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Metabolic Balance: Diätologenverband rät ab

Frau in Unterwäsche misst mit Maßband den BauchumfangDas Verbrauchermagazin „Konsument“ testete in seiner April Ausgabe die urheberrechtlich geschützte Diätform „metabolic balance (mb)“. Diese Diätform wird als „ganzheitliches Stoffwechselprogramm zur Gesundheitsförderung und Gewichtsreduzierung“ präsentiert, so das Magazin. Vier Personen testeten für „Konsument“ die Auswirkungen der Diät am eigenen Leib.

Nach Angaben des Unternehmens sind in Österreich 220 Berater für „metabolic balace“ tätig, darunter Mediziner, Ernährungsberater, Heilpraktiker und Fitnesstrainer, berichtet „Konsument“.

Rasches Abnehmen


Die Tester verloren zwar innerhalb weniger Wochen rasch an Gewicht, allerdings sei der Preis dafür hoch und fordert viel Disziplin, so das Magazin. Drei der Vier Tester erhofften sich von mb eine Gewichtsreduzierung, für die vierte standen gesundheitliche Aspekte im Vordergrund. Ein Gewichtsverlust – zwischen neun und zwölf Kilo – stellte sich zwar in allen Fällen relativ rasch ein, was allerdings durch die erheblich reduzierte Kalorienaufnahmen von deutlich unter 1.000 Kalorien zu erklären sei, so das Verbrauchermagazin. Ein erwachsener, berufstätiger Mensch braucht pro Tag ungefähr 2.000 Kalorien. Werden wieder mehr Kalorien aufgenommen, sei auch der Gewichtsverlust höchstwahrscheinlich wieder dahin, vermutet „Konsument“.

Enttäuscht wurde die vierte Testperson: Eine Besserung des Gesundheitszustands blieb aus.

Keine konkreten Rezepte

Informationen zur Auswahl und Zubereitung der Speisen wurden von den Testern als unbefriedigend empfunden. Die Speisepläne enthielten nur Mengenangaben zu verschiedenen erlaubten Lebensmitteln und keine Vorschläge zur Zubereitung. Außerdem sei nicht auf die Saisonalität der Produkte geachtet worden und die aufgelisteten Waren sehr teuer oder nur tiefgekühlt erhältlich gewesen.

Pausen zwischen den Mahlzeiten

„Konsument“-Ernährungswissenschaftlerin Nina Zellhofer: „Die Diät erfordert mit fünfstündigen Pausen zwischen der Nahrungsaufnahme und der aufwendigen Speisenzubereitung viel Disziplin. Die vorgeschlagenen Lebensmittel waren teils sehr teuer, etwa Hummer, Austern oder Wildente. Das führte dazu, dass die Testpersonen zu den billigeren vorgeschlagenen Lebensmitteln griffen, was aber eine einseitigere Auswahl zur Folge hatte.“ Rechnet man die hohen Kosten für die Beratung und den Bluttest mit ein – durchschnittlich 400 Euro – ist das Preis-Leistungsverhältnis nicht stimmig, befindet „Konsument“. Während die Diät im Büroalltag noch schwer umzusetzen ist, ist sie bei einem Restaurantbesuch unmöglich. Als positiv erachtet die Ernährungswissenschafterin die erhöhte Zufuhr an Obst und Gemüse sowie reichlich kalorienarme Getränke. Bewegung ist dagegen kein fixer Programmpunkt.

Diätologenverband stimmt Befund zu

Für Andrea Hofbauer, Präsidentin des Verbands der Diätologen Österreichs, bestätigt dieser Befund die Schwachpunkte von metabolic balance. Das Programm ist zu teuer, Die Umsetzung von mb im Alttag sei sehr schwierig und kostet viel Geld, erklärt sie in einer Presseaussendung. Darüber hinaus seien die Ernährungspläne unausgewogen und nicht – wie oft versprochen – individuell zugeschnitten, außerdem entsprächen sie nicht den derzeitigen ernährungsmedizinischen und diätologischen wissenschaftlichen Erkenntnissen.

Schwachpunkt Beratung

Für Hofbauer wiegen jedoch andere Tatsachen viel schwerer.

So seien die Diät-Berater in der Mehrzahl nicht oder nur unzureichend qualifiziert. Ernährungsberater, Heilpraktiker oder gar Fitnesstrainer weisen für Hofbauer keine ausreichende Qualifikation für tatsächlich fundierte Ernährungsberatung vor. „Bei Menschen mit vorliegenden gesundheitlichen Problemen dürfen sie auch vom Gesetz her nicht tätig werden. Das trifft übrigens auch für Ernährungswissenschafter zu. Diese Kompetenz ist einzig und allein dem Berufsstand der Diätologen vorbehalten“, so Hofbauer in einer Presseaussendung.

Mehr Bewegung unabdinglich

Hofbauer rät zu Vorsicht bei allen Arten von „Wunderdiäten“. Sie sollten nur nach einem vorherigen Gesundheits-Check begonnen werden und auch gesunde Menschen sollten während eines solchen Programms Rat und begleitende Maßnahmen bekommen. Besonders wichtig ist für die Präsidentin des Diätologenverbandes „eine ausgewogene Ernährung und eine langfristige Ernährungsumstellung im Verbund mit einem Plus an Bewegung der Vorrang vor vorgeblichen ‚Wunderdiäten’ wie mb zu geben. Nur eine solche Lifestyle-Änderung kann letztlich zum angestrebten Erfolg bei anhaltender Gesundheit führen.“

Entgegnung des Unternehmens

Die Kritik von zwei Seiten weist das Unternehmen, das in Deutschland angesiedelt ist, zurück. Die Vorwürfe von Hofbauer „sind unrichtig bzw. irreführend unvollständig“, so das Unternehmen in einer Presseaussendung Anfang Mai 2009.
Das Unternehmen bekräftigte, dass mit der Diät kein hohes Gesundheitsrisiko verbunden sei, berichtet die Austria Presse Agentur (APA).

  •  Je nach Ausgangsgewicht würden den Kunden durch die Ernährungspläne 1.200 bis 2.000 Kalorien liefern. Es würden Kohlenhydrate bevorzugt, die durch ihre niedrige glykämische Last den Insulinspiegel niedrig halten würden.
  •  Für den Kunden wird ein individueller Ernährungsplan zusammengestellt, der auf Grund von 36 Laborwerten aus dem Stoffwechselbereich sowie Körpergröße, Gewicht, Alter, Geschlecht und Vorerkrankungen erstellt wird. Einnahme von Medikamenten und Unverträglichkeit gegen Nahrungsmittel würden selbstverständlich berücksichtigt. Die Ernährungspläne würden auf eine ausgewogene Verteilung von Kohlenhydraten, Fett und Eiweiß achten, so das Unternehmen gegenüber der APA.


Auch die Kritik der Präsidentin des Diätologenverbandes, dass die Berater nicht oder nur unzureichend qualifiziert seien, wies das Unternehmen zurück. Die Betreuer seien zu 80 Prozent Ärzte, Ernährungswissenschafter und Diätologen, die besonders geschult werden und dementsprechend qualifiziert seien.

Mag. Christian Boukal

Mai 2009

Foto: APA

 

Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2020