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Hoher Salzgehalt in vielen Fertigprodukten

SalzsteuerDer Berliner gemeinnützige Verein „foodwatch – die essensretter“ hat 22 Produkte auf ihren Salzgehalt untersucht. Fazit: Vor allem Fertiggerichte sind oft extrem salzig – überraschend hohe Werte gab es auch bei Schokolade oder Käse. Die auch von der österreichischen Arbeiterkammer geforderte Nährwert-Ampel würde auf einen Blick zeigen, wie viel Salz in manchen Lebensmitteln steckt. Wichtig ist das gerade für Menschen mit Bluthochdruck.

Salz ist ein Elexier des Lebens – der Mensch braucht es zum Überleben. Doch zu viel davon kann der Gesundheit abträglich sein. Insbesondere für Menschen mit Bluthochdruck, immerhin 38 Millionen in Deutschland, berichtet „foodwatch“. Ärzte und die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfehlen eine Tageszufuhr an Salz von fünf bis sechs Gramm, schon ein bis 1,5 Gramm gelten als ausreichend. Der tatsächliche Konsum liegt deutlich darüber, bei männlichen Jugendlichen sogar um zehn Gramm Salz am Tag. 

Verständliche Salz-Kennzeichnung fehlt

Dabei nehmen Verbraucher bis zu drei Viertel der täglichen Zufuhr durch versteckte Salze in zusammengesetzten Lebensmitteln zu sich. Wer seinen Salzkonsum reduzieren will, muss also beim Einkauf im Supermarkt beginnen. Das Problem ist allerdings, dass beim Einkauf gar nicht erkannt werden kann, wie viel Salz in einem Lebensmittel steckt. Wenn vorhanden, ist die Nährwertkennzeichnung verwirrend, oft ist nicht der Salz-, sondern der Natriumgehalt angegeben, so foodwatch. Der Verein hat daher zum Test 22 Produkte auf ihren Salzgehalt untersucht und mit der Ampelkennzeichnung versehen. Fazit: Das weiße Kristall wird in vielen Fertiggerichten zu großzügig verwendet, aber auch in Süßigkeiten steckt oft mehr Salz als allgemein angenommen. 

Ampelkennzeichnung hilft

Der foodwatch-Ampeltest zeigt: Mit dem Verzehr von etwa 100 Gramm einer „Packerlsuppe“ oder einer Fertigpizza ist der Tagesbedarf an Salz bereits gedeckt. Die Nährwert-Ampel würde dies durch einen roten Punkt beim Salzgehalt auf einen Blick aufzeigen. Auch Käse, Senf oder Brot liegen oft im roten Bereich. Relativ viel Salz verbirgt sich auch in Produkten, in denen es kaum ein Verbraucher erwartet: Für einen Schoko-Riegel, eine Tafel Alpenmilch-Schokolade oder eine Dose Erbsen mit Karotten springt die Ampel immerhin auf Gelb.
Während die Ampel den Salzgehalt gut sichtbar macht, wird in der GDA-Kennzeichung der Natriumgehalt angegeben. Dieser Wert muss mit 2,5 multipliziert werden, um auf den Salzgehalt zu kommen – eine Rechnung, für die die Wenigsten im Supermarkt Zeit haben. 

Diätprodukte

Selbst bei einem Produkt eines bekannten „Diätvereins“ ist reichlich Salz enthalten. Dazu merkt foodwatch an, dass gerade in fettarmen Produkten Salz gerne als Geschmacksverstärker eingesetzt wird.
Dass Müslis oft überzuckert ist, gilt für den Verein als bekannt. Dass aber auch in 100 Gramm Corn Flakes eines bekannten Herstellers 1,8 Gramm Salz enthalten ist – so viel wie in einer Fertigpizza – überraschte auch die „Essensretter“. Dabei ginge es auch anders: Haferflocken enthalten kaum Salz und Zucker und sind zum Frühstück die deutlich ausgewogenere Alternative.
Schokolade ist fett und süß, klar. Schon überraschender ist aber, dass die Alpenmilchschokolade oder der Schokoriegel auch für den Salzgehalt einen gelben Ampelpunkt bekäme. 

Brot, Käse und Salat

Brot braucht Salz: Würde der Bäcker darauf verzichten, würde es nicht nur gewöhnungsbedürftig schmecken, sondern auch eine andere Konsistenz haben. Doch es gibt Unterschiede: Vollkornbrot enthält mehr Salz als Weißbrot. Und auch so manches Knäckebrot ist keineswegs ein Leichtgewicht, stellt foodwatch fest. Für den Salzgehalt des getesteten Produkts gibt es einen roten Punkt, und außerdem drei gelbe Ampelpunkte für Fett, gesättigte Fettsäuren und Zucker.
Und auch das vermeintlich „so leichte“ Salatdressing aus dem Regal hat es ganz schön in sich: Neben Zucker gibt es auch für den Salzgehalt einen roten Ampelpunkt. Leichte Kost sieht anders aus.
Käse ohne Salz gibt es nicht, aber in manchen Sorten ist der Salzgehalt höher als in anderen. Je reifer der Käse, desto höher der Salzgehalt. Doch auch der junge Gouda hat es in sich. 

Abhilfe durch die Ampel

Den Unsicherheiten der Verbraucher könnte die Lebensmittel-Ampel Abhilfe schaffen. Sie signalisiert den Verbrauchern auf einen Blick den Salzgehalt eines Produktes. Das ist besonders wichtig für Menschen, die an einem zu hohen Blutdruck oder an Herz- und Kreislaufproblemen leiden. Für sie kann eine verständliche Nährwertinformation gesundheitsrelevant sein, so foodwatch. Mehr Informationen sind im Internet unter http://www.foodwatch.org/de/ zu finden.

Mag. Christian Boukal
August 2009

Foto: Bilderbox 

Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2020