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Jo-Jo-Effekt vorprogrammiert: Metabolic Balance

Jo-Jo-Effekt vorprogrammiert – Metabolic BalanceMetabolic Balance® verspricht eine individuelle Diätberatung. Die „persönlichen“ Ernährungsempfehlungen resultieren aus einer Computerauswertung, basierend auf den Ergebnissen einer Blutuntersuchung, die einer erweiterten Gesundenuntersuchung entsprechen, stellt Diätologin Gabriele Harringer vom Linzerheim der OÖGKK fest. Und das um einen satten Preis.

Die Empfehlungen der Metabolic Balance GmbH gehen in Richtung eiweißreicher und sehr kohlenhydratarmer Kost, um den Insulinspiegel möglichst niedrig zu halten. „Diese Kombination ist zwar ideal zum Abnehmen, es kommt dabei zu sehr hohen Wasserverlusten und dadurch zu einem schnellen Gewichtsverlust. Das ist zwar sehr effektiv auf dem Glücksbringer ‚Waage’, jedoch geht diese Ernährungsweise, wie wir auch aus unseren Körperfettmessungen wissen, zu Lasten der Muskelmasse und nicht der Fettmasse. Gewichtszunahme im Sinne eines Jo-Jo Effektes im Anschluss an die Diät ist vorprogrammiert“, so Harringer.


Essenspausen

Auch die „verpflichtenden“ Essenpausen von fünf Stunden zwischen den Mahlzeiten, beschleunigen die Gewichtsabnahme. Bei Vielen führen die nicht registrierten „Häppchen“ zwischen den Mahlzeiten zu Übergewicht, so Harringer. Langfristig wird auch von Metabolic Balance eine Ernährungsumstellung auf die übliche Nährstoffverteilung von 50-55 % Kohlenhydrate, 30-35 % Fett und 15.20 % Eiweiß empfohlen. „Es stellt sich nun die Frage: warum nicht gleich? Ernährungsanamnese nach unserem Muster mit der daraus resultierenden fachlichen Beratung und Betreuung ist unspektakulärer, jedoch wesentlich sinnvoller“, empfiehlt die Spezialistin.

Ernährungswissenschaftler rät ab

Zu ähnlichen Ergebnissen kommt auch Prof. Dr. Kurt Widhalm von der Abteilung für Ernährungsmedizin an der Univ.-Klinik für Kinder- und Jugendheilkunde im AKH Wien. „Das Prinzip besteht mehr oder minder ausschließlich darin, den Insulinspiegel niedrig zu halten, indem einfache Kohlenhydrate vermieden und eine eiweißreichere Kost angestrebt wird. Die niedrige glykämische Last soll nach Dr. Funfack vor der ‚Insulin- oder Stoffwechselfalle’ schützen und dadurch soll ein gesunder Stoffwechsel erzielt werden. Für das Konzept gibt es weder wissenschaftliche Studien noch Berichte die repräsentativ sind“, hält Widhalm fest.

Vier-Phasen-Programm

Der Begründern der Metabolic-Balance-Methode hat das Konzept in vier Phasen eingeteilt: Vorbereitungsphase, strenge Umstellungsphase. Gelockerte Umstellungsphase und Erhaltungsphase. „Laut Autoren wird nach einem Beratungsgespräch, zur Ermittlung der Anamnese, Blut abgenommen. Basierend auf den Blutwerten wird laut Konzept eine ‚individuelle Lebensmittel-Liste’ mit Hilfe des Metabolic-Balance-Computerprogrammes erstellt. Die Phase soll zwei Tage andauern, in der sich der Körper angeblich auf die Ernährungsumstellung vorbereitet“, so Widhalm. Dabei müsse die Blutuntersuchung in den meisten Fällen privat bezahlt werden und sei in der Beratung nicht inkludiert.

„Abgesehen davon, wird der Ernährungsplan durch den Metabolic-Computer erstellt, und Vorlieben, Abneigungen oder Unverträglichkeiten für bestimmte Lebensmittel werden nicht beachtet oder berücksichtigt. Wie es zu einer Erstellung eines Planes unter Berücksichtigung der individuellen Ernährungssituation kommen kann, wenn man den Klienten nicht persönlich kennt, ist völlig unklar“, so Widhalm weiter.

Drei Mahlzeiten pro Tag

In der strengen Umstellungsphase besteht eine Beschränkung der Nahrungsaufnahme auf drei Mahlzeiten pro Tag. Dazwischen sollen jeweils pausen von fünf Stunden eingehalten werden. Dazu Widhalm: „Einerseits wird im Stoffwechselprogramm beworben, dass, ohne zu fasten oder zu hungern, ‚das Gewicht reguliert wird’, wobei die strenge Umstellungsphase des Konzeptes einen anderen Eindruck hinterlässt.“ Die Frage, ob drei Mahlzeiten ausreichen, um eine Balance im menschlichen Metabolismus zu finden, ist laut Widhalm aus ernährungsmedizinischer Sicht fraglich, weil empfohlen wird fünf Mal täglich Obst und Gemüse zu sich zu nehmen. „Denn dadurch kommt es zur Optimierung der Leistungskurven im Tagesverlauf und die gesundheitsfördernde Wirkung von sekundären Pflanzenstoffen wird mit eingeschlossen. Aber auch weit verbreitete Essgewohnheiten wie eine ‚Kaffeepause’ sollten nicht unterbunden werden.“

Gelockerte Umstellungsphase

In dieser dritten Phase ist es erlaubt, vorsichtig Lebensmittel zu sich zu nehmen, die vorher verboten waren. Wurden Kohlenhydrate im gewohnten Speiseplan limitiert, kann es zu Beginn jeder Diät zu einer initialen Gewichtsreduktion kommen, „aber ob sich eine längerfristige Gewichtsstabilisierung einstellt, ist sehr fraglich. Der Übergang von Phase 2 zu Phase 3 führt früher oder später sicherlich zum Jo-jo-Effekt“, gibt Widhalm zu bedenken.

Kritische Bewertung

„Metabolic Balance enthält kein wissenschaftlich abgesichertes Konzept und baut auf Grundlagen auf, die den ernährungsmedizinischen Empfehlungen weitgehend widersprechen. Die Zielsetzungen sind durchaus relevant, aber es gibt keinen einzigen Beweis, die in der Art und Weise zur Ernährungsumstellung erreicht werden. Solange keine ausreichende Evidenz für das 4-Phasen-Programm der Metabolic Balance vorliegt, kann diese Kostform nicht empfohlen werden“, so der Ernährungsmediziner Widhalm.

Der gesamte wissenschaftliche Bewertung der Methode durch Prof. Dr. Kurt Widhalm kann hier geladen werden.

Mag. Christian Boukal

Mai 2009

Foto: Bilderbox


Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2020