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Fertigsalate: Inzwischen genießbar

Fertigsalate: Inzwischen genießbarRund zwanzig Lebensmitteltests führt der Verein für Konsumenteninformation pro Jahr durch. In den Jahren 2006 und 2007 wurden zum Beispiel verpackte Salate unter die Lupe genommen wurden. Damals taugten drei Proben nur mehr für den Müll, vier weitere waren durch Keimbelastung kaum mehr genießbar. Dieser Befund hat sich inzwischen stark verbessert, berichtet das Vereinsmagazin „Konsument“ in der Augustausgabe 2011.

Heikles Produkt

Im Frühsommer 2011 gingen die Tester von „Konsument“ wieder Mischsalate aus dem Kühlregal einkaufen – vom Diskonter bis zur Supermarktkette. Die Salatmischung bestanden aus verschiedenen Blattsalaten – meist Eisberg, Endivie, Frisée, Zuckerhut und Radicchio. Gewaschen und geschnitten werden sie essfertig in Plastikbeutel verpackt. Zerkleinerte Salatblätter sind heikel und müssen gekühlt gelagert werden. An ihren Schnittflächen tritt Zellsaft aus, der für Keime einen idealen Nährboden bildet, so „Konsument“.

Die Temperatur stimmt

Gute Kühlung ist somit das Wichtigste. Ideal ist eine Lagertemperatur von zwei bis vier °C. Sechs Grad sind kurzfristig gerade noch tolerierbar. Die Tester waren positiv überrascht: Zwischen 1,5 und 5,0 °C zeigten die Skalen der Kühltruhen.

Mindesthaltbarkeitsdauer verbessert

Sofort nach dem Einkauf wurden die Proben im Kühlauto in eine Untersuchungsanstalt transportiert. Dort wurden sie unter optimalen Bedingungen – wie auf den einzelnen Verpackungen angegeben – bis zum Ende der Mindesthaltbarkeitsfrist (MHD) gelagert. Am letzten Tag der MHD wurden die Packungen geöffnet und genau betrachtet, berochen, und ein paar Blätter wurden verspeist. Sämtliche Proben waren genusstauglich. Das konnte auch die anschließende mikrobiologische Untersuchung im Labor bestätigen. „Einen wichtigen Beitrag leistete hier wohl auch die seit unserem letzten Test vorgenommene Verkürzung der MHD durch einige Hersteller“, ist der „Konsument“ überzeugt.

Kein Silber in Verpackung

Seit längerem besteht der Verdacht, dass die Verpackungen mit Silbermolekülen behandelt werden, die antibakteriell und keimtötende wirken. „Konsument“ konnte in keiner einzigen Verpackung Silber nachweisen. Und auch obwohl Salat eine Nitratspeicherpflanze ist, blieben alle Proben unter dem für Freilandsalat festgelegten Grenzwert.

Wermutstropfen

Etwas zu meckern hatten die Fachleute vom „Konsument“ dennoch: Inhaltsstoffe von fertigen Lebensmitteln müssen in absteigender Reihenfolge ihres Gewichtsanteils angegeben werden. Enthält eine Mischung überwiegend Eisbergsalat, steht der an erster Stelle. Die Angabe „in veränderlichen Gewichtanteilen“ widerspricht den Vorschriften. Auf fünf Packungen fanden die Tester darüber hinaus keine Angaben zur Herkunft der Salate.
Was den Testern noch auffiel, waren die gewaltigen Preisunterschiede. Das Spektrum reicht von 0,45 bis 1,59 Euro pro 100 Gramm Salat. Ein echter Luxus, vor allem im Sommer, wenn frischer Salat auf den Märkten um wenig Geld angeboten wird. Schon im Juni war ein Häuptel Salat um nur 0,45 Euro zu haben, so der „Konsument“.

Unbedingt waschen

Der untersuchte Salat war gewaschen, essfertig und enthielt kaum Keime. Waschen überflüssig? Univ.Prof. DI Dr. Mohammad Manafi vom Institut für Hygiene und Angewandte Immunologie an der Medizinischen Universität Wien auf diese Frage des „ Konsument“: „Auch wenn das Testergebnis erfreulich gut ist: Verlassen sollte man sich darauf nicht. Es gibt immer ein Restrisiko. Natürlich sterben auch durch das Dressing eventuell vorhandene Bakterien ab. Manche davon vertragen aber problemlos Säure. Ich empfehle daher, verpackten Salat daheim vor dem Essen immer sorgfältig zu waschen, am besten mit viel lauwarmem Wasser.“

Fazit

Die Gemüsebauern kümmern sich mit guter landwirtschaftlicher Praxis um ihren Salat, die Verarbeiter und Verpacker arbeiten sauber und liefern ein erstklassiges Produkt in die Geschäfte. Und der Handel sorgt mit ausreichender Kühlung dafür, dass diese Qualität auch erhalten bleibt und nicht vorzeitig verdirbt. „Ein wirklich schönes Ergebnis“, so der „Konsument“.

Zusammenfassung

  • Angst inzwischen überflüssig
    Verpackter Salat kann inzwischen unbesorgt verspeist werden. Alle untersuchten Proben waren von tadelloser Qualität und frei von gefährlichen Keimen.
  • Nur gekühlt.
    Finger weg von ungekühlter Ware, die gelegentlich bei Diskontern auftaucht. Verpackten Salat nur dort kaufen, wo er ausreichend gekühlt wird. Temperaturanzeige in der Vitrine kontrollieren.
  • Ablaufdatum
    Auf die Mindeshaltbarkeit (MHD) achten. Am besten einen Salat aussuchen, bei dem die MHD noch einige Tage entfernt ist.
  • In den Kühlschrank
    Salat am besten in der Kühltasche nach Hause transportieren und sofort in den Kühlschrank legen.
  • Bald verspeisen
    Nicht bis zum Ende der MHD warten, sondern Salat möglichst bald essen. Grünzeug wird durch langes Lagern nicht besser.
  • Mit allen Sinnen
    Nach dem Öffnen der Packung schauen und riechen. Salat mit braunen Blättern und dumpfen Geruch sofort entsorgen.
  • Besser waschen
    Verpackten Salat vor dem Verzehr nach Möglichkeit waschen. Sind Keime vorhanden, können diese damit größtenteils entfernt werden.
  • Nichts aufheben
    Häufig werden Salate mit Schutzgas abgepackt. Es entweicht beim Öffnen und Keime können ungehindert wachsen. Daher keine angebrochenen Verpackungen im Kühlschrank bunkern.


Die genauen Testergebnisse können kostenpflichtig unter http://www.konsument.at/cs/Satellite?pagename=Konsument/MagazinArtikel/Detail&cid=318877678319&pn=2 nachgelesen werden.

Mag. Christian Boukal

August 2011

Foto: Bilderbox

Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2020