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Mikrowelle: Keine Gesundheitsgefährdung

Mikrowelle: Keine GesundheitsgefährdungWenn es schnell gehen muss, ist Essen aus der Mikrowelle eine beliebte Form der Zubereitung. Manche Menschen fragen sich, ob sie dadurch möglicherweise ihre Gesundheit gefährden. Bei richtiger Anwendung besteht für so eine Befürchtung jedoch kein Anlass.

In den meisten Haushalten findet sich ein Mikrowellenherd. Die Mikrowelle ist praktisch, denn sie arbeitet sehr schnell uns ist sparsam im Energieverbrauch. Die Geräte besitzen eine Leistung von 500 bis 1100 Watt. Die im Gerät erzeugten Mikrowellen liegen bei Frequenzen um 2,45 Gigahertz (GHz). Diese Wellen werden von Wasser, Fett und Zucker aufgenommen (absorbiert). Dabei versetzen die Mikrowellen die einzelnen Moleküle in Schwingung und es entsteht Wärme. Nicht absorbiert werden die Wellen dagegen von Plastik, Glas oder Keramik, daher erwärmen sich solche Gefäße nicht. Auch Luft erhitzt sich nicht.

Keine Gesundheitsgefährdung

Nach heutigem Wissensstand kommt es durch Mikrowellenzubereitung zu keinen gesundheitlich bedenklichen Veränderungen in Lebensmitteln. Befürchtungen, wonach die Mikrowelle ins Essen eindringt, dort verbleibt und im Körper gesundheitliche Schäden auslöst, sind unbegründet, weil physikalisch nicht möglich. „Essen aus der Mikrowelle kann nach heutigem Erkenntnisstand keine Krankheiten auslösen“, sagt DI. Dr. Roland Grossgut von der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES).
In Internetforen findet man jedoch häufig die Behauptung, dass Nahrungsmittel, die in der Mikrowelle zubereitet werden, den Menschen krank machen würden (Krebs etc.). „Es gibt keine seriösen Studien, die so eine Annahme belegen würden. Befürchtungen, dass elektromagnetische Wellen das Essen quasi verstrahlen und die Gesundheit des Menschen beeinträchtigen könnten, lassen sich nicht objektivieren. Es gibt keinen Hinweis auf eine mögliche Schädigung von Gewebe oder Zellen von Personen, die in der Mikrowelle zubereitete Nahrung zu sich genommen hatten. Nahrungsmittel, die in der Mikrowelle zubereitet werden, werden dadurch nicht verstrahlt“, beruhigt Grossgut.
Der Experte für Risikobewertung betont, dass der Vorgang in keinem Zusammenhang mit Radioaktivität steht und dass kein Anlass zur Sorge besteht. „Zu Zellschädigungen könnte es nur dann kommen, wenn ein Mensch direkt und länger den Mikrowellen ausgesetzt wäre, zum Beispiel in einem überdimensionalen Mikrowellenofen. Sonst ist das nicht möglich“, veranschaulicht Grossgut.
Wird das Gerät nach dem Erwärmen der Mahlzeit ausgeschaltet und geöffnet, können keine Mikrowellen austreten, denn diese existieren nicht mehr; weder innerhalb des Geräts noch im Essen selbst. „Das ist ähnlich wie bei Licht. Schaltet man den Schalter aus, verschwindet das Licht und bleibt nicht zurück“, erklärt der Experte. Es bleiben auch keine Rückstände in der Nahrung zurück, die Zusammensetzung des Essens wird nicht verändert.

Kaum Strahlung nach Außen

Auch die Befürchtung, dass Mikrowellen bei laufendem Herd aus dem Gerät austreten und Menschen, die sich in der Nähe aufhalten, schädigen könnten, ist bei einem intakten Gerät unbegründet. Im Inneren ist die Mikrowelle ist ein Faradayscher Käfig: Metallische Wände und Metallgitter in der Glastür. Mikrowellen werden von Metallwänden absorbiert und reflektiert, die Strahlung kann hier nicht nach außen dringen. In der Umgebung der Sichtblende und der Tür tritt zwar auch bei gut isolierten Geräten eine gewisse „Leckstrahlung“ nach außen, sie ist aber äußerst gering. „Sorgen um gesundheitsschädliche Wirkungen durch eine Leckstrahlung sind unbegründet. Sie liegt weit unter dem Grenzwert. Auch die Augen werden beim Zusehen nicht geschädigt, denn das Sichtglas schützt vor den langwelligen Strahlen“, sagt Grossgut. Fazit: Gesundheitsgefahren gehen von intakten Geräten nicht aus.
Achtung: Ist das Gerät beschädigt, hat das Sichtfenster etwa einen sichtbaren Sprung oder gar ein Loch, dann sollte man das Gerät nicht benutzen, denn es besteht die Möglichkeit, dass die austretende Strahlung das zulässige Maß überschreitet. Dauert das Erwärmen ungewöhnlich lange oder funktioniert das Gerät nicht richtig, sollte man es überprüfen lassen. Wird der laufende Mikrowellenherd geöffnet, muss er sich sofort ausschalten. Ist das nicht der Fall, ist das Gerät defekt und sollte nicht verwendet werden.

