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Grillfleischtest: Vor Hühnern wird gewarnt

Grillfleischtest 1Jedes Jahr testet die Konsumenteninformation der Arbeiterkammer Oberösterreich (AK) fertiges Grillfleisch aus Supermärkten. Auch heuer wieder stießen die Tester auf eher unappetitliche Proben aus den Kühltruhen. Das Ergebnis der Tests: Schweinefleisch wies wesentlich wenigerQualitätsmängel auf als Hühnerfleisch.

 

AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer führt die gravierenden Qualitätsmängel auf unzureichende hygienische Bedingungen bei der Verarbeitung und Verpackung zurück. Darüber hinaus macht er zu lange Haltbarkeitsfristen und unterbrochene Kühlketten für die schlechte Qualität verantwortlich.

 

Ergebnis Hühnerfleisch

Sowohl bei den marinierten als auch bei den unmarinierten Proben stieg Schweinefleisch besser aus als die Henderln. Nur drei von zwölf untersuchten Hühnerfleischproben waren einwandfrei — eine musste sogar als gesundheitsschädlich eingestuft werden. Ein Drittel wurde als wertgemindert, ein weiteres Drittel musste als „für den menschlichen Verzehr ungeeignet“ beanstandet werden.

Ergebnis Schweinefleisch

Von zwölf untersuchten Schweinefleischproben, die Hälfte davon mariniert, waren zwei Drittel einwandfrei. Dabei waren die unmarinierten Proben leicht im Vorteil. Zwei Proben, je eine mariniert und eine unmariniert, waren wertgemindert und eine marinierte Schweinefleischprobe wurde als „nicht mehr für den menschlichen Verzehr“ geeignet befunden, so die AK.

Mängel bei Kühlung

Die Lagerungstemperatur, die laut Herstellerangaben auf den Verpackungen maximal plus vier Grad Celsius betragen sollte, wurde bei 14 der insgesamt 24 Fleischproben überschritten. Der gemessene Temperaturspitzenwert lag sogar bei 9,9°C. Die deklarierten Haltbarkeitsfristen von bis zu acht Tagen scheinen der AK demnach nicht realistisch zu sein. Die gemessenen Temperaturen ermöglichen eine rasche Vermehrung von Mikroorganismen, sodass man von einem rasch fortschreitenden Verderb der Ware ausgehen kann, stellt die AK fest.

Fleisch frisch und unmariniert kaufen

„Trotzdem heißt das für die Konsumentinnen und Konsumenten nicht, dass sie auf das Grillen verzichten müssen. Wir empfehlen, frisches Fleisch vom Fleischhauer in der Nähe zu kaufen und es am besten selbst zu marinieren“, sagt Dr. Georg Rathwallner, Leiter der AK-Konsumenteninformation.

Grillfleischtest 2





Wissenswertes rund ums Grillen

Grillen ist nicht nur die ursprünglichste Form der Zubereitung, sondern auch eine der gesündesten. Nährstoffe werden geschont, Fett wird gespart und sogar ausgebraten. Allerdings sollte man einige wichtige Grundregeln beachten, rät die AK-Konsumenteninformation:

  • Fleisch immer am selben Tag, an dem Sie grillen, frisch und am besten ungewürzt kaufen.

  • Leicht marmoriertes – mit Fett durchzogenes – Fleisch bleibt beim Grillen saftiger und enthält auch mehr Aromastoffe. Fettränder immer erst nach dem Grillen wegschneiden.

  • Achten Sie beim Kauf darauf, dass die Kühlkette nicht oder nur kurz unterbrochen wird. Verwenden Sie daher Kühltaschen für den Transport.

  • Trotz Fertigprodukten empfiehlt es sich, die Marinade selbst zu machen. Das Fleisch für ein bis zwei Stunden im Kühlschrank in eine Marinade aus Öl, verfeinert mit Kräutern, legen. Zusätzlich kann man noch Zitronensaft, Sojasauce, Wein oder Essig zugeben.

  • Vor dem Grillen das Fleisch aus dem Kühlschrank nehmen und auf Zimmertemperatur bringen: Damit es die Poren über der Hitze schneller schließen kann und saftiger bleibt.

  • Besondere Vorsicht ist bei der Zubereitung von Geflügel geboten: Besteck und Geschirr, das mit rohem Geflügel in Berührung kommt, muss sofort gründlich und heiß gereinigt werden. Auch die Hände einschließlich der Unterarme müssen sorgfältig gewaschen werden. Dasselbe gilt für Tücher, die mit rohem Fleisch in Kontakt gekommen sind: Auskochen oder Wegwerfen. Vielleicht nur Küchenpapier verwenden.

  • Das Fleisch sollte erst auf den Rost, wenn eine rauchlose Glut entstanden ist.
  • Das Fleisch immer vollständig durchbraten, um eventuelle Keime auch im Inneren abzutöten. Schweinefleisch nie blutig oder „medium“ (rosafarben) essen. Im Schweinefleisch vorhandene Trichinen (Parasiten) werden so nicht abgetötet und können sich im Körper des Menschen festsetzen. Bei Geflügel und Faschiertem besteht die Gefahr einer Salmonellenvergiftung.
  • Das Fleisch bleibt am saftigsten, wenn es bei konstanter Temperatur gegart wird.
  • Bestreichen Sie das Grillfleisch auch während des Grillens mit Marinade. Öl dient als Zartmacher und schützt zusätzlich vor Austrocknen und Verbrennen. Für die hohen Grilltemperaturen eignet sich Rapsöl am besten, aber auch Oliven-, Sonnenblumen- und Distelöl halten den Temperaturen stand.
  • Achtung bei Öl, das in die Glut tropft: Dadurch entstehen krebsverursachende Stoffe, die über den aufsteigenden Rauch in das Fleisch gelangen. Daher am besten Alutassen verwenden.
  • Verbrannte Stellen immer wegschneiden. Erstens sind sie ungenießbar und zweitens enthalten sie extrem hohe Mengen an krebserregenden Stoffen.
  • Gepökeltes oder Geräuchertes sollte nicht auf den Grill, da sich darin enthaltenes Nitrit unter Einwirkung hoher Hitze mit dem Eiweiß des Fleisches zu krebserregenden Nitrosaminen verbindet.
  • Zum Fleischwenden immer Zangen und keine Gabeln verwenden: Der Saft bleibt im Fleisch und rinnt nicht aus.
  • Grillfleisch immer erst nach dem Grillen salzen, da Salz Wasser bindet und das Fleisch dadurch an Saftigkeit einbüßt.

 

Mag. Christian Boukal
Juli 2008

Foto: Bilderbox

 

Zuletzt aktualisiert am 28. September 2020