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Junge Vegetarier: Kinder und Jugendliche ohne Fleisch

Junge Vegetarier: Kinder und Jugendliche ohne FleischNicht nur unter Erwachsenen finden sich Anhänger der fleischlosen Kost, auch Jugendliche und selbst Kinder entscheiden sich vegetarisch zu ernähren. Damit dies keine Ernährungsmängel mit sich bringt, sollte durch bewusste Nahrungsmittelauswahl der Bedarf an Eisen, Eiweiß, Jod, Kalzium und Vitamin B12 gedeckt wird.

Bei Kindern geht der Verzicht auf tierische Produkte oft mit einem hohen ethischen Bewusstsein einher (sie treten z.B. gegen Massentierhaltung ein oder möchten nicht, dass Tiere getötet werden) oder die Entscheidung beruht auf Nachahmung, wenn die Eltern selbst Vegetarier sind. Bei Jugendlichen finden sich auch gesundheitlich motivierte Gründe (ein Zuviel an tierischen Fetten kann zu gesundheitlichen Problemen führen) und vor allem Mädchen versprechen sich durch den Fleischverzicht eine schlanke Figur.

Formen des Vegetarismus

Im Mittelpunkt dieser Ernährungsform steht der Verzicht auf Fleisch und daraus hergestellter Produkte. Je nachdem, welche tierischen Lebensmittel noch gegessen werden, unterscheidet man:

  • Ovo-Lakto-Vegetarier: sie essen weder Fleisch noch Wurst. Milch und Milchprodukte, Eier und zum Teil auch Fisch stehen aber durchaus auf ihrem Speiseplan.
  • Lakto-Vegetarier: sie verzichten auf Fleisch, Fisch und Eier. Milch und Milchprodukte sind jedoch erlaubt.
  • Veganer: sie lehnen alle Nahrungsmittel ab, die von Tieren stammen und ernähren sich ausschließlich von pflanzlichen Produkten. Diese „strengen Vegetarier“ verzichten auch auf Lebensmittel wie Honig, Milch und Eier.

Eisenmangel vorbeugen

Der Bedarf an Kalorien und Nährstoffen ist bei Kindern und vor allem Teenagern höher als in anderen Altersgruppen. Wer in dieser Phase des Körperwachstums vegetarisch essen möchte, sollte darauf achten, Mangelerscheinungen zu vermeiden.
Fleisch ist der wichtigste Eisenlieferant. Der Körper kann das Spurenelement aus tierischen Lebensmitteln zudem leichter nutzen als aus Pflanzen. Um einem Eisenmangel vorzubeugen, gibt es für Vegetarier dennoch gute pflanzliche Alternativen. Eisenlieferanten sind:

  • Getreide und Getreideprodukte, hier vor allem Vollkornprodukte aus Hafer und Hirse
  • Gemüse, wie etwa Broccoli, Erbsen Endivien- und Kopfsalat, etc.
  • Nüsse und Samen, Sonnenblumen- und Kürbiskerne
  • Hülsenfrüchte
  • Fisch, Eier

Wichtig ist, dass eisenhaltige Produkte täglich auf dem Speiseplan stehen. Leichter für den Körper verwertbar ist Eisen, wenn es zusammen mit Vitamin C (etwa Orangensaft trinken) aufgenommen wird. Anzeichen für Eisenmangel sind Blässe, Müdigkeit, brüchige Fingernägel und Haare und trockene, spröde Lippen. Wurde beim Arzt eine Unterversorgung festgestellt, besteht die Möglichkeit diesen Mangel mit Eisenpräparaten zu beheben.

Ohne Fisch kein Jod?

Fisch ist eine wichtige Quelle für die Versorgung mit Jod. Wird Fisch vom Speiseplan gestrichen, resultiert daraus meist aber kein Jodmangel, da in der Regel genügend Jod durch Speisesalz aufgenommen wird. Auch in vielen Mineralwässern befindet sich Jod.

Eiweiß für das Wachstum

Für das Wachstum müssen Kinder und Jugendliche ausreichend Kalorien und Eiweiß zu sich nehmen. Sie müssen einerseits also genügend und andererseits eiweißreich essen. Fleisch, Fisch, Milch, Milchprodukte, Eier, Hülsenfrüchte, Kartoffel und Getreide sind Eiweißlieferanten. Eiweiß-Kombinationen steigern die Bioverfügbarkeit, der Körper kann den Nährstoff bei diesen Kombinationen also besser nutzen. Beispiele für fleischlose Eiweißkombinationen von Getreide mit Milchprodukten: Käsebrot, Nudeln mit Ei, Nudeln mit Käse überbacken, Müsli mit Joghurt oder Milch. Weitere Kombinationen: Rührei mit Kartoffeln, Kartoffel-Gemüse-Omelette.

