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Cholesterin senken

Cholesterin senkenEin zu hoher Cholesterinspiegel dürfte der entscheidende Risikofaktor für Gefäßerkrankungen sein. Bei zu hohen Konzentrationen kommt es zu Ablagerungen an den Blutgefäßwänden und in weiterer Folge zu Durchblutungsstörungen. Schlaganfall und Herzinfarkt, die zu den häufigsten Todesursachen in Industrieländern zählen, können daraus resultieren.

Lebensnotwendiges Cholesterin

Cholesterin erfüllt im menschlichen Organismus wichtige Aufgaben. Es ist eine fettähnliche Substanz und spielt eine wichtige Rolle beim Wachstum von Zellen, bei der Bildung einiger Hormone und der Gallenflüssigkeit. Unser Körper produziert die notwendige Menge selbst und kann auf die Cholesterin-Zufuhr von außen verzichten.

Im Stoffwechsel kommt Cholesterin in zwei verschiedenen Arten vor: Als „gutes“ HDL-Cholesterin (high density lipoproteins) und als „schlechtes“ LDL-Cholesterin (low density). Das hochdichte HDL schützt vor Arterienverkalkung. Ein hoher LDL-Wert ist für Gefäßschädigungen verantwortlich und erhöht das Risiko von Herzkreislauf-Erkrankungen.

Cholesterinwerte werden in einer Blutuntersuchung ermittelt. Ab einem Gesamtcholesterinwert von 200 mg pro Deziliter Blut spricht man von einem erhöhten Wert und es sollten LDL und HDL getrennt bestimmt werden.

Verhältnis der Werte entscheidet

Auschlaggebend ist das Verhältnis von LDL zu HDL. Hohes LDL- (bzw. Gesamtcholesterin) und gleichzeitig niedriges HDL-Cholesterin bedeuten ein erhöhtes Risiko für eine Herzgefäßerkrankung. Ein hoher HDL-Spiegel (Männer mehr als 35 mg/dl; Frauen über 45 mg/dl) dagegen verbessert den Gesamtcholesterinwert. „Anzustreben ist ein Wert des Gesamtcholesterin unter 200mg/dl sowie ein LDL-Spiegel unter 130 mg/dl“, sagt Neurologe OA Dr. Milan R. Vosko, Leiter der Stroke Unit im AKH Linz. Bei Hochrisikopatienten (Übergewicht, Bluthochdruck) sollte der Wert sogar unter 70/mg/dl liegen.

Ursachen für hohen Cholesterin-Wert

Ursachen eines erhöhten Wertes sind meist erbliche Veranlagung, Lebensgewohnheiten, bestimmte Medikamente sowie Erkrankungen. „Es gibt Daten, die zeigen, dass bis zu 25 Prozent der Erwachsenen an einer Erhöhung der Serumcholesterinkonzentration leiden. Man nimmt an, dass es sich um eine genetische Prädisposition handelt, die jedoch durch zusätzliche Faktoren wie Übergewicht und Bewegungsmangel verstärkt wird“, so Vosko.

Als „Polygene Hypercholesterinämie“ bezeichnen Mediziner eine Cholesterin-Konzentration vonüber 200 mg/dl, für die keine bestimmten Ursachen zu finden sind. Vermutet wird, dass es anlagebedingt trotz üblicher Ernährungsgewohnheiten oder Verminderung der weiblichen Geschlechtshormone nach dem weiblichen Wechsel zu überhöhten Cholesterinwerten kommt.

Zuviel Cholesterin lässt sich unter anderem auch auf Schilddrüsenunterfunktion, Zuckerkrankheit, Fettsucht, Erkrankung der Niere oder der Leber oder Magersucht zurückführen.Auch bestimmte Medikamente wie etwa Kortison, harntreibende Medikamente und manche Betablocker können die Werte erhöhen.

Drastische Senkung lebensrettend

Die Senkung des LDL-Cholesterin-Spiegels schützt vor tödlichen Herz-Kreislauf-Erkrankungen. „Grundlage jeder Behandlung ist die Normalisierung des Körpergewichts, vermehrte körperliche Aktivität, Ernährung mit weniger Fett bei gleichzeitiger Erhöhung des Anteils an ungesättigten Fettsäuren“, so Vosko. „Fleisch, Eier, Butter, Schlagsahne, Käse, Innereien sind reich an Cholesterin, deshalb sollte man entsprechend kleine Mengen essen. Ein Ei enthält etwa 200 mg Cholesterin, was beinahe der empfohlenen Tagesdosis von 300 mg entspricht“, veranschaulicht Vosko. Auch Alkohol sollte sparsam genossen werden: Nicht mehr als 25 Gramm pro Tag, was einem halben Liter Bier oder einem viertel Liter Wein entspricht. „Wenn es schon Alkohol sein muss, sollte man alkoholische Getränke am besten zum Essen konsumieren“, sagt Vosko.

Regelmäßig bewegen, lässt die Werte schmelzen

Regelmäßige Bewegung ist extremer sportlicher Belastung vorzuziehen: Am besten 30 bis 60 Minuten pro Tag an mindestens zwei Tagen in der Woche. Es eignen sich längeres Gehen, Nordic Walking, Wandern, Fahrrad fahren, aber auch Schwimmen, Langlaufen oder Gartenarbeit. „Insgesamt ändert man unbewusst mit mehr sportlichen Aktivität auch die Essgewohnheiten. Man reduziert Körpergewicht, optimiert den Blutdruck und so ist es möglich das Risiko eines Schlaganfalls bis zu 90 Prozent zu reduzieren“, sagt Vosko.

Fettsenker

Ein hoher LDL-Cholesterin-Spiegel kann auch mit so genannten Statinen (Fettsenkern) effektiv gesenkt werden. Statine führen zu einer Reduktion des Schlaganfallrisikos um zirka 25 Prozent. „Fast alle Patienten nach einem Schlaganfall oder Herzinfarkt, oder nach Operationen der Halsschlagader profitieren von fettsenkenden Medikamenten“, sagt Vosko. Diese Medikamente können auch dann zum Einsatz kommen, wenn man aufgrund erblicher Belastung trotz gesundem Lebensstil den Wert nicht senken kann.

Verfügbar sind auch Medikamente, die die Aufnahme des Cholesterins aus die Nahrung blockieren (Resorptionshemmer). Diese Medikamente werden eingesetzt, wenn Statine nicht zielführend sind oder nicht vertragen werden.

 

Dr. Thomas Hartl
Juni 2008

Foto: Bilderbox

Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2020