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Darmträgheit: Flaute am stillen Örtchen

DarmträgheitDie Darmträgheit betrifft vor allem Frauen. Verstopfung verursacht außer Völlegefühl auch Kopfschmerzen, Leistungsschwäche und Nervosität. Ob dreimal täglich normal ist oder zweimal pro Woche genügt – das liegt ganz im individuellen Empfinden. Wenn der Gang zur Toilette vergebliche Mühe bleibt oder nur durch starkes Pressen ein Ergebnis bringt, sind oft nur Verhaltens- und Ernährungsfehler schuld.

Die richtige Verdauung beginnt schon im Mund. Gutes Kauen hilft den Speichelfermenten beim Verflüssigen der Speisen und Aufspalten der Zucker- und Stärkeanteile. Im Magen wird die Nahrung unter anderem durch Pepsin und Salzsäure weiter zerkleinert. Im Zwölffingerdarm werden mit Gallensaft und den Verdauungssäften der Bauchspeicheldrüse die Fettbausteine der Nahrung zerlegt. Der vielfach gewundene, bis zu sechs Meter lange Dünndarm, der mehrere Liter Verdauungssäfte enthält, filtert die Nährstoffe durch die Darmwände hindurch in den Blutkreislauf und das Lymphsystem. Auch im rund zwei Meter langen Dickdarm werden noch Nährstoffe und Vitamine verarbeitet. Vor allem aber werden hier unverdauliche Nahrungsreste durch Wasserentzug eingedickt beziehungsweise mit Hilfe von nützlichen Darmbakterien weiter zerlegt. Sobald der Darm mit Kot genug gefüllt ist, löst er einen Entleerungsreflex aus.

Hormone als Darmbremse

Der weibliche Hormonhaushalt in der zweiten Zyklushälfte und in der Schwangerschaft wirkt beruhigend auf die Gebärmutter und schaltet damit auch den benachbarten Darm auf Kriechtempo. Vor allem nach mehreren Geburten kann sich eine Bindegewebsschwäche im Beckenboden einstellen – auch das ist eine mögliche Ursache für Verstopfung. Ebenso können seelische Belastungen den Darm verkrampfen. So wie sich Ärger auf Magen und Herz schlägt, ist auch der Darm dafür empfänglich. Frauen scheinen empfindlicher als Männer mit dem Stressorgan Darm zu reagieren. Abmagerungskuren sind ebenfalls häufig ein Hindernis für eine reibungslose Verdauung.

Einmaleins der Fehler

Ballaststoffarme Nahrung bringt dem Dickdarm zu wenig Arbeit und erzieht ihn zur Faulheit. Hastig hinuntergeschlungene, kaum zerkaute Mahlzeiten sind ein schlechter Anfang für einen funktionierenden Verdauungsvorgang. Ungenügende Flüssigkeitszufuhr begünstigt die Stuhlerhärtung und leistet der Verstopfung Vorschub. Stubenhocker und Bewegungsmuffel dürfen sich nicht wundern, wenn sie nicht so oft müssen, wie sie möchten. Wer sich den Stuhldrang häufig verkneift, etwa aus Zeitmangel oder weil man keine fremde Toilette benutzen will, erreicht, dass der normale Reflex zur Stuhlentleerung immer schwächer wird.

Natürliche Treibmittel

Ebenso wie Bewegung halten auch Ballaststoffe in Obst, Gemüse und Vollkornprodukten den Darm auf Trab. 2,5 Liter Flüssigkeit pro Tag in Form von Wasser, Fruchtsäften oder Kräutertee sind wichtig für den Darm und den ganzen Organismus. Ein Glas Mineralwasser oder Fruchtsaft, mit Essig, Zitronensaft oder Milchzucker gemischt und vor dem Frühstück genossen, macht auch die Verdauung munter. Über Nacht eingeweichte Dörrzwetschken, Feigen oder Leinsamen sind gute Rutschhilfen für den Darm. Manche „Verstopfungsopfer“ schwören auf Kefir, Joghurt und Buttermilch, rohes Sauerkraut und Beerenobst. Mediziner empfehlen, immer zur gleichen Tageszeit die Toilette aufzusuchen bzw. selbst bei leisestem Stuhldrang die Entleerung zu probieren. So gewöhnt man den Darm an Regelmäßigkeit. Angenehm unterstützend wirken auch sanfte, kreisförmige Massagen rund um den Bauchnabel und Fußsohlenmassagen – dann geht bald alles wieder wie geschmiert.

Klaus Stecher
April 2013

Foto: Bilderbox, privat

Kommentar

Kommentarbild: Darmträgheit„Verstopfung kann auch ein Alarmsignal für ernste Leiden sein, wie zum Beispiel Darmpolypen, Darmkrebs oder Darmverschluss. Chronische Verstopfung oder plötzliche Veränderungen in den Verdauungsgewohnheiten sollten auf jeden Fall vom Arzt abgeklärt werden, um organische Erkrankungen auszuschließen.”
OA Dr. Friedrich Wewalka
Gastroenterologe am Krankenhaus der Barmherzigen Brüder, Linz

Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2020