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Käse-Imitate rar gestreut

Käse-Imitate rar gestreutEcht oder Imitat? Das Magazin „Konsument“ wollte von 104 Unternehmen wie Bäckereien, Handelsunternehmen, Fastfood-Anbietern, Molkereien und Pizzazustelldiensten wissen, ob und inwieweit Käse-Imitate verwendet oder hergestellt werden.

85 Firmen antworteten und verneinten großteils. Lediglich zwei Handelsketten führen der Erhebung zufolge „Analogkäse“ und zwei Hersteller produzieren Analogkäse. Im Lebensmittelhandel sind derzeit nur drei Analogkäse-Produkte erhältlich. Dennoch: Jedes fünfte Unternehmen ließ sich nicht in die Karten schauen.
 

Pizza

Besonders Pizzazustelldienste geizten mit Auskünften, so „Konsument“. Von insgesamt 23 angeschriebenen Zustelldiensten ignorierten 16 die Anfrage. Laut Brancheninformationen ist die Verwendung von Mischungen aus Käse und Käse-Imitat hier aber durchaus üblich. Doch nur ein Zustelldienst gab auch an, eine solche zu verwenden. 

Kennzeichnung und Inhalt

„Käseimitate sind zwar grundsätzlich nicht gesundheitsschädlich und können für Veganer oder Allergiker eine Alternative darstellen. Qualitative Mindeststandards gibt es aber derzeit nicht. Aus unserer Sicht ist zudem eine klare Kennzeichnung der Lebensmittelimitate notwendig“, fordert „Konsument“-Ernährungswissenschafterin Birgit Beck. Eine Spezielle Kennzeichnungspflicht für „Analogkäse“ gilt in der EU nicht.
„Kunstkäse“ wird nicht immer versteckt angeboten. Im angloamerikanischen Raum wird er bewusst als Alternative für die „vegane“ Ernährung – d. h. ohne jedes tierische Eiweiß – angeboten.
Als Käse-Imitat oder Analogkäse wird Käse bezeichnet, die nicht oder nur zu einem Teil aus Kuhmilch oder Milchprodukten hergestellt werden. Bei diesem Käse wird das Fett der Milch durch andere tierische oder pflanzliche Fette ersetzt, teilweise auch das Milcheiweiß. Käseimitat muss keinem Reifungsprozess unterworfen werden, deshalb ist der Produktionszyklus gegenüber herkömmlichem Käse stark verkürzt.
Als Grundstoffe dienen meist Wasser, Milch-, Soja- oder Bakterieneiweiß sowie Pflanzenöle, teilweise auch Stärke.
Gemäß einer EU-Verordnung dürfen Erzeugnisse, bei denen Milchfette gegen pflanzliche Fette ausgetauscht werden, nicht als Käse bezeichnet werden. Namen wie „Kunstkäse“, „Analogkäse“ oder „Käseimitat“ sind demnach nicht gestattet. Im Regal finden sich die Produkte dann unter solchen Phantasienamen wie „Pizza-Mix“ oder ähnliches. 

Eigenschaften und Verträglichkeit

Käse-Imtitate sind wesentlich kostengünstiger herzustellen wie herkömmlicher Käse. Gesundheitliche Gefahren gehen von ihnen nicht aus, sie enthalten jedoch einen höheren Fettanteil und die enthaltenen Sojaanteile könnten für Allergiker Probleme bereiten.

In Österreich werden nach EU-Informationen jährlich rund 10.000 Tonnen Analogkäse verbraucht. Das entspricht einer Milchmenge von 100.000 Tonnen beziehungsweise einer Milchproduktion von rund 18.000 Kühen.

Details zum Test sowie ausgewählte Rückmeldungen von befragten Anbietern gibt es im Oktober-„Konsument“ und kostenpflichtig auf www.konsument.at.

Mag. Christian Boukal / Cornelia Schobesberger
November 2009


Foto: Bilderbox
 

Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2020