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Abnehmen mit Montignac

Abnehmen mit Montignac„Essen gehen und dabei abnehmen“ – so der Titel eines Buches. Und wer träumte nicht davon? Der Verfasser – Michel Montignac – macht unter dieser Devise jedenfalls mächtig Gewinn.

Michel Montignac war einst Manager eines internationalen Pharmaunternehmens und ist mittlerweile ein Star unter den „Diätgurus“. Als Verkaufsgenie, „der beim Essen gehen abnimmt“, verspricht er dies in seinen Büchern auch den Lesern. Die Verkaufszahlen können sich sehen lassen, der gewichtsreduzierende Erfolg schon weniger.

Kombination von zwei Diäten

Montignac kombiniert, um ganz sicher zu gehen, zwei Diätformen: Diät nach dem Glykämischen Index und Trennkost. Allerdings trennt er nicht Kohlenhydrate und Eiweiß, sondern Kohlenhydrate und Fett. Seine Begründung: Werden Kohlenhydrate gegessen, steigt der Blutzuckerspiegel, und damit der Insulinspiegel. Insulin hemmt den Fettabbau und somit den Weg zur schlanken Linie.

Zusätzlich werden die Kohlenhydrate anhand ihrer Blutzuckerwirkung, also anhand des glykämischen Index, in „gute“ und „schlechte“ Kohlenhydrate eingeteilt.

Gute gegen schlechte Kohlenhydrate

„Gute“ Kohlenhydrate, wie Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, Obst und Gemüse darf man essen, solange man sie nicht mit Fettlieferanten kombiniert.

„Schlechte“ Kohlenhydrate wie Weißbrot, Honig, Kartoffeln, gekochte Karotten, Schokolade, Limonade und ähnliches muss man meiden. Zucker wird von Montignac grundsätzlich als gefährlich eingestuft, und deswegen gemieden oder ganz abgelehnt.

Kombinationen aus eiweiß- und fettreichen Lebensmittel seien dagegen kein Problem für die Bikinifigur. Eine ordentliche Portion Speck mit Ei am Abend ist durchaus in seinem Sinne. Seine Methode zählt somit zu den so genannten Low-Carb-Diätformen.

Der Haken an der Theorie

Der Eiweißanteil liegt mit 30 Prozent doppelt so hoch, wie von der DGE (Deutsch Gesellschaft für Ernährung) empfohlen. Die angepeilte tägliche Energiezufuhr ist zu hoch, um damit Kilos purzeln zu lassen. Experten kritisieren zudem, dass die Argumentation von Montignac äußerst mangelhaft ist.

Trennung nicht notwendig

Eine Trennung von Kohlenhydraten und Fetten ist aus ernährungswissenschaftlichter Sicht nicht notwendig und schränkt die Nahrungsaufnahme nur unnötig ein. Außerdem hat Montignac manches missverstanden: Gekochte Karotten sind laut Montignac in der Gruppe der „schlechten“ Kohlenhydrate zu finden, weil sie einen hohen glykämischen Index aufweisen. Dies ist allerdings immer für 50 g berechnet. Um diese Kohlenhydratmenge in Form von Karotten aufzunehmen, müsste man schon ein dreiviertel Kilo essen!



GegenüberstellungMontignacdiätEmpfehlung DGE
(Deutsche Gesellschaft für Ernährung) % der Energiezufuhr 
Fettanteilca. 31,2 % pro Tag
bei "Montignacessern" lt. Untersuchungen
30 %
Eiweißanteil29,3 % bei "Montignac-essern" lt. Unter-suchungen10 - <15%
Kohlenhydratanteil39,5 % bei "Montignac-essern" lt. Unter-suchungen55 - 60 %
Glykämischer IndexBasis der Montignac-diätBei Diabetikern relevant, allerdings als alleiniges Beurteilungskriterium nicht geeignet. In der Praxis hat sich der Glyx auch bei Diabetikern nicht durchgesetzt.
Auswahl der Lebens-mittel nach dem GlyxIn Phase I sollten Lebensmittel mit einem Glyx bis 35 und ab Phase II Lebens-mittel mit einem Glyx bis 50 ausgewählt werden.Mit einigen Ausnahmen wie zB Kartoffeln, gekochten Karotten oder Bohnen deckt sich die Auswahl der Kohlenhydratliefe-ranten mit den DGE-Empfeh-lungen. Allerdings beeinflusst  eine unterschiedliche Kombination von Lebensmitteln den Glyx, daher sind die Tabellen als alleiniger Richt-wert nicht aussagekräftig.

Beurteilung aus ernährungsmedizinischer Sicht (Auszug aus "Ernährung Heute")

  • Sicher gehört die Montignac-Diät nicht in die Kategorie völlig unbrauchbar. Doch nicht alle von Montignac als schlechte Kohlenhydrate bewertete Lebensmittel sind auch tatsächlich schlecht.
  • Kartoffeln, Nudeln, Reis oder Mischbrot sind fettarme und sättigende Lebensmittel die, am Besten in Vollkornform, in keiner Ernährung fehlen sollten.
  • Gerichte, die aus mehreren Komponenten bestehen, enthalten einen niedrigeren glykämischen Index und werden bei der Einteilung und "gut" und "schlecht" nicht berücksichtigt.
  • Positiv zu bewerten ist der regelmäßige Verzehr ballaststoffreicher Lebensmittel. Dadurch bleibt man länger satt und isst täglich das nötige Quantum an wichtigen Vitaminen und Mineralstoffen.
  • Absolut ungeeignet ist diese Ernährungsform für schwangere und stillende Frauen. Täglicher Alkoholkonsum (ebenfalls ein Teil des Montignac-Programmes) ist zum Schutz des Babys nicht empfehlenswert.
  • Fraglich ist es, wie man während der Diät mit bis zu einem halben Liter Wein im Blut aktiv und mit klarem Kopf am Alltagsgeschehen teilnimmt.
  • Ganz abgesehen von der Kalorienmenge, die im Wein steckt: Schwierig wird es sicher auch, den Appetit unter Kontrolle zu halten, denn alkoholische Getränke haben eine appetitanregende Wirkung.
  • Mit dieser Diät kann man seine Essgewohnheiten nicht vernünftig umstellen, denn ohne Verzicht geht auch hier nichts. Zu Beginn purzeln sicher ein paar Kilos. Das hängt wohl auch damit zusammen, dass mehr überlegt wird, was gegessen werden darf, und was nicht.
  • Und: Sobald man darüber nachdenkt, isst man bewusster – nicht nur bei der Montignac-Methode.

Beurteilungskriterien:

PRO

Montignac-Diät

KONTRA 

Montignac-Diät

Ausreichend Ballaststoffe

Kartoffeln, Reis und Nudeln sind keine Dickmacher
Ausreichende Mengen Obst, Gemüse und VollkornprodukteRegelmäßiger Alkoholkonsum

Niedriger Zuckeranteil der Kost

In der Schwangerschaft und Stillzeit absolut nicht geeignet
Regelmäßiger FischverzehrAnteil an Fett und Eiweiß ist in Relation zu Kohlenhydraten zu hoch
AbwechslungsreichSport wird nicht als unterstützende Maßnahme empfohlen
Es wird verstärkt nachgedacht, was und wie viel man essen kann

Ernährungsverhalten wird langfristig nicht umgestellt



Diätologin Katharina Pfleger
Mai 2009

Foto: Bilderbox

Zuletzt aktualisiert am 13. November 2020