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Erdbeerjoghurt: Mehr als Natur drin

Erdbeerjoghurt:  Mehr als Natur drinFruchtjoghurts sind der Renner im Kühlregal der Supermärkte. Im Jahr 2010 verzehrten die Österreicher insgesamt 45 Tonnen fertiger Fruchtjoghurts. Marktanalysen zeigten, dass Erdbeere der beleibteste Geschmack der Süßspeisen ist. Grund genug für das Verbrauchermagazin „konsument“ die breite Produktpalette genauer in Augenschein zu nehmen.

Im ersten Halbjahr 2011 fanden die Tester von „konsument“ 36 verschiedene Erdbeerjoghurts in Supermärkten von Wien bis Innsbruck. Darunter waren 18 mit dem AMA-Gütesiegel, sieben mit dem AMA-Bio-Siegel sowie elf in- und ausländische Produkte ohne AMA-Zeichen, die teils aus biologischer, teils aus konventioneller Landwirtschaft stammen, berichtet das Magazin.

Ausreichend gekühlt

Schwachpunkte in bisherigen Test der Konsumenteninformation konnten die Tester diesmal nicht finden: Die Lagertemperatur war bei allen getesteten Produkten einwandfrei. Allerdings wurde bemängelt, dass sich an manchen Regalen kein Thermometer finden ließ. Darüber hinaus wird der Kunde auch nie erfahren, wie lange ein Produkt im Warmen steht, bevor es in die Kühlung einsortiert wird.

Nicht die Beere alleine

Dass die Fruchtjoghurts – neben Milch und Zucker – nicht nur die Beere enthalten, entgeht vielleicht den meisten Konsumenten. Abgesehen von natürlichen und künstlichen Aromen finden sich beispielsweise Pektin, Johannisbrotkernmehl oder Maisstärke als Verdickungsmittel. Als Säureregulatoren dienen Zitronensäure, Natriumcitrat oder Natriumhydroxid und für die Farbe sorgen rote Rüben, Karottensaftkonzentrat oder echtes Karmin (E 120), so „konsument“.

Keine Beere satt

Ganz und gar nicht angetan zeigten sich die Tester vom Fruchtgehalt mancher Produkte. Hier mussten sie starke Schwankungen zur Kenntnis nehmen: Von satten 15 bis zu mageren 5,4 Prozent reichte die Bandbreite der enthaltenen Früchte. Wobei der niedrige Wert nach den Standards des Österreichischen Lebensmittelbuches eindeutig zu wenig ist, so „konsument“ – es sind nämlich mindestens sieben Prozent gefordert.

Fett wie beschrieben, Zucker meist zuviel

Genau nehmen es die Produzent bei der Ausweisung des enthaltenen Fettgehalts: Die aufgedruckten Nährwertangaben wichen kaum von den Testergebnissen ab. Bei einem mittleren Fettanteil von 2,7 g pro 100 Gramm verspeist man bei der häufigsten Verpackungsgröße von 180 Gramm 4,9 g Fett. Beim Zucker hingegen liegen die im Test ermittelten Werte oft häufig über den angegebenen Mengen. Ob im Joghurt weißer Rüben- oder brauner Rohrzucker steckt, ist für Kalorienbewusste egal, der Nährwert ist identisch, so „konsument“.
Steht der Zucker auf der Zutatenliste nach dem Joghurt an zweiter Stelle – noch vor den Erdbeeren –, übertrifft er definitiv den Beerenanteil. Wer also ernsthaft Zucker sparen will, mixt sich seine Nachspeise besser selbst aus Naturjoghurt und frischen Beeren, empfehlen die Tester.

Aus welcher Erde die Beeren kommen

Zunehmend wird es für Konsument ausschlaggebend, woher die Produkte des täglichen Lebens stammen. Deswegen wollte „konsument“ auch wissen, woher die Produzenten ihre Zutaten beziehen. Über die Herkunft der Milch wurde von den Produzenten fast immer nachvollziehbar Auskunft gegeben, so „konsument“. Hergestellt wurden die Früchtejoghurts überwiegend in Österreich, einige wenige in Deutschland, eine Marke lässt in Tschechien produzieren.
Aus welcher Erde die Erdbeeren stammen, ist hingegen weniger klar. Weniger als die Hälfte der Beeren stammt aus der EU, so die Auskünfte. 13 Hersteller hielten sich auf die Frage der Konsumenteninformation komplett bedeckt. Zwei Hersteller beziehen ihre Früchte aus China. „Nicht auszuschließen, dass auch andere Erzeuger Fernost-Früchte verwenden, ohne dazu zu stehen. Zufällig hat die Agrana eine große Produktionsstätte in China...“, hält „konsument“ fest.