Wichtige Milchprodukte

Jugendliche brauchen für ihr Wachstum täglich in etwa 1.200 mg Kalzium. Diese Menge lässt sich mit Milchprodukten abdecken. Etwa mit einem ¼ Liter Milch, drei Scheiben Gouda á 25 g und einem Becher Joghurt pro Tag. Allein mit Gemüse ist der Kalziumbedarf schwer zu decken, weil pflanzliche Lebensmittel weniger Kalzium enthalten als Milchprodukte. Auch kalziumhaltige Mineralwässer tragen zur Bedarfsdeckung bei. „Nötigenfalls muss man mit Supplementen in Form von Mineralstoffpräparaten Abhilfe schaffen“, so Carina Pichler, Diätologin im Krankenhaus Schärding.

Vitamin B12

Das für die Blutbildung wichtige Vitamin B12 ist in Fleisch, nicht jedoch in Pflanzen enthalten. Milch und Milchprodukte können den Bedarf jedoch abdecken. „Auch milchsauer vergorene Produkte wie Sauerkraut enthalten das Vitamin, aber viel zu wenig, als das man ohne Milchprodukte auskommen würde“, so Pichler.

„Pudding-Vegetarier“

Entscheiden sich Kinder und Jugendliche für eine Ernährung ohne Fleisch und Fisch, aber mit Eiern und Milchprodukten, kann eine ausreichende Nährstoffversorgung durch eine sorgfältige Auswahl und Zusammenstellung der Nahrungsmittel gewährleistet werden.
Ein Teil der jungen Vegetarier jedoch verzichtet zwar auf Fleischprodukte, ernährt sich ansonsten aber alles andere als ausgewogen. „Diese so genannten Puddingvegetarier essen vorwiegend Süßigkeiten und fleischloses Fast Food, eine denkbar schlechte Ernährungsform. Vor allem in der Wachstumsphase ist das heikel. Eier, Milch, Obst und Gemüse sollten unbedingt auf den Speiseplan“, rät die ernährungsmedizinische Beraterin.

Mögliche Vorteile

„Wenn ein Kind oder Jugendlicher Ovo-Lakto-vegetarisch oder Lakto-vegetarisch essen möchte und es sich gesund und ausgewogen ernährt und eine ärztliche Abklärung ergibt, dass keine Mängel vorliegen, ist aus medizinischer Sicht dagegen nichts einzuwenden“, so Pichler. Bei Abdeckung der wichtigen Nährstoffe kommen zudem weitere Vorteile zum Tragen: Vegetarier sind selten übergewichtig; durch die Reduktion von tierischen Fetten nehmen sie weniger Cholesterin zu sich. Mit dem höheren Anteil an Getreide, Gemüse und Obst steigt die Zufuhr an Ballaststoffen, Vitaminen und sekundären Pflanzenstoffen.

Vegane Kost: Achtung Mängel

Bei veganer Ernährung ist es schwierig, alle wichtigen Nährstoffe über das Essen zuzuführen. „Ernähren sich Kinder vegan, geschieht das meist auf Initiative der Eltern, die sich ebenso ernähren. Vegane Ernährung bei Kindern und Jugendlichen ist aber nicht zu empfehlen. Sie nehmen meist zu wenig Kalzium, Eisen, Vitamin B 12 und Eiweiß zu sich“, so Pichler.

Teilzeitvegetarier

Ist es mit den ethischen Werten vereinbar, empfiehlt Pichler: „Werden Sie zum Teilzeitvegetarier. Eine geringere Aufnahme von tierischen Lebensmitteln ist vorteilhaft für die Prävention von ernährungsbedingten Krankheiten. Da vor allem in der westlichen Welt der Fleischkonsum viel zu hoch ist, ist eine Reduktion des Fleisch- und Wurstkonsums auf z.B. drei Portionen pro Woche gesundheitlich empfehlenswert.“

Testen lassen

Regelmäßige Gesundheitschecks sind für junge Vegetarier (und vor allem für Veganer) sinnvoll. Vor allem bei verzögertem Wachstum, Blässe, häufiger Müdigkeit und Infektanfälligkeit. Symptome wie diese können Anzeichen für eine Unterversorgung mit Eisen und anderen Nährstoffe sein. „Man sollte mit dem Kinderarzt über das vegetarische Essverhalten des Kindes sprechen und bei Verdacht auf Mängel oder Unterversorgung eine Blutuntersuchung machen lassen“, rät die Diätologin. Vor allem der Gehalt von Eisen, Kalzium und Vitamin B 12 sollte bestimmt werden. Besteht eine Unterversorgung, kann diese nach ärztlicher Verschreibung per Substitution (etwa in Form von Vitamin- und Mineralstoffpräparaten) ausgeglichen werden.
„Noch besser wäre es, die fehlenden Stoffe durch Nahrung aufzunehmen, da der Körper die künstlich hergestellten Nährstoffe der Substitute nicht so gut aufnimmt wie die in den Lebensmittel enthaltenen“, so Pichler. Eine Beratung bei einem Diätologen kann überforderten Eltern helfen, die richtige Speisenauswahl zu treffen und diese in der Praxis auch umzusetzen.

Dr. Thomas Hartl

September 2012


Foto: Bilderbox

Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2020