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Mineralstoffe: Die Dosis macht´s

Die Dosis machtsNahrungsergänzungsmittel sind kaum nötig. Die Natur hat Mineralstoffe auf allerlei Schmackhaftes aufgeteilt: Kalzium in der Milch, Magnesium in Bananen und Jod in den Fischen. Durch eine ausgewogene Ernährung wäre der Tagesbedarf leicht zu decken. In der Praxis sind Österreichs Kinder aber zu 20 Prozent mit Kalzium unterversorgt und viele Frauen leiden an Eisenmangel. Auch bei Jod und Folsäure gibt es Defizite.
 

Mineralstoffe sind nicht-organische Stoffe, die über die Nahrung zugeführt werden müssen. Sie sind beispielsweise Bestandteile der Zähne und des Skeletts oder sorgen in gelöster Form als Elektrolyte für die korrekten Eigenschaften der Körperflüssigkeiten. Je nach der Menge, mit der sie im Körper vorkommen, unterscheidet man zwischen Mengenelementen wie Kalium, Kalzium oder Magnesium und Spurenelementen wie Arsen, Fluor oder Eisen.

Problem Kalzium

Bis zu 750.000 Österreicherinnen und Österreicher leiden an Osteoporose in verschiedenen Stadien. Mehr Milchprodukte und damit Kalzium könnten der Abnahme der Knochendichte vorbeugen. Doch schon Kinder erreichen selten den Referenzwert von etwa 1.000 mg Kalzium pro Tag. Die Wirtschaft weiß das und bewirbt kalziumangereicherte Milchprodukte, Schokolade und sogar Packerlsuppen heftig wie nie zuvor. "Bei Kalzium spricht nichts gegen eine Anreicherung, aber dadurch wird der Schokoriegel nicht gesünder", meint Dr. Wagner. Er würde lieber den Milchkonsum an sich beworben wissen.

Grundsätzlich gilt: Die Aufnahme von zusätzlichen Mineralstoffen ist nur in Ausnahmefällen nötig. In der Schwangerschaft und während der Stillzeit brauchen Frauen deutlich mehr Kalzium, Eisen und Folsäure. Leistungssportler benötigen vor allem ausreichend Magnesium. Spröde Fingernägel, Muskelkrämpfe oder dauernde Müdigkeit deuten auf einen Mangel an Mineralstoffen hin. Obwohl auch in diesen Fällen die Ernährung die wichtigste Medizin bleibt, kann der Hausarzt Supplemente verschreiben. Bei einer konstanten "Überdosis" an Kalium und Magnesium können sich vermehrt Harnsteine bilden. Bei älteren Menschen, die oft viele Mittel gleichzeitig einnehmen müssen, drohen unabsehbare Komplikationen. Wer sich an den Beipackzettel hält, hat bei handelsüblichen Präparaten freilich nichts zu befürchten. Obst und Gemüse bleiben jedoch die sichersten Lieferanten von Vitaminen und Mineralstoffen. Der Rat von Dozent Wagner: "Essen Sie alle Farben! Ein grüner Paprika hat andere Inhaltsstoffe als ein roter."

Fritz Kalteis
April 2006

Foto: OÖGKK, privat


Kommentar

Mineralstoffe: Die Dosis machts"Eine ausgewogene Ernährung ist für die Medizin wichtiger als Zusatzpräparate. Bei Mineralstoffmangel sollte der erste Schritt also eine Umstellung der Essgewohnheiten sein. Die Japaner machen es vor und essen viel Gemüse und Fisch, aber wenig Fleisch."
A.o. Univ.-Prof. Dr. Karl-Heinz Wagner
Institut für Ernährungswissenschaften, Universität Wien

Zuletzt aktualisiert am 13. November 2020