Probiotisch – was???

Was sich zunehmend als Marketinggag etabliert hat – „reduziert einen Blähbauch“ etc. – und einen höheren Preis rechtfertigen soll, will die EU auf wissenschaftliche Beine Stellen. Sie hat eine Verordnung zu gesundheitsfördernden und krankheitsverhindernden Eigenschaften von Lebensmitteln erlassen (Health Claims), so „konsument“. Damit will die Gemeinschaft Verbraucher vor irreführenden, wissenschaftlich nicht belegten Angaben schützen. Zukünftig sind Behauptungen wie „Stärkt die Abwehrkräfte“ oder „Schützt vor Durchfall-Erkrankungen“ nur mehr erlaubt, wenn der Wirkstoff und auch die Werbeaussage genehmigt wurden. Die Kommission wird demnächst eine Liste der Zulassungen verabschieden, hält die Konsumenteninformation fest.
In den letzten Jahren wurden einschlägige Werbeaussagen von Wissenschaftern und Verbraucherschützern immer wieder angezweifelt. Mittlerweile hat die Europäische Agentur für Lebensmittelsicherheit (EFSA) die Wirkung der gängigsten Probiotika geprüft – mit dem Ergebnis, dass es keine signifikanten Unterschiede zwischen herkömmlichen und probiotischen Joghurtkeimen gibt. Daraufhin zogen die Firmen Danone (Activia, Actimel) und Yakult ihre Anträge auf Bestätigung ihrer Werbesprüche durch die EFSA zurück. „Bleibt zu hoffen, dass uns Konsumenten diese Augenauswischerei tatsächlich bald erspart bleibt“, so das Magazin.

Probiotische Lebensmittelergänzung

In der traditionellen Joghurtfermentierung wird der stark säuernde Lactobacillus bulgaricus eingesetzt. Er wird bei der Verdauung weitgehend von Magensäure und Gallensaft abgetötet. Überlebende Keime beeinflussen die Darmflora vorübergehend positiv. Mildere Bakterien – wie der Lactobacillus acidophilus – sind probiotisch. Das heißt, sie erreichen den Darm in großer Zahl unbeschadet und können dort ihre Stoffwechseltätigkeit entfalten. Tatsächlich haben Joghurts verdauungsregulierende und immunstimulierende Effekte. Allerdings unterscheiden sich probiotische Markenkulturen und traditionelle Milchsäurebakterien in ihrer Wirkung auf den menschlichen Körper nicht wesentlich, so „konsument“. Das Magazin bescheinigt allen getesteten Erdbeerjoghurts in Bezug auf ihre spezifischen Lebendkeimzahl eine einheitliche und hohe Qualität.

AMA-Produkte liegen vorne

Alles in allem schmeckten den Verkostern der Konsumenteninformation die meisten Produkte gut. Erzeugnisse ohne AMA-Zeichen schnitten etwas schlechter ab.

Zusammenfassung

  • Nicht naturrein. Erdbeerjoghurts müssen mindestens 7 Prozent Erdbeeren enthalten. Viele Hersteller sparen an der Frucht, verwenden aber reichlich Zusatzstoffe. Der genaue Blick aufs Etikett lohnt sich.
  • Zu viel Zucker. Während die Käufer sich auf den aufgedruckten Fettgehalt meist verlassen können, steckt in Erdbeerjoghurt oft mehr Zucker als auf der Verpackung angegeben.
  • Heimvorteil. In Österreich hergestellte, mit dem AMA-Gütesiegel oder dem roten AMA-Bio-Siegel versehene Erzeugnisse schmeckten den Verkostern besonders gut.
  • Mild statt sauer. Probiotische Keime punkten vorwiegend durch den milderen Geschmack des Joghurts. Für ihre angeblich bessere Wirkung auf die Darmflora gibt es keine fundierten Beweise.
  • Gut kühlen. Da Joghurt leicht verdirbt, sollten auf eine lückenlose Kühlkette geachtet werden. Wenn im Geschäft Paletten mit Milchprodukten länger außerhalb des Kühlregals stehen, heißt es: Finger weg!

Mag. Christian Boukal
November 2011


Foto: Bilderbox

Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2020