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Richtige Kinderernährung

Richtige KinderernährungIn den Mitgliedsländern leiden laut Schätzungen der EU knapp 22 Millionen Kinder an Übergewicht. Jährlich erhöht sich diese Zahl um 400.000. Dazu kommt, dass infolge von unausgewogener Ernährung manche Kinder eine Unterversorgung an Spurenelementen, Nährstoffen und Vitaminen aufweisen. Das kann zu teils massiven Folgeerkrankungen führen.

Diese alarmierende Feststellung hat eine Expertenrunde aus Kinderärzten und Ernährungswissenschaftler auf Initiative der Agrarmarkt Austria (AMA) zum Anlass genommen, aktuelle Ernährungsrichtlinien für Kinder zu erarbeiten. „Die Praxis zeigt mir, dass Eltern einfach nicht genau wissen, wie eine ausgewogene Zusammensetzung der Kinderernährung auszusehen hat. Es herrschen hier Unsicherheiten und teilweise auch Falschinformationen vor. Mit den aktuellen Richtlinien wollen wir einen richtigen und leicht verständlichen Ernährungsfahrplan vorgeben“, erklärt  der Leiter der Expertengruppe Prim. Univ. Prof. Dr. Karl Zwiauer, Leiter der Abteilung für Kinder- und Jugendheilkunde am Landesklinikum St. Pölten.

Auch die AMA unterstreicht die Wichtigkeit des Projekts. Dr. Stephan Mikiniovic, Geschäftsführer der AMA Marketing : „Das Thema Kinder und gesundes Essen nimmt für uns einen hohen Stellenwert ein, denn der Grundstein für falsche Ernährung wird schon in der Kindheit gelegt.“ Die Ergebnisse des Projekts soll Eltern ermöglichen, für ihre Kinder einen ausgewogenen Speiseplan zusammenzustellen.

Flüssigkeitsbedarf

Säuglinge und Kinder haben einen wesentlich höheren Flüssigkeitsbedarf als Jugendliche und Erwachsene: Bis zu vier Monaten einen knappen dreiviertel Liter, bis zu einem Jahr etwa einen Liter, bis vier Jahre 1,3 Liter du bis zu sieben Jahren 1,6 Liter. Übermäßige Aktivität der Kinder, Hitze, Erkrankungen, die mit Erbrechen, Durchfall und/oder Fieber einhergehen sowie intensive körperliche Anstrengung können den Flüssigkeitsbedarf wesentlich erhöhen.

Geeignet sind Trinkwasser, mildes Mineralwasser, ungesüßte Teesorten (außer Grün- und Schwarztees). Mit Wasser verdünnte Frucht- und Gemüsesäfte (2:1 oder weniger, ohne Zucker) haben den Vorteil, dass wertvolle Mineralstoffe und Spurenelemente enthalten sind, so die Experten.

Aufgrund der (möglichen) pharmakologischen Wirkung ist Vorsicht bei Kräutertees geboten.

Gänzlich ungeeignet sind Alkohol und Kaffee. Light-Limonaden, Eistee sowie Früchteeistee, Energy-Drinks, Light-Limonaden, Kefir und Kombucha sind ebenfalls nicht zu empfehlen.

Milch und Milchprodukte

Es wird empfohlen, den Säugling idealerweise bis zum sechsten Monat zu stillen. Nach der Abstillphase wird die Muttermilch durch Säuglingsmilchnahrung ersetzt. Kuhmilch ist erst ab dem ersten Lebensjahr zu empfehlen, Joghurt ab dem Ende des ersten, Käse ab dem zweiten Lebensjahr. Butter und Margarine können nach dem 10. oder 12. Monat gegeben werden, die empfohlene Menge liegt bei maximal 2 Teelöffel pro Tag. Light-Produkte sind nicht nötig.

Keinesfalls sollen Säuglinge selbst zubereitete Kuhmilchmischungen oder alternative Mischungen wie zum Beispiel Reis- oder Mandelmilchmischungen erhalten.

Trans-Fettsäuren

Trans-Fettsäuren entstehen bei der industriellen Härtung von Ölen zur Herstellung von Margarinen, Back- und Streichfetten, aber auch durch das Erhitzen und Braten von Ölen bei hohen Temperaturen.

Viele Fast-Food-Produkte, Snacks, Kekse, frittierte Speisen und fette Brotaufstriche können diese Fettsäuren enthalten. Aus ernährungsphysiologischer Sicht zählen Trans-Fettsäuren zu den unerwünschten Bestandteilen unserer Nahrung, die nachteilige Effekte auf Blutfettwerte und das damit verbundene erhöhte Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben sollen, so die Experten.

Fette und Öle

Als tägliche Gesamtmenge an Fetten und Ölen (inklusive Butter und Nüssen) empfehlen die Fachleute ein bis zwei Esslöffel pro Tag ab dem vierten bis sechsten Lebensjahr.

Für Kinder gut geeignet sind Olivenöl, Rapsöl, Kürbiskernöl und Distelöl als Salatöl. Rapsöl eignet sich besonders gut zum Kochen und Backen. Von Frittiertem wird wegen des hohen Fettgehaltes abgeraten (höchstens ein Mal pro Woche).

