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Her mit dem Salat

Her mit dem SalatSind Kopfsalat, Eisbergsalat, Romana und Rucola nur wertlose Zellulosebüschel? Abenteuerliche Theorien verunsichern die Verbraucher, berichtet der deutsche Mediendienst obx-medizindirekt.

Salat habe den gleichen Nährwert wie ein Papiertaschentuch mit einem Glas stillen Wassers, behauptet etwa der Lebensmittelchemiker Udo Pollmer in seinem neuen Buch „Esst endlich normal!“. Zwar gibt es Salatgegner, die seine These unterstützen, aber von gesundheitsbewussten Lesern weht auch stürmischen Gegenwind. Denn der Ernährungsexperte Pollmer rät überhaupt dazu, nur noch zu essen, was man mag – und alles zu meiden, was Gesundheit verspricht.

Falsch essen – aus Tradition

Fest steht, dass die westliche Wohlstandsgesellschaft nur deshalb so sehr unter Übergewicht und durch Überernährung bedingten Krankheiten leidet, weil sie über viele Jahre eben nie konsequent das gegessen hat, was vom gesundheitlichen Standpunkt aus empfehlenswert wäre, sondern immer nur das, was sie mag: Wenig Salat, Obst und Gemüse, kaum Vollkornprodukte, dafür aber viel Wurst, Fleisch, fettes Geflügel, Süßigkeiten, Schokolade, gezuckerte Limonaden und gehaltvolle Brotaufstriche.
Ernährungsexperte Prof. Hans Hauner von der Universität München hat durchaus Recht, wenn er sagt: „Salat wird eher überbewertet im Vergleich zu anderem Gemüse“. Im Vergleich zum Salat sind Spinat, Grünkohl und Brokkoli, Möhren und Löwenzahn die reinsten Vitalstoffbomben. Dennoch haben Blattsalte einen unschätzbaren Vorteil: Sie bringen ein großes Volumen bei sehr geringem Brennwert mit sich. Das füllt den Magen und macht eher satt. Außerdem enthalten sie neben Vitaminen und Mineralstoffen auch Ballaststoffe, die unverzichtbar für unsere Gesundheit sind.

Gesunde Kost

Sogar der Gehalt an Ballaststoffen ist für Pollmer Anlass zum Spott: „Eine Currywurst enthält wahrscheinlich mehr Ballaststoffe als ein Kopfsalat“, sagt er. Aber er irrt. 100 Gramm Currywurst enthalten 0,1 Gramm Ballaststoffe, dafür aber 23,5 Gramm Fett; Eisbergsalat enthält immerhin 1,8 Gramm Ballaststoffe, also 18-mal mehr. Und nur 0,3 Gramm Fett, also 78-mal weniger als die Currywurst, so obx-medizindirekt.
Außerdem enthalten Salate so genannte sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe: Citrin, Rutin, Quercetin, Kaempferol, Myricetin, Apigenin, Lycopen oder Luteolin. Diese noch längst nicht gründlich untersuchten Stoffe können, soviel man heute schon weiß, Entzündungen hemmen, Allergien bekämpfen, die Kraft von Vitaminen vervielfachen und Ablagerungen in Arterien verhindern, die zum Herzinfarkt führen.

Hunger stillen ohne Kalorien

Was steckt noch Gutes im Salat? Jedenfalls kaum Vitamine, kaum Mineralstoffe. Das stimmt natürlich, rein rechnerisch. Denn 100 Gramm Eisbergsalat enthalten zum Beispiel nur 1,6 Gramm Kohlenhydrate, etwa ein Gramm Eiweiß und 0,2 Gramm Fett. Das ist wenig und freut Menschen, die auf ihr Gewicht achten. Denn der Wert des Salates besteht für die meisten Salatliebhaber ja gerade darin, dass er wenig Nährstoffe enthält: ganze 13,1 Kalorien bringen 100 Gramm Eisbergsalat.

Grünes Beruhigungsmittel

Der französische Naturheiler Maurice Messegué hat schon vor über 30 Jahren in seinem Buch „Die Natur hat immer recht“ über den Kopfsalat geschrieben: „Der so geschätzte Kopfsalat verdient seinen Spitznamen ‚Kraut der Weisen’. Warum? Vor allem auf Grund seiner beruhigenden Wirkung. Unsere ‚Nervenbündel’ sollten jeden Abend Salat essen, dann hätten sie eine gute Nacht.“
Lassen Sie sich also durch die Pollmer-Aussagen nicht davon abhalten, frisches Grün auf den Tisch zu bringen. Achten Sie darauf, Blattsalate so frisch wie möglich zu verzehren, möglichst vor dem Zerkleinern zu waschen und sie auch mal mit anderen Salaten zu mischen – zum Beispiel Tomaten, Stangensellerie, Chinakohl, Gurken, Fenchel, Feldsalat, Paprika, Möhren, Radicchio oder Zucchini. Das bringt zusätzlich Farbe und Vitamine in die Salatschüssel.

Mag. Christian Boukal
Dezember 2012


Foto: obx-medizindirekt

Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2020