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Fasten ist nicht Hungern

Fasten - Frühjahrsputz für Körper und SeeleFrühjahrsputz für Körper und Seele: Weihnachten, Silvester, Fasching. Ein Anlass zum Schlemmen jagt den nächsten. Zuviel Fleisch, zuviel Alkohol, Süßes ohne Ende. Die Folgen wochen- und monatelanger unbedachter Nahrungsaufnahme: Ein Völlegefühl macht sich breit, man wird träge, das körpereigene Immunsystem ist geschwächt. Zwischen Aschermittwoch und Ostern will so manch einer wieder neuen Geschmack am Leben anstatt an Speisen bekommen, es ist die Zeit des Fastens.

Fasten ist nicht hungern

Fasten bedeutet nicht einfach weniger zu essen. Wer fastet, macht keine Diät. Die Gewichtsabnahme ist zwar beliebtes Nebenprodukt, jedoch kein vorrangiges Ziel. „Wer fastet, tut etwas für Körper, Geist und Seele. Danach ist man ein neuer Mensch, man spürt sich wieder“, so Elisabeth Rabeder, Leiterin des Kneipp Kurhauses der Marienschwestern vom Karmel in Bad Mühllacken. Auch sollte man das hier besprochene Fasten vom Heilfasten unterscheiden. Fasten ist für Gesunde gedacht, während Heilfasten vorrangig in Kliniken für Kranke oder auch zur Vorbeugung verschiedener Krankheiten angeboten wird.

Verschiedene Methoden

Wer vom Fasten spricht, kann verschiedenste Arten meinen. Am weitesten verbreitet ist die klassische Methode nach dem Arzt Otto Buchinger. Dabei sorgen frisch gepresste Säfte und hochwertige Suppen für die nötigen Nährstoffe. Auch das Suppen-Fasten (Reis und Hirse-Suppen) ist sehr beliebt.  Daneben gibt es unzählige weitere Anwendungen wie etwa das Molkefasten. Hier werden ein Liter Molke, ungezuckerte Tees und Wasser über den Tag verteilt getrunken. Beim Basenfasten kann man sich weiterhin richtig satt essen. Jedoch gibt es einen festen Plan, welche Nahrungsmittel man zu sich nehmen darf und welche nicht. Saure Lebensmittel wie Fleisch oder Milchprodukte werden gemieden und stattdessen ausschließlich basische Lebensmittel wie Obst oder Gemüse zu sich genommen. Beim totalenFasten sind nur Wasser und Tee erlaubt, davon aber reichlich. Das Saftfasten lässt geringe Mengen an Obst- und Gemüsesäften zu, um den täglichen Vitaminhaushalt zu gewährleisten.

Alltagssünden loslassen

Eines haben alle Fastenkuren gemein: Alkohol, Süßigkeiten, Zigaretten, Kaffee oder Medikamente sind tabu. Sie belasten den Körper und stören den Regenerationsprozess. Anstatt diesen „Alltagssünden“ nachzutrauern, sollte man während des Fastens Bewegung machen und Tees mit Heilkräutern trinken. „Das unterstützt den Entgiftungsprozess“, so Rabeder.

Den Körper herunterfahren

Da Fasten also nicht einfach bedeutet weniger zu essen und richtiges Fasten gelernt sein will, rät die Expertin Anfängern, nicht auf eigene Faust loszulegen. „Erstfaster brauchen unbedingt eine Anleitung und Begleitung. Denn zum erfolgreichen Fasten bedarf es einer Vorbereitung, bedarf es auch Einstiegstage, die dazu dienen, den Körper auf das eigentliche Fasten einzustimmen.“ Tage, in denen vorerst auf Alkohol, Fleisch und Süßes verzichtet wird. Eine Zeit des Übergangs, um mögliche Krisen oder Panik zu vermeiden. „Es ist wie beim Auto fahren. Da darf man auch nicht vom vierten in den ersten Gang schalten, sonst gibt es Probleme im Getriebe“, veranschaulicht Rabeder.