Obst

Obst kann ab etwa einem halben Jahr gegeben werden und steigert sich von zuerst 100 (Säuglinge) auf 200 Gramm pro Tag (sechs Jahre). Das entspricht etwa ein bis zwei Stück Obst pro Tag. Diese Menge soll auf fünf Portionen über den Tag verteilt werden. Heimische Obstsorten, wie Äpfel und Birnen eigenen sich am besten.

Gemüse

Gemüse wird als erste „Beikost“ empfohlen, jedoch nicht vor dem fünften Lebensmonat gegeben werden. Die empfohlenen Mengen entsprechen denen des Obstes. Bis auf Hülsenfrüchte eignen sich alle Sorten. Im Kleinkindalter sollte zwischen rohem und gekochtem Gemüse abgewechselt werden.

Getreide

Vollkornprodukte sind für Kinder im ersten Lebensjahr nicht geeignet. Im Kleinkindalter liefern Vollkornprodukte wichtige Ballast- und Mineralstoffe und Vitamine. Beachtet werden muss, dass durch den Konsum von Vollkorn die Menge an benötigter Flüssigkeit steigt. Die Österreichische Gesellschaft für Ernährung empfiehlt Vollkorn- und Weißmehl 1:1 zu mischen. Auf Zucker in Getreidebreis soll verzichtet werden.

Nüsse

Nüsse können Allergien auslösen und sollten daher bis zum Ende des zweiten Lebensjahres nicht gegeben werden. Danach vorerst nur fein gemahlen, weil Nussstückchen in die Luftröhre gelangen könnten.

Eier

Eier sind für Säuglinge nicht unbedingt nötig und sollten bei Allergiegefährdung bis zum ersten Lebensjahr nicht auf dem Speiseplan stehen. Im Kleinkindalter können ein bis zwei Eier pro Woche (Eierteigwaren, Kuchen etc. einrechnen) konsumiert werden.

Ausschlaggebend ist der Gesamtbedarf an Eiweiß aus Milch, Fleisch und Eiern. Weil der Mensch über keine Eiweißreserven verfügt, ist bei Kindern besonders darauf zu achten, dass sie nicht ohne tierische Produkte (vegan) ernährt werden, weil sie einen besonders hohen Bedarf an Eiweiß haben, so die Experten. Tierisches und pflanzliches Eiweiß ergänzen sich dabei gegenseitig. Vor rohen Eiern wird ausdrücklich gewarnt, damit das Kind keinem Salmonellen-Risiko ausgesetzt wird.

Fleisch und Wurst

Fleisch enthält besonders gut verfügbares Eisen und biologisch hochwertiges Eiweiß sowie Vitamin der B-Gruppe. Empfohlen wird Fleisch mehrmals die Woche (zwei bis vier Mal), 30 Gramm pro Tag und frühestens ab dem fünften Monat. Kindern zwischen vier und sechs Jahren können 40 bis 45 Gramm pro Tag gegeben werden. In dieser Menge ist auch der Wurstkonsum enthalten.

Das Fleisch – egal von welchem Tier – sollte auf alle Fälle durchgegart sein. Auf in Fett gebackenes Fleisch ist zu verzichten.

Im Kindergartenalter ist eine vegetarische Ernährung nur unter genauer Beobachtung der Zusammensetzung und bei genauer Kontrolle des Kindes bedarfsdeckend (fehlende Mineralstoffe/Spurenelemente und Vitamine müssen durch andere Lebensmittel ersetzt werden), so die Spezialisten.

Fisch und Meeresfrüchte

Ab dem zweiten Lebensjahr ist Fisch ein wichtiger Jodlieferant. Ein bis zwei Portionen pro Woche werden empfohlen. Heimische Fische sind genauso empfehlenswert wie Salzwasserfische. Sie sollten aber keinesfalls roh verzehrt werden und fettarm zubereitet werden. Meeresfrüchte können Allergieauslöser sein und enthalten viel Cholesterin. Laut verschiedenen Untersuchungen sind gezüchtete Meeresfrüchte (Shrimps, Scampi etc.) hoch mit Antibiotika und Keimen belastet und daher für Kinder ungeeignet.

Sushi und roher Fisch sind für Kinder ebenfalls nicht geeignet.

Zwei Stunden vor dem Bettgehen

Etwa zwei Stunden vor dem Schlafengehen sollten Schulkinder die letzte Mahlzeit bekommen, weil die Nahrung etwa so lange im Magen bleibt. Ansonsten kann es durch die Verdauungsarbeit zur Verminderung der Tiefschlafphase kommen, stellen die Experten fest. Anderes gilt für Säuglinge, weil die Magenpassagezeit kürzer ist und auch die Mahlzeiten eine flüssigere Konsistenz haben.

Zusammenfassung

  • Grundsätzlich sind Kinder in unseren Breiten eher zu dick als zu dünn.
  • Flüssigkeiten sollten möglichst häufig zur Verfügung gestellt werden.
  • Kinder haben ein gesundes Sättigungsgefühl – der Teller muss also nicht leer gegessen werden.
  • Essen sollte wertfrei – also keine Belohnung oder Bestrafung – sein.
  • Schokolade und Süßes ist nur in moderaten Mengen zu genießen.
  • Mehrmals pro Tag essen.
  • Es ist wichtig für ausreichende Bewegung zu sorgen.
  • Ernährungsfehler, die in der Kindheit gemacht werden, wirken bis ins Erwachsenenalter nach.
     

Mag. Christian Boukal
März 2008

Foto: Bilderbox

Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2020