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Früchtetee: Mehr als Tee

Früchtetee: Mehr als TeeRund 50 Millionen Euro schwer ist der Teemarkt in Österreich. Das meiste Geld wird mit Kräuter- und Früchtetees verdient. Schwarztee sowie grüner Tee spielen dagegen eine untergeordnete Rolle, berichtet das Testmagazin „Konsument“ des Vereins für Konsumenteninformation (VKI).

Trotz jeder Menge modischer Tee-Spezialitätenläden kommt in Österreich der Tee aus der Kanne mit dem Beutel. Und ist mit einer gewissen deutschen Marke verbunden, die auch den Doppelkammerbeutel erfunden hat.
Das meiste Teegeschäft wird von Oktober bis Februar gemacht. Dabei entfallen 38 Prozent des Umsatzes auf Früchtetees. Wie viel Früchtetee jeder Österreicher trinkt, ist nicht genau bekannt. Es liegen nur Schätzungen vor, die von 300 Gramm pro Person und Jahr ausgehen. Auch über die Verteilung zwischen aromatisierten und nicht aromatisierten Sorten gibt es keine sicheren Daten.
Grund genug für „Konsument“ 30 Früchtetees zu untersuchen. 21 waren nicht aromatisiert, neun aromatisiert. 14 Produkte stammten aus biologischer Landwirtschaft.

Früchtetee: Teeähnliches Produkt

Früchtetee wird im österreichischen Lebensmittelbuch (Codex) als teeähnliches Erzeugnis definiert, das Pflanzenteile enthält, „die getrocknet, fermentiert oder geröstet zur Zubereitung wässriger Aufgüsse verwendet werden“, so „Konsument“.
Dabei ist die Basis eine Grundmischung aus Hagebutte, Hibiskus und Apfel in unterschiedlichem Verhältnis. Die Hagebutten sorgen für einen fruchtig-sauren Grundton. Der Hibiskus, eine Blüte, sorgt für die rote Farbe und enthält ebenfalls viel Fruchtsäure. Die Apfelbestandteile mit ihrer mild-süßlichen Note runden den Geschmack ab. Beigemischt werden Orangenschalen, häufig auch Brombeerblätter. Dazu kommen oft noch andere getrocknete Früchte und Gewürze.

Zutaten gesucht

Beim Test wurden die Tees genau unter die Lupe genommen: Der Inhalt der Beutel wurde gezählt, gewogen, verglichen und unter dem Mikroskop begutachtet.
Alle untersuchten Tees enthalten Hagebutte und Hibiskus, fast alle Apfelbestandteile. Aber nicht alle Erzeuger füllen jene getrockneten Früchte in ihre Teebeutel, die sie auch auf der Verpackung versprechen. Viele halten sich nur teilweise, manche überhaupt nicht an die Zutatenliste. Einige geben Inhaltstoffe an, die der VKI trotz aller Sorgfalt nicht entdecken konnte. Um nur ein Beispiel zu nennen: Beim Brombeer-Himbeer-Tee einer großen Lebensmittelkette waren sowohl die ausgelobten Brombeeren als auch die Himbeeren unauffindbar.

Trester statt Apfel

Und die Qualität der Hauptinhaltstoffe? Die Qualität der Apfelbestandteile war äußerst variabel. Statt der Äpfel beziehungsweise Apfelstücke fanden die Tester oft nur Apfeltrester, einem Rest aus der Apfelsaftherstellung. Das bezeichnet der VKI als qualitätsmindernde Zutat und lehnt es als Verbrauchertäuschung ab.
Probleme gab es auch bei den Hagebutten beziehungsweise Hagebuttenschalen. Sie sind vergleichsweise teuer und waren in einigen Fällen in geringeren Mengen als in den Zutatenlisten angegeben. Zu finde war auch Hagebuttengranulat. Es enthält neben getrockneten Hagebuttenschalen auch Samen und Haare der Hagebutte, früher einmal im Fasching als Juckpulver beliebt. Auch das hat in einem Früchtetee nichts verloren, so der VKI.

Granulate auf dem Vormarsch

Ohne Granulat kamen gerade einmal vier Produkte aus. Bei den restlichen 26 war von Apfel über Hagebutte bis zu Hibiskus und Orangen- beziehungsweise Zitronenschalen an Granulaten praktisch alles vertreten. Dafür gibt es eine Erklärung: Was als Granulat gepresst wird, kann sich beim Befüllen des Teebeutels nicht verhaken. Nur bei knapp einem Drittel der Proben haben die Erzeuger allerdings sauber gearbeitet. Bei der Mehrzahl der Produkte mussten die Tester allerlei Stängel und Fremdsamen beanstanden.
Nur sechs Produkte wurden als sehr gut oder gut bewertet. Alle sind Bioprodukte, die im Test übrigens wesentlich besser abschnitten als konventionell erzeugte.
Bei 18 von 30 untersuchten Tees reichte es nur für ein mattes „Durchschnittlich“. Darunter auch Produkte großer Marken oder beliebte biologische Erzeugnisse.

Zusammenfassung

  • Apfel versprochen, Trester gefunden. Statt Apfelbestandteile enthalten viele Tees Apfeltrester. Das ist ein Restprodukt aus der Apfelsaftherstellung.
  • Gepresst statt geschnitten. Granulate sind in Früchtetees auf dem Vormarsch. Getrocknete, fein geschnittene Früchte werden zunehmend durch stark zerkleinerte, gepresste Fruchtanteile ersetzt.
  • Unsauber. Bei einigen Tee-Herstellern landen bis zu vier Prozent Verunreinigungen (Stängel und Fremdsamen) im Teebeutel und damit auch in den Teetassen.


Mag. Christian Boukal

Dezember 2010

Foto: Bilderbox

Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2020