Ein Plus für den Körper

Übermäßiges Essen verursacht Krankheiten. Das ist seit langem bekannt. Der Grund: Überflüssige, säureverursachende tierische Eiweiße, Fette und konzentrierte Kohlehydrate lagern sich beispielsweise im Bindegewebe, in den Blutbahnen und Gelenken ab und führen dort zu so genannten „Verschlackungen“. Im Darm abgelagerte Stoffwechselprodukte hindern das Lymphsystem an seiner Arbeit, wodurch das Immunsystem geschwächt wird. Fasten hingegen entschlackt, entgiftet den Körper und reinigt den Darm. „Die Schlacken müssen aufgelöst und ausgeleitet werden“, so Rabeder.

So gewinnt die Gesundheit

  • Das Herz und der Kreislauf werden entlastet
  • Der Blutdruck reguliert sich
  • Das Atmen wird freier, die Lunge nimmt mehr Sauerstoff auf, der schneller ins Gewebe transportiert wird
  • Die tragenden Elemente des Körpers wie Füße, Kniegelenke und Bandscheiben werden entlastet
  • Die Haut und das Gewebe werden gestrafft
  • Die Entfettung kann zu einer Senkung der Blutfettwerte führen
  • Die Durchblutung wird gefördert
  • Fettpolster verschwinden und das Gehirn produziert Glückshormone
  • Die Entwässerung und Entschlackung des Darms, der Gewebe, Gefäße und Gelenke steigern das allgemeine Wohlbefinden

Langsames Hochfahren

Genauso wichtig wie die Einstiegestage vor dem eigentlichen Fasten sind die Aufbautage nach dem Fasten. Das Gelingen des Fastens hängt wesentlich mit einem langsamen „Hochfahren“ des Körpers ab. Denn nach einer Fastenwoche ist man oft sehr sensibel, man nimmt die Nahrung wieder richtig wahr, das braucht seine Zeit. „Man sollte etwa mit einem Apfelfrühstück zum Neuentdecken des Kauens beginnen und mittags dann eine Gemüsesuppe“, rät Rabeder.

Wer nicht fasten sollte

Trotz seiner Heilwirkung ist Fasten nicht für jeden gesund. Kinder und Jugendliche sowie Schwangere oder stillende Frauen dürfen auf keinen Fall auf normale Ernährung verzichten. Abstand nehmen sollten auch Herz-Patienten, Patienten mit Bluthochdruck oder extrem schlanke Menschen. Auch bestimmte körperliche und seelische Beeinträchtigungen verbieten das Fasten. Das betrifft zum Beispiel Menschen mit Diabetes mellitus Typ I, mit psychischen Problemen oder Krebserkrankte, chronisch Stoffwechselerkrankte, Altersschwache, frisch Operierte und gerade Genesene.

Grundsätzlich sollten Fastenkuren nur nach Absprache mit einem Arzt, im Rahmen medizinischer Betreuung innerhalb einer Fastenklinik oder mit Betreuung eines Fasten-Begleiters erfolgen. Denn Motivation und Ratschläge brauche jeder, während einer Zeit, in der feste Speisen, Alkohol und Rauchen tabu sind.

Fastentipps für einen besinnlichen Alltag:

  • Stille suchen: Spazieren gehen, ruhige Musik hören, öfter Zeit alleine verbringen.
  • Weniger passiv konsumieren: Fernseh- und Computerzeiten einschränken. Besser: Lesen, Musik hören, Briefe schreiben, Gespräche suchen.
  • Von Ballast trennen: Überflüssiges wegwerfen, den Haushalt in Ordnung bringen, Papiere ordnen.
  • Besinnungauf das Wesentliche: Das Leben spüren, eine Atempause vom Alltag machen, in sich hineinhören.


Dr. Thomas Hartl
Februar 2008

Foto: Bilderbox

Zuletzt aktualisiert am 13. November 2020