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Olivenöl im Test

Olivenöl im Test15 Olivenöle hat der Verein für Konsumenteninformation (VKI) getestet und er kommt zu dem Ergebnis, dass oft Spitzenqualität deklariert, aber nicht geliefert wird.

Vor vier Jahren zog der VKI bei einem Test von 18 Olivenölen eine bittere Bilanz: Die Hälfte der getesteten Öle der höchsten Qualitätsklasse nativ extra wurde wegen Verdacht auf unerlaubte Wärmebehandlung aus der Wertung genommen. Diese ermöglicht, leicht fehlerhafte Öle qualitativ zu „verbessern“. Kein einziges Produkt war zudem frei von Schadstoffen wie Weichmacher und polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK).

Aktueller Test

Was hat sich seitdem geändert? Wie genau nimmt es die Industrie mit ihrer Verantwortung gegenüber Verbrauchern? Nicht allzu genau, wie die aktuelle Erhebung des VKI zu 15 Olivenölen zeigt: Fünf Öle, die als nativ extra gekennzeichnet sind, bestanden die Prüfung eines akkreditierten Expertenpanels nicht. Laut den vom VKI beauftragten Experten des Deutschen Olivenöl Panels (DOP) handelt es sich hierbei um Öle zweiter Güteklasse. Darüber hinaus vergab der VKI bei zwei Olivenölen kein Testurteil, da der Verdacht auf Wärmebehandlung oder mangelnde Frische bestand.

Kritik

„Spitzenqualität wird deklariert, aber nicht geliefert“, kritisiert VKI-Geschäftsführer Ing. Franz Floss. „Das ist besonders ärgerlich, da es sich bei Olivenöl um ein Produkt handelt, das als gesundheitsfördernd empfohlen wird. Wir werden daher auch in Zukunft nicht locker lassen und weiterhin Olivenöle testen.“

Unerlaubte Manipulationen sind das eine, gesundheitsschädliche Inhaltsstoffe das andere, so der VKI: Auch dieses Mal wurden die Olivenöle auf Schadstoffe wie Weichmacher und PAK untersucht. Kein einziges Öl ist frei von Schadstoffen, wenn auch viele nur knapp über der Bestimmungsgrenze liegen. Dennoch: „Weder PAKs noch Weichmacher sollten in Olivenöl enthalten sein“, kritisiert VKI-Ernährungswissenschafterin Mag. Nina Zellhofer. „In jedem Öl sind ein bis drei Weichmacher nachzuweisen.“ Bei drei Ölen wurde der für Lebensmittel festgelegte Migrationswert von 1,5 mg/kg überschritten.

Große Unterschiede

PAK wiederum finden sich laut VKI zwar mittlerweile überall in der Natur und somit auch in den getesteten Olivenölen. Bei der Anzahl gibt es aber große Unterschiede: Im besten Fall stecken nur vier verschiedene PAK im Öl, im schlechtesten ist es ein „Cocktail“ von insgesamt sieben Substanzen. Zellhofer: „Damit zeigt sich, dass es durchaus Hersteller gibt, die in der Lage sind, die Belastung gering zu halten.“

Nach traditioneller Art gepresst?

Die Herkunft des Produktes beziehungsweise der Rohstoffe ist für viele Konsumenten erfahrungsgemäß von großer Bedeutung. Hier gibt es in Sachen Kennzeichnung kaum etwas zu beanstanden, so der VKI. Die Früchte kommen in der Tat aus jenen Ländern, die auf den Flaschenetiketten vermerkt sind: Griechenland, Italien und Spanien. Teils wird auch die EU als Herkunftsort genannt, wobei es sich hierbei um so genannte „Mittelmeermischungen“ handelt. Weniger gut sieht es dagegen bei den ausgelobten Hinweisen zur Ölgewinnung aus. Die Aussage, dass zwei Hersteller ihr Olivenöl tatsächlich noch nach traditioneller Art pressen, genossen die Tester mit Vorsicht. Und in der Tat: Auf Anfrage des VKI hin musste ein Produzent zugeben, dass die Angabe am Etikett fehlerhaft ist. Die Antwort des zweiten steht hingegen noch immer aus. Hier zog man es bislang vor, zu schweigen, berichtet der VKI.

Preis

Das beste Produkt im Test erzielte eine „gute“ Gesamtwertung. Mit 7,99 Euro pro Liter liegt es im preislichen Mittelfeld der 15 getesteten Olivenöle. Diese sind im Handel zwischen 3,45 und 12,98 Euro erhältlich. Aber lässt sich um einen solchen Preis gutes Olivenöl produzieren und nachhaltig wirtschaften? Bis ein Ölbaum Früchte trägt, dauert es Jahre und selbst dann wirft dieser nicht mehr als 20 Kilo Oliven ab. Für einen Liter Öl braucht es aber fünf Kilogramm Früchte, ergo macht dies vier Flaschen Olivenöl pro Baum. „Bezieht man sämtliche Kostenfaktoren mit ein, die sich bei Produktion, Transport und Vertrieb ergeben, stellt sich die Frage, wie dies bei einem Preis um rund vier Euro machbar ist“, so Floss. „Zumindest eines ist aber sicher: Mindere Oliven-Qualitäten zu verarbeiten, mit unerlaubten Mitteln nachzuhelfen und darauf zu hoffen, dass es die Kunden nicht merken, ist der falsche Weg.“

Alle Details zum Test gibt es in der Novemberausgabe des Testmagazins KONSUMENT und unter www.konsument.at.

Cornelia Schobesberger

November 2011

Foto: Bilderbox

Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2020