiotika jeweils stammspezifisch sind. Das heißt: Ist der gesundheitsfördernde Effekt bei einer Erkrankung für den Bakterienstamm XY nachgewiesen, bedeutet das nicht automatisch, dass alle probiotischen Bakterienstämme über diese Wirkung verfügen.

Voraussetzung für die mögliche Wirksamkeit von Probiotika sind eine ausreichend hohe Keimzahl im Lebensmittel und der tägliche Verzehr des Produktes, zumindest über einige Tage. Grund dafür ist, dass eine dauerhafte Besiedelung des Verdauungstraktes mit probiotischen Keimen nicht stattfindet und nach Unterbrechung der Zufuhr die Anzahl kontinuierlich wieder abnimmt.

Mögliche positive Wirkungen

  1. Wirkung gegen Durchfall
    Probiotische Milchsäurebakterien können Durchfälle, die von bestimmten Bakterien oder Viren (z.B. Rotavieren) bzw. durch Antibiotika- oder Strahlentherapie verursacht werden, verkürzen oder sogar verhindern.
  2. Bessere Milchzuckerverwertung bei Laktoseintoleranz
    Probiotische Milchprodukte werden bei Laktoseintoleranz oft besser vertragen, da durch die probiotischen Bakterien der Milchzuckerabbau verstärkt wird. Zu bedenken ist allerdings, dass auch traditionelle Milchsäurebakterien ähnlich positiv im Darm wirken. Doch überleben viele von diesen die Magenpassage nicht und kommen daher in geringer Menge im Darm an.
  3. Reduzierung krebsfördernder Enzyme im Dickdarm
    Die Anzahl der krankheitserregenden Bakterien kann durch Einsatz von Pro- und Präbiotika gering gehalten werden. Präbiotika können als Ballaststoffe über die Nahrung aufgenommene krebserregende Stoffe binden. Dies lässt vermuten, dass der regelmäßige Konsum von Pro- und Präbiotika Dickdarmkrebs vorbeugen kann, eine sichere Beurteilung ist jedoch nicht möglich.
  4. Stimulation des Immunsystems
    Probiotika und Präbiotika können das Immunsystem positiv anregen. Wird das Immunsystem aktiviert, werden bestimmte Abwehrfaktoren gebildet, die Fremdstoffe bekämpfen. Durch die Einnahme von Probiotika wird die Aktivität der Körperzellen erhöht, die diese Abwehrstoffe bilden. Der Körper ist gestärkt und kann sich gegen Keime schützen. Ob ein regelmäßiger Verzehr von Probiotika generell Infektionskrankheiten verhindert, lässt sich mit dem heutigen Wissensstand noch nicht sagen.
  5. Geregelte Verdauung
    Die zu den Präbiotika zählenden, unverdaulichen Ballaststoffe sind nicht nur Substrat für probiotische Bakterienstämme. Sie fördern die Darmtätigkeit, indem sie die Passagezeit des Nahrungsbreis im Darm verkürzen und das Stuhlgewicht erhöhen. Dadurch wird Verdauungsproblemen (wie Verstopfung) vorgebeugt.

Wo sind sie enthalten?


Probiotika

Milchprodukte (v.a. Joghurts und Topfenaufstriche), Fruchtgetränke, Müsli, Wurstsorten

Präbiotika

Häufig kombiniert mit Probiotika in Milchprodukten, Backmischungen für Brot, Müsliriegel, Kekse, Süßwaren, Säfte

Zu beachten

  • Der Zuckergehalt der pro- und präbiotischen Lebensmittel ist häufig sehr hoch.
  • Selbst durch gesundheitsförderliche (meist teure) Produkte, lassen sich Ernährungsfehler und ein ungesunder Lebenswandel nicht wettmachen. Ein Wundermittel für Fitness und Gesundheit sind Pro- beziehungsweise Präbiotika sicher nicht.

Dipl. Diätologin Agnes Ablinger
Mai 2007

Foto: Bilderbox

Zuletzt aktualisiert am 13. November 2020