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Süße und teure Kinderdrinks

Kinderdrinks - Kind mit GetränkKinderdrinks sind süß, künstlich und teuer. Zu diesem Ergebnis kommt ein Test der Arbeiterkammer (AK). Acht von zehn Kinderdrinks sind für Kids als regelmäßiges Getränk ungeeignet.

Von den getesteten Kinderdrinks ist laut AK keiner wirklich empfehlenswert. „Lediglich zwei teure Wässer wären geeignet, ich kann sie aber nicht mit gutem Gewissen empfehlen, weil sie ernährungsphysiologisch genauso wie Leitungswasser sind, und das gibt’s gratis“, so die Ernährungsexpertin der AK, Petra Lehner die jetzt als Ernährungswissenschaftlerin und Referentin für Lebensmittelsicherheit im Gesundheitsministerium arbeitet. Zudem hat jedes dritte Kindergetränk keine Nährwertkennzeichnung, also keine Kalorien- und Zuckerangaben.

Test

Die AK kaufte insgesamt 48 Kindergetränke in sieben Wiener Supermärkten. Als Kinderdrinks wurde ein Getränk dann eingestuft, wenn explizit das Wort „Kinder“ auf der Verpackung aufschien oder wenn Verpackung und Werbung klar auf Kinder abzielen, etwa bunte Flüssigkeit, phantasievolle Verpackung, kleinere Abfüllmenge, Comicfigur auf der Packung.

Urteil

Vier von zehn Kinderdrinks sind zu süß zum regelmäßigen Trinken, ergab der AK-Test. Sie bestehen zu mehr als einem Zehntel aus Zucker. Jeder vierte ist mit künstlichen Süßstoffen gesüßt und damit für Kinder ebenfalls nicht ideal.

„Fast alle Produkte enthalten unnötige Zusatzstoffe“, so Lehner. Nur drei sind frei von künstlichen Zusätzen. Acht von zehn sind aromatisiert, mehr als die Hälfte davon künstlich. Dass es auch ohne Zusatz von Aromen geht, zeigen nur sieben Produkte. Von denen enthalten aber – bis auf die Wässer – alle zumindest einen anderen künstlichen Zusatz.

Bei einem Drittel werden keine Nährwertangaben gemacht. „So erfahren interessierte Eltern nicht, wie viele Kalorien ein Getränk liefert oder wie viel Zucker in den Getränken drinnen ist“, erklärt Lehner.

Mehr Schutz

Auf Grund der Test-Ergebnisse fordert die AK mehr Schutz für Eltern und ihre Kinder beim Kauf von Kinderlebensmitteln. Bei der Werbung und beim Marketing für zu süße oder für Kinder ungeeignete „Kinderprodukte" müsse es Einschränkungen geben. „Anbieter und Werber müssen genauso in die Pflicht genommen werden wie die EU“, verlangt die AK.

An die Hersteller appelliert die AK: Sollen Lebensmittel speziell für Kinder vermarktet werden, müssen Zucker-, Fett- und Salzgehalte reduziert werden, mehr komplexe Kohlenhydrate, mehr Ballaststoffe, schonende Verarbeitungsweisen und keine für Kinder kritischen Zusatzstoffe enthalten sein.

Tipps der AK für Eltern und ihre Kinder

  • Für Kindergetränke gilt: Je weniger Zucker, umso besser. Ist der Zuckergehalt nicht angegeben, kann man ihn aus dem Kohlenhydratgehalt ableiten, weil in Getränken kaum andere Kohlenhydrate vorkommen. Ob Frucht-, Kristall-, Traubenzucker oder Honig vorkommt, ist ernährungsphysiologisch egal.
  • Kinder sollen viel trinken! Wasser, verdünnte Fruchtsäfte oder ungezuckerte   Früchte- oder Kräutertees sind besser als gesüßte, gefärbte Fertiggetränke.
  • Getränke mit wenig Zucker, aber mit Süßstoffen sind für Kinder auch ungeeignet. Der kindliche reagiert hier nicht unbedingt wie ein erwachsener Stoffwechsel.
  • Kindern gefallen knallige Farben und Schnickschnack: Färben Sie selbst gemachte Tees oder Wasser z.B. mit Heidelbeer- oder Rotem Rübensaft. Und: Kaufen Sie peppige Trinkflaschen, die sich die Kinder selbst aussuchen dürfen.
  • Wenn Ihr Kind hin und wieder ein Kindergetränk möchte, schaden sie sicherlich nicht. Aber: Je weniger süß, umso besser. Sicherheitshalber solche ohne Süßstoffe wählen.


Cornelia Schobesberger
März 2007,
aktualisiert August 2013

Foto: Bilderbox

Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2020