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Schoko, Fett, Zucker: Die süße Versuchung

schokolade macht glücklich - SchokoladentafelnWinterzeit ist Hochsaison für Naschkatzen und Schokotiger. Manche behaupten ja, Schokolade mache glücklich.
Egal ob Vollmilch oder Zartbitter, gefüllt oder pur, als Tafel, Riegel, Keksglasur oder als Schokofläschchen am Weihnachtsbaum, es gibt kaum jemandem, der sich der süßen Versuchung dauerhaft widersetzen kann. Jeder Österreicher lässt sich davon etwa sage und schreibe acht Kilo pro Jahr auf der Zunge zergehen.

Inhaltsstoffe

Schokolade besteht Hauptsächlich aus Fett und Zucker, was auch ihren hohen Nährwert begründet - in hundert Gramm dieser dunklen Köstlichkeit stecken gleich viele hundert Kalorien. Außerdem sind etwa 600 weitere Substanzen in geringen Mengen in der Schokolade enthalten, darunter Theobromin, Coffein oder Tryptophan - eine Aminosäure und Vorstufe des Glückshormones Serotonin. Wie diese Substanzen im menschlichen Organismus wirken, ist bis heute kaum untersucht. Allerdings ranken sich darum allerlei Gerüchte. Manche dieser Substanzen sollen süchtig machen. Andere sollen körpereigene, opiatähnliche Botenstoffe (Endorphine) freisetzen. Vor allem das Tryptophan in der Schokolade soll glücklich machen.

Glücksbringer Schokolade

Schokolade wirkt angeblich stimmungsaufhellend. Diese Wirkung wird vor allem dem Tryptophan zugeschrieben. Der hohe Zuckergehalt führt dazu, dass diese Aminosäure vermehrt ins Gehirn strömen kann. Aus ihr entsteht dort Serotonin, ein Botenstoff, der unter anderem für den Schlaf-Wach-Rhythmus, die Kreislaufregulation und unsere Befindlichkeit verantwortlich ist. Wird viel Serotonin im Gehirn gebildet, z. B. ausgelöst durch Sonnenlicht, so wirkt sich das positiv auf unsere Stimmung aus. Um diesen Effekt zu erreichen muss man allerdings regelmäßig große Mengen Schokolade essen und das ebenfalls in der Schokolade enthaltene Eiweiß verhindert den Einstrom von Tryptophan ins Gehirn; deswegen ist diese Hypothese umstritten. „Es gibt zahllose Studien über Schokolade, die aber deren Wirkung nicht zur Gänze klären können“, so Mag. Ariane Christine Hitthaller, Ernährungswissenschaftlerin.

Mit Maß und Ziel

Schokolade sollte kein Grundnahrungsmittel sein. Das heißt: Mit Schokolade sollte man nicht seinen täglichen Energiebedarf decken. Vielmehr ist Schokolade ein Genussmittel. „Weniger aber dafür hochwertiger“ lautet das Zauberwort. „Es gilt wie überall Qualität vor Quantität. Prinzipiell ist zu beachten: Je höher der Kakaoanteil d. h. je dunkler die Schokolade ist, desto höher ist die Qualität. Wer hochwertige Schokolade kauft, hat mehr davon“, erläutert Hitthaller. Allerdings sollten Menschen mit Vorerkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck, Arteriosklerose oder erhöhten Blutfetten auch beim Genuss von Schokolade vorsichtig sein.

Suchtfaktor Schokolade

In der Tat sind in Schokolade Substanzen gefunden werden, die ein Sucht erregendes Potenzial besitzen. Allerdings in so geringen Konzentrationen, dass man Unmengen Schokolade essen müsste - so ungefähr 20 bis 30 Kilogramm - bis man überhaupt einen solchen Effekt bemerken würde.

Vorsicht bei Haustieren

So gut Schokolade dem Menschen tut, für Tiere ist sie gefährlich. Deren Stoffwechsel kann nämlich das enthaltene Theobromin nur langsam abbauen. Bei Katzen, Hunden und Pferden kann diese Substanz zu epileptischen Anfällen, Herzinfarkt, inneren Blutungen und unter Umständen zum Tode führen. Die minimale letale Dosis (tödliche Gesamtmenge an reinem Theobromin) für Hunde beträgt laut Universität Zürich 100 mg pro kg Körpergewicht. Das entspricht in etwa drei Tafeln Vollmilchschokolade oder einer Tafel Zartbitter für einen 10 bis 15 Kilogramm schweren Hund. Ein Hund, der eine entsprechend große Menge Schokolade zu sich genommen hat, sollte innerhalb von zwei Stunden nach der Einnahme zum Erbrechen geführt und zum Tierarzt gebracht werden.


Michael Leithinger
Dezember 2006

Foto: Bilderbox

Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2020