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Therapeutische Kochgruppe

Therapeutische KochgruppeTherapeutische Kochgruppe gegen Essstörungen. Das gängige Schönheitsideal spindeldürrer Models, Werbung oder die Modegröße XS können Auslöser sein, dass junge Menschen extrem auf ihre Figur achten. Extreme Folge ist ein Schlankheitswahn, der nicht selten zu Essstörungen wie Magersucht oder Bulimie führt.


Magersüchtige, die die Nahrungsaufnahme komplett verweigern, oder Bulimiekranke, die das Essen wieder erbrechen, leiden unter einer Störung der Körperwahrnehmung mit dem Fokus auf ständiger Gewichtsabnahme. Neben den gesellschaftlichen Einflüssen begünstigen etwa mangelndes Selbstbewusstsein, Leistungs- und Erfolgsdruck sowie Familienkonflikte die Erkrankung, berichtet die Landes- Frauen- und Kinderklinik Linz.

Nicht nur Mädchen

„Vor allem in der Pubertät, einer Zeit der Unsicherheit, Eigenfindung und körperlichen Veränderung tendieren junge Mädchen – und mittlerweile auch Jungen – dazu, sich an dem Körperbild zu orientieren, das ihnen von Werbung oder Fernsehen vermittelt wird“, sagt Prim. Dr. Michael Merl von der Kinder- und Jugendpsychiatrie der Landes- Frauen- und Kinderklinik in Linz. Das therapeutische Konzept der Essstörungen umfasst unterschiedliche Therapieelemente.

Kochen gegen Ess-Brechsucht

An der Landes- Frauen- und Kinderklinik in Linz gibt es seit nun einem Jahr für die stationären Patienten eine therapeutische Kochgruppe. Die Betroffenen – in der Altersgruppe von 14 bis 18 Jahren – lernen, wieder ein gesundes Verhältnis zum Thema „Essen“ zu entwickeln. Den Patienten wird gezeigt, wie sie für sich selbst und ihre seelische und körperliche Gesundheit sorgen können.

Essen als Erlebnis

In Gruppen von drei bis sechs Teilnehmern legen die Jugendlichen gemeinsam mit der Diätologin Gabriele Ecklmayr Menüvorschläge und passende Tischdekorationen fest. „Wir trainieren dabei, normale Portionsgrößen zu essen und die Mahlzeit als gemeinschaftliches und sinnliches Erlebnis zu gestalten, indem wir alles ansehnlich herrichten“, so die Diätologin. Langfristiges Ziel der Kochgruppe ist es, bei den Teilnehmern die Freude am kreativen Prozess des Kochens zu wecken.

Gemeinsames EInkaufen

Dazu gehört natürlich auch der gemeinsame Einkauf: Das Bewusstsein der Teilnehmer für Lebensmittel und deren Inhaltsstoffe soll geschärft werden. „Wir verwenden keine Light-Produkte und achten auf regionale und saisonale Zutaten. Wir wollen den Patienten den Genuss von abwechslungsreicher und gemischter Kost vermitteln. Absolut tabu in der Kochgruppe ist übrigens Kalorienzählen“, erklärt Ecklmayr.

Rezeptmappe

Für zu Hause erstellen die Jugendlichen gemeinsam eine Mappe mit Rezepten, die auf Anregungen aus dem Kochbuch der Klinik zurückgehen („Tischlein deck dich“ – Kochbuch erhältlich bei Gabriele Ecklmayr unter 050 554/63-22337 zum Preis von € 10). Die Therapie wird ergänzt durch einen Beobachtungsbogen, in dem die Mädchen und Buben ihr Essverhalten festhalten sollen. Ziel ist, die Eigenverantwortung der jungen Patienten zu fördern.

Folgen der Essstörungen

Bleiben Essstörungen unbehandelt, kann es langfristig zu schweren körperlichen und psychischen Komplikationen kommen. Zu den Gesundheitsrisiken gehören Mangelerscheinungen, Osteoporose, Wachstumsstillstand, erhöhte Infektanfälligkeit, Schäden an Herz, Leber, Niere sowie Störungen des Hormonhaushalts, so die Landes- Frauen- und Kinderklinik.

Mag. Christian Boukal
Oktober 2007

Foto: Landes- Frauen- und Kinderklinik Linz

Zuletzt aktualisiert am 21. September 2020