Auswirkungen auf Vitamine & Co

Beim Erwärmen einer Speise gehen Nährstoffe verloren. Das gilt für die konventionellen Methoden wie Kochen, Backen und Braten also auch für die Mikrowelle. Die Mikrowellenbehandlung von Lebensmitteln ist dabei nicht schädlicher ist als konventionelle Zubereitungsverfahren. „Der Verlust an Vitaminen und Antioxidantien ist in der Mikrowelle ist in etwa gleich wie der beim Kochen. Proteine werden sogar schonender behandelt“, so Grossgut.

Gleichmäßiges Erhitzen wichtig

Bei der konventionellen Nahrungszubereitung (Kochen) werden schädliche mikrobiologische Gefahren (Bakterien, Listerien, Salmonellen) reduziert. Durch das Umrühren im Kochtopf wird die gesamte Nahrung gleichmäßig erhitzt und dadurch werden Mikroorganismen umfassend abgetötet. Auch in der Mikrowelle kommt es zu einem solchen Effekt, jedoch meist nur in geringerem Umfang. Um schädliche Mikroorganismen zu zerstören, bedarf es einer hohen Temperatur und vor allem einer gleichmäßigen Wärmeverteilung. Die Mikrowelle gart Speisen jedoch nicht ganz gleichmäßig. Auch bei rotierendem Teller bleiben manche „cool spots“. Das sind punktartige Bereiche, die nicht oder nicht ausreichend erhitzt werden konnten. Bleiben manche Punkte im Nahrungsmittel kalt, bleiben auch die darin befindlichen mikrobiologischen Stoffe unangetastet. Die Lösung: Das Essen nach einiger Zeit aus der Mikrowelle herausnehmen und umrühren. Wird eine Speise bloß erwärmt und nicht gegart, werden keine schädlichen Stoffe zerstört.

Nicht in die Mikrowelle

Nicht alle Gefäße eignen sich zum Einsatz in der Mikrowelle. Metalltöpfe oder Gefäße mit Goldrand reflektieren die Mikrowellen und sind daher für den Gebrauch in einem solchen Gerät nicht geeignet. Gut geeignet sind Glas, Keramik oder entsprechend deklariertes Kunststoffgeschirr (mit Ausnahme von Melamin-Kunststoff). Beim Garvorgang sollte man über der Speise eine Kunststoffabdeckung überstülpen. Diese dient vor dem Verspritzen von Flüssigkeit im Herd. Solche Abdeckungen sollten unbedingt Rillen enthalten, damit der Dampf beim Erhitzen entweichen kann. „Das ist auch der Grund, warum man keine geschlossenen Gefäße in der Mikrowelle erhitzen sollte“, erklärt der Experte.
Achtung: Eier gehören nicht in die Mikrowelle. Da ein Ei ein in sich geschlossenes Gefäß ist, kann der bei der Erwärmung entstehende Dampf nicht abgeführt werden und das Ei explodiert. Dass Milch nicht erhitzt werden darf, ist dagegen ein Mythos. „Man muss nur aufpassen, dass man die Milch nicht überhitzt“, so Grossgut. Generell gilt: Da das Lebensmittel in der Mikrowelle teilweise ungleichmäßig erhitzt werden kann, kann es an einigen Stellen besonders heiß werden und an anderen weniger. Daher sollte man Speisen und Getränke vor dem Verzehr umrühren.

Achtung bei Säuglingsnahrung

Beim Erhitzen von Säuglingsnahrung muss man sehr vorsichtig sein, damit die Nahrung gleichmäßig erhitzt wird. Die Temperatur muss also innen wie außen gleich sein. Um das zu gewährleisten, sollte man die Nahrung ab und zu aus dem Herd nehmen und umrühren oder das Milchfläschchen schütteln. „Ansonsten kann es passieren, dass sie außen womöglich eher kühl, innen aber sehr heiß ist. Man muss also die Temperatur kontrollieren, schmecken und so sicher gehen, dass sich das Baby nicht verbrennen kann. Babys testen nicht, ob die Temperatur passt, sie trinken die Milch sofort in großen Schlucken“, so Grossgut.

Dr. Thomas Hartl

September 2012

FOTO: Adrian Pingstone/wikipedia

Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2020