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Fruktose für Diabetiker nicht empfehlenswert

Fruktose für Diabetiker nicht emfehlenswertDiabetikern wurde lange Zeit geraten, herkömmlichen Zucker durch Fruchtzucker (Fruktose) zu ersetzen. Fruktose wird auch bevorzugt in Lebensmitteln für Diabetiker eingesetzt. Weil aber Diabetes Typ 2 keine reine „Zuckerkrankheit“ ist, sondern auch mit Störungen des Protein- und Fettstoffwechsels einhergeht, hat das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) den Einfluss von Fruktose auf den Stoffwechsel untersucht.

Das Institut kam zu dem Ergebnis, dass Fruktose keine Vorteile hat und der Einsatz nicht zu empfehlen ist. Entsprechend hält das Institut auch das Prädikat „für Diabetiker geeignet“ für verzichtbar.

Fruktose begünstigt „metabolisches Syndrom“

Zu dieser Einschätzung gelangte das BfR bei der Sichtung aktueller internationaler wissenschaftlicher Studien zum Thema Fruktose und Entstehung des metabolischen Syndroms sowie Fettleibigkeit und Fettsucht (Adipositas). Als „metabolisches Syndrom“ wird das gleichzeitige Auftreten von Übergewicht, Fettstoffwechselstörungen, Bluthochdruck und Insulinresistenz bezeichnet. Viele neue Forschungsergebnisse kommen zu dem Ergebnis, dass sich eine verstärkte Aufnahme von Fruktose über industriell gefertigte Lebensmittel – wie etwa mit Fruktose gesüßte Limonaden – nachteilig auf die Gesundheit auswirkt.

Fruktose beeinflusst hormonelle Gewichtsregulierung

Fruktose fördert Adipositas, weil sie die hormonelle Gewichtsregulation beeinflusst. Darüber hinaus wird das metabolischen Syndrom begünstigt, das in engem Zusammenhang mit Diabetes mellitus Typ 2 steht. Tierexperimente zeigten ein vermehrtes Auftreten von Insulin im Blut, krankhaft erhöhte Blutfettwerte sowie Harnsäure, wenn hohe Mengen an Fruchtzucker aufgenommen wurden.

Studien an Menschen kamen zu dem Ergebnis, dass Fruktose die Neubildung sowie die Einlagerung von Fetten in Fettgewebe und Leber fördert. Damit in Zusammenhang stehen die nicht alkoholbedingte Fettleber – einem frühen Anzeichen des metabolischen Syndroms –, sowie erhöhte LDL-Cholesterin- und Blutfettwerte. Beides sind Risikofaktoren für Herz-Kreislauferkrankungen, so das Institut.

Besser Obst und Gemüse

Aus Sicht der deutschen Spezialisten bestätigen damit viele Autoren die Empfehlung, auf Fruktose als Zuckerersatz in industriell gefertigten Lebensmitteln zu verzichten. Diabetiker sollten vielmehr auf eine ballast- und vitaminreiche Kost aus Obst, Gemüse und Salat sowie Hülsenfrüchten und Vollkornprodukten achten.

Aktuelle Forschung

Fruktose führt im Vergleich zu herkömmlichem Zucker (Glukose) zu einer geringeren Insulinausschüttung. Dennoch wiesen die Untersuchungen des BfR darauf hin, dass eine erhöhte Fruchtzuckeraufnahme ungünstige Wirkungen auf den Stoffwechsel und somit auf das metabolischen Syndrom haben. „Aus diesem Grund wird nach gegenwärtigem Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse der Verzehr von Fruktose als Zuckeraustauschstoff für Diabetiker nicht mehr empfohlen“, so das Institut. „Darüber hinaus sind nach neueren wissenschaftlichen Erkenntnissen spezielle Diabetiker-Lebensmittel für Diabetiker entbehrlich und werden nach derzeitiger Datenlage aus ernährungsmedizinischer und diabetologischer Sicht nicht mehr empfohlen.“

Die Dosis ist ausschlaggebend

Bisher wurde davon ausgegangen, dass Fruktose ein nützlicher Ersatzstoff für Saccharose und Glukose ist, weil in der ersten Phase des Fruktose-Stoffwechsels kein Insulin benötigt wird. Dem Insulin wird eine zentral-nervös vermittelte Sättigungsfunktion zugeschrieben. Diese Funktion erfüllt auch das Hormon Leptin, das wiederum von der Fruktose in seiner Ausschüttung gehemmt wird. Deswegen könnte der Ersatz von Glukose durch Fruktose zu vergleichsweise geringeren Sättigungssignalen führen.

Für Patienten mit einer Diabetes mellitus Typ 2-Erkrankung steht eine energiereduzierte Ernährung – vor allem mit Obst und Gemüse – im Vordergrund der Ernährungstherapie, da die Mehrzahl dieses Diabetes-Typs übergewichtig ist, so das BfR. Das Institut hält die weitere Verwendung von Fruktose als Zuckeraustauschstoff in industriell gefertigten Lebensmitteln aus ernährungsmedizinischer Sicht nicht für sinnvoll.

Mag. Christian Boukal
Dezember 2009


Foto: Bilderbox

Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2020