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Freie Radikale: Radikale Gefahr

Freie Radikale: Radikale GefahrFreie Radikale bescheunigen Krankheiten und den Alterungsprozess. Sie sind unberechenbar und zerstörerisch: freie Radikale, die durch unseren Körper schwirren, Krankheiten begünstigen und dafür sorgen, dass wir altern. Doch der Mensch ist diesen Molekülen nicht hilflos ausgeliefert, sondern kann sich dagegen schützen.

Sauerstoff ist lebensnotwendig, nicht nur für Menschen, sondern auch für Tiere und Pflanzen. Doch Sauerstoff löst auch Reaktionen aus, auf die man gerne verzichten könnte: Aufgeschnittenes Obst wird braun, Fett, das an der Luft steht, ranzig. Und Eisen beginnt zu rosten, wenn es ohne Schutz der Luft ausgesetzt wird.

Ähnlich ergeht es dem Körper, auch er wird mit der Zeit im übertragenen Sinn „ranzig und rostig“. Schuld daran sind die sogenannten freien Radikale. Was wie eine extremistische Partei klingt, entsteht bei Stoffwechselvorgängen im Körper: Moleküle mit einem ungepaarten Elektron. Weil ihnen ein Elektron fehlt, trachten sie danach, sich dieses woanders zu holen, und attackieren intakte Moleküle. Diese geraten dann unter denselben Zugzwang und suchen sich wieder neue Opfer. Es entsteht eine Kettenreaktion, die zu Zellschäden führen kann. Wird der Körper von zu vielen freien Radikalen attackiert, spricht man von „oxidativem Stress“. Dieser schwächt das Immunsystem, lässt die Haut altern und begünstigt die Entstehung von Entzündungen und Krankheiten wie Alzheimer, Krebs, Rheuma und Arterienverkalkung.

Praktisch wäre es also, wenn man diese freien Radikale ganz gezielt und vorbeugend bekämpfen könnte, etwa durch Einnahme von Medikamenten. „Das aber funktioniert nicht“, erklärt Oberarzt Dr. Peter Grafinger von der zweiten Internen Abteilung im AKh Linz. Denn freie Radikale sind unberechenbar, entstehen durch die Nahrung im Darm, besonders durch Fett-Eiweiß-Gemisch von Mittag- und Abendessen (Prooxidation). Wichtig ist daher, parallel dazu sogenannte Radikalfänger aufzunehmen und nicht etwa vorbeugend zum kohlenhydratreichen Frühstück. „Wenn man morgens das Haus verlässt, kann man auch nicht einen Kübel Wasser ausschütten, weil es am Abend möglicherweise brennen könnte“, sagt Grafinger. Dass Bewohner von Mittelmeerländern trotz vieler Risikofaktoren sehr wenig Gefäßschäden aufweisen und alt werden, erklärt sich durch die ausgewogene Ernährung. Eine permanente Kombination von Fleisch und Fisch mit buntem Gemüse, etwas Obst und Rotwein und bestem Ölivenöl führt zu dem Phänomen, das unter französisches Paradox bekannt ist.

Wegen freier Radikale muss niemand verzweifeln. Der Körper ist nämlich in der Lage, sich selbst zu schützen. Man muss allerdings dafür etwas tun. Grafinger: „Wichtig ist die Balance zwischen freien Radikalen und sogenannten Antioxidanten.“ Diese Radikalfänger sind im Gegensatz zu den freien Radikalen spendierfreudig und können ihnen wieder ein Elektron überlassen. Antioxidanten finden sich vor allem in Obst und Gemüse. Wer sich also vernünftig ernährt, muss nicht extra zu Präparaten greifen, die als Waffen im Kampf gegen freie Radikale beworben werden. Umgekehrt gilt es natürlich alles zu vermeiden, was die Entstehung von freien Radikalen begünstigt: Rauchen, zu viel direkte Sonne und Stress.

Bunter Schutzschild

Je ausgewogener und abwechslungsreicher man sich ernährt, desto mehr Antioxidanten stehen im Kampf gegen die freien Radikale zur Verfügung. Gute Radikalfänger sind vor allem Vitamin C (Zitrusfrüchte, Tomaten, Paprika), Vitamin E (pflanzliche Öle, Getreide, Keime und Nüsse) und sekundäre Pflanzenstoffe wie Carotinoide (Karotten, Kürbisse, Mangos). Wichtig ist, Gemüse und Obst frisch und mit Schale zu essen, da die meisten Oxidanten in der Schale stecken. Gleiches gilt für Vollkornprodukte. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt täglich fünf Portionen Obst und Gemüse, wobei die Größe der Portion etwa der Größe der eigenen Faust entsprechen soll.

Birgit Baumann

April 2011

Foto: Bilderbox, privat


Kommentar

Print 4/2010"Es ist für gesunde Menschen nicht nötig, spezielle Medikamente zu nehmen, um freie Radikale zu bekämpfen. Viel wichtiger ist es, auf eine gesunde Lebensweise zu achten."
OÖ Dr. Peter Grafinger
Interne Abteilung II, AKH Linz

Zuletzt aktualisiert am 13. November